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USA 2014 Ostküste Reisebericht

2012 waren wir schon einmal im Nord-Osten der USA, den sog. Neu-England-Staaten.
Damals hatten wir eine Menge Regen, Nebel und Wolken - nur zwei von 10 Tagen waren sonnig.

Daher wollen wir es noch einmal wagen den Indian Summer zu erleben. Kitschfarben in den Wäldern und Kürbiskulissen vor weißen Holzhäusern. Dazu ein wenig Küste mit Leuchttürmen.
Kulinarisch werden uns die Lobster-Imbissstände an jeder Strassenecke erfreuen.

Shortlinks/Sprungmarkierung zu den Tagen:
02.Okt   03.Okt  04.Okt   05.Okt   06.Okt   07.Okt   08.Okt   09.Okt   10.Okt  11.Okt    12.Okt    13.Okt    14.Okt

Tag -1
Mittwoch 01.Oktober

Wir haben uns erneut für einen Lufthansaflug entschieden, der jedoch über ein Reiseportal unter United Airlines zu finden war. Da United zur Star-Allianz gehört hatten wir bei der Buchung schon gesehen, daß der Flug von LH durchgeführt wurde. Nur dass wir damit über 100,-Euro günstiger buchen konnten. Mit der LH haben wir bei den Langstrecken einfach die besten Erfahrungen. Der Service stimmt (noch), das Personal freundlich und die Flieger auf aktuellem Stand. Unserer war zumindest mit neuester Innenausstattung, ein Airbus 340. Entertainment mit bestimmt 60 Filmen und 100 Musikalben. Nur das Hilfstriebwerk war kaputt, so der Kapitän noch vor dem Start. Das bedeutet wir sollten uns nicht über das fahrbare Energie-Versorgungsgerät neben dem Flieger wundern, aber sie müssten damit noch am Terminal zwei der Triebwerke fremdstarten um dann die anderen in Betrieb nehmen zu können. Dauert nur 5min länger und das Hilfstriebwerk würden wir auf dem Flug selbst eh nicht brauchen. Das Entertainsystem musste zweimal gebootet werden bevor es los gehen konnte, hoffentlich müssen die Treibwerke unterwegs in der Luft nicht auch mal "schnell gebootet" werden ;-)

Der Flug selbst verlief sehr ruhig. Besonders erwähnenswert war der Blick auf Schloß Prunn und die Altmühlkurve bei Riedenburg kurz nach dem Start. Später dann Island aus der Luft zu sehen, mit Blick direkt von oben in den ausgebrochenen Vulkan. Die rote Lava sah man und der Lavafluß zog sich bestimmt über ein bis zwei Kilometer rot glühend dahin. Die isländischen Berge leicht überzuckert, schöne Strukturen auf den braunen/grünen Flächen, dazischen die Rauchfahne und der aktive Vulkan. Ein besonderes Erlebnis. Auch Grönland war wieder schön anzusehen. Zusammenfliessende Gletscherströme, welche in Meeresbuchten mündeten und dort vermutlich brachen. Alleine die Strukturen der riesigen Gletscher waren beeindruckend.

Landung in Boston pünktlich nach Flugplan. Die Einreise war zackig, nach nur 10min waren wir schon am "Officer" vorbei. Der Mietwagen war 15min später abgehakt. Alles perfekt vororgansiert durch billiger-mietwagen.de und DriveFTI bei Alamo. Ein Chevrolet Midsize SUV mit viel Platz. Etwa 120km nördlich von Boston liegt York. Dort haben wir ein kleines Motelzimmer bezogen und schlafen erst einmal. Nach unserer zeit wäre es jetzt 5:00 Uhr morgens und wir haben bis jetzt durchgemacht.

Tag -2
Donnerstag 02.Oktober

Um vier Uhr morgens bin ich durch die Kühle im Zimmer aufgewacht, ich schaltete die Elektroheizung an und legte die Tagesdecke auch noch auf die hauchdünne Bettdecke. Es regnet schon die ganze Nacht, die Holztüren sind zugig und es hat höchstens 8-10 Grad. Um sechs ist dann Dank Jetlag endgültig Schluss mit der Nacht. Zum Sonnenaufgang brauchen wir uns nicht bemühen, dickste Regenwolken hängen draussen und es prasselt immer noch von oben.

Laut Wetterbericht soll es besser werden, vor allem Richtung Westen. Daher ein Zimmer in Brattleboro gebucht und auf den Weg gemacht. Den ersten halben Liter Kaffe holen wir uns an einer Tankstelle, jeder einen 16oz (ca. 0,5l) Becher versteht sich. Tatsächlich haben wir ab Mittag durchwachsene Bewölkung mit blauem Himmel sowie trockene Strassen.

Wir gehen in einem kleinem privaten Family Diner zum frühstücken, schliesslich brauchen wir neben etwas handfesten im Magen auch den nächsten halben Liter Kaffe. Etwas weiter Richtung Bennington ist der Highway VT100 der als scenic drive, also Sehenswert, ausgeschildert ist. Auf einer Anhöhe hat man einen schönen Überblick über die weitbewaldeten Hügel, angeblich ein 100 Meilen Blick. Einen kleinen See erkunden wir auch noch fotografisch, um dann den abendlichen Himmel noch einmal  auf dem Aussichtspunkt zu geniessen.
Gegen 21:00 Uhr zieht es uns die Füsse weg und wir schlafen ein.

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Tag -3
Freitag 03.Oktober

Der Tiefschlaf hält uns lange fest. Um 6:00 Uhr ist dann langsam Aktionismus angesagt. Wir checken noch den Plan für den Tag. Morgensonne hilft uns in diesen Tallagen sowieso nicht für gutes Fotolicht. Nach dem Frühstück brechen wir auf um gen Norden zu ziehen.
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Eine Covered Bridge sehen wir uns an, im harten Licht ist das Ding fototechnisch jedoch schwer zu knacken. Na gut, weiter in den Hamilton Park bei Jamaica um den Hamilton Wasserfall anzusehen. Der Park kostet 3,-USD pro Nase, dann stiefeln wir los. Endlich ein wenig Bewegung. Der Trail ist insgesamt 6 mi lang, d.h. knapp 10km zu gehen. Die ersten zwei Meilen geht es schön bewaldet am Fluss entlang. Dann zweigt es ab, steil nach oben für eine weitere Meile. Nach 1h15min sind wir am Wasserfall. Doch es scheint die Sonne knapp über dem Pool am Fallgrund voll auf die Felsen. Diese Lichtdynamik zwischen dunklem Wasser unten und hellem Fels oben ist kaum zu bewältigen. Na gut, bauen wir auf und versuchen unser Glück. Evtl. bewegt sich die Sonne passend weiter und der Schatten kommt.

Dann der erste Schreck, mein Kabelauslöser ist nicht mehr im Rucksack. Sch..xx, wo ist das Ding. Im Auto? Nö, kann nicht sein. Aber halt! Ich bin mir fast sicher der liegt auf den Steinen des Flusses bei der Covered Bridge von heute morgen.

Na gut, Ersatz ist zum Glück dabei. Es geht weiter.

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Wir verzetteln uns mit Fotos machen bis halb vier Nachmittag.

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Wir haben dann ja nochmal 1,5h Weg retour. Also los. Bei Meilenmarkierung 1,2mi vor dem Auto ist schönes goldenes reflektiertes Licht auf dem Wasser am Fluss. Tina lasse ich zum Auto voran gehen, ich mache noch schnell ein paar Aufnahmen. Runter durchs Gestrüpp, Stativ aufgebaut und…nicht schon wieder !!! Der große 105mm Polfilter schnappt samt Lee-Halter vom Objektiv. Ich sehe in noch über die Felsen rutschen und … im Wasser verschwinden.
Das ist ein nicht akzeptierbarer Zustand, nicht bei dem Preis von dem Ding. Einen zweiten Verlust vertrage ich heute sowieso nicht. Also schnell Kamera mit Stativ auf den abschüssigen Felsboden gelegt, Rucksack runter, Filtertasche abgelegt, Schuhe und Hose aus und hinter dem Filter her. Überraschenderweise ist das Wasser kein Schock. Es hat sicher 18°C, wenn nicht mehr. Der Felsen zieht sich aber unter Wasser weiter, ich kann nicht erkennen wie tief es ist und wie weit die Felsen reichen. Also vorwärts getastet bis ich brusttief drin war. Dann am Ufer entlang, vorsichtig versuchen durch die spiegelnde Wasseroberfläche etwas zu erkennen. Tiefer als einen halben Meter sehe ich nicht. Die Strömung zieht an mir. Weitertasten, es wird tiefer aber auch gerölliger. Das könnte den Filter gebremst haben bevor ihn das Wasser mitreisst. Also unter die kopfgrossen Steine mit den Füssen getastet. Halten kann ich mich kaum. Doch da, was ist das? Schnell ganz abgetaucht, zwei Armzüge und ich hatte den Filter getastet. Jetzt vorsichtig unter dem Stein in 1,5m Tiefe hervorziehen. Hab‘ ihn. Raus aus dem Wasser, alles abtropfen lassen Filter putzen. Ok, der hat die Felsrutscherei und den Tauchausflug schadlos überstanden. Oh, ich sollte mich anziehen. Ich stehe triefend in Unterhose hier am Fluss neben dem Trail. Die ersten Hiker schauen schon, was da los ist.

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Zurück am Auto beschließen wir, noch einmal zurück zu fahren und den Fernauslöser zu suchen. Leider war der aber nicht mehr da. Trotzdem sind die 40mi Umweg nicht ganz umsonst, denn versucht habe ich es wenigstens.

Für die Nacht finden wir in Weston ein familiengeführtes Inn. Nicht ganz günstig, aber es war so liebevoll eingerichtet und der Empfnag war so herzlich, da wollen wir hier also bleiben. Es gibt noch homemade Cookies von der Wirtin, Hund und Katzen wollen begrüßt werden und das umfangreiche Frühstück morgen soll der Hammer sein. Letzteres versichern uns andere Gäste die hier schon vierzig Jahren jedes Jahr absteigen. Den geschätzten Alterdurchschnitt der anderen Gäste können wir beide trotz unserer eigenen fortgeschrittenen Lebenserfahrung deutlich nach unten drücken.

 

Tag -4
Samstag 04.Oktober

Früh am Morgen besuchen wir die alte Mühle in Weston. Sie liegt ganz nett und ist historisch mitsamt dem alten Sägewerk restauriert. Leider fängt es zu regnen an und das soll den ganzen Tag so bleiben.
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Zurück zum „Colonial Inn“ um zu frühstücken. Am Tisch sitzen noch ein Norwegerpärchen und ein Rentnerpaar von gestern. Wir folgen der Empfehlung des Hauses und nehmen erst einmal einen Früchtekuchen zum Start. Dann folgt „hot cerealis“, heute ist das Grits in Vermont Style. Ich hatte mir geschworen nie mehr im Leben Grits (körniger, fetter Maisbrei) runter zu würgen, das hier war jedoch echt gut und mit bestem Ahornsirup übergossen sogar zum Nachschlag empfohlen. Als nächstes kamen Pancakes mit Pumpkingeschmack, Tina nahm ein großes Omelett mit Gemüse. Dazu 10-Korn-Toast. Kaffee bis zum abwinken, O-Saft ist selbstverständlich.
So gesättigt bezahlen wir beim Herrn des Hauses und fahren los. Über Woodstock geht es nach Norden. Wir suchen die Sleepy Hollow Farm, die dann an einer unbefestigten Verbindungsstrasse liegt. Alles Privatgrund, kameraüberwacht, mit deutlich unmissverständlichem Hinweis weg zu bleiben. Von der Strasse aus reicht es jedoch für ein paar Aufnahmen, dieser als schönster Platz in Vermont bekannten Farm. Jedenfalls waren in der Zeit bestimmt mehr als zehn Touristen ebenfalls am durchfahren und knipsen, trotz Regen. Wir folgen der Schotterstrasse weiter nördlich und entdecken eine wundervolle Landschaft, typisch für Vermont. So ist das von keinem Highway aus zu sehen.
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Zwei „Covered Bridges“ nehmen wir mit, nur eine ist wirklich fotogen. Aber dazu muss ich wieder einmal ins Wasser steigen um nach einem Wehrüberlauf eine gute Perspektive zu bekommen.
Wir müssen Tanken und holen Kaffee, unseren Haupttreibstoff.
„Holy Cow“, das ist nicht eine Sekte, sondern der Kaffee, für den ich mich entscheide. Ein „Vanille, Karamell und Milchschokolade“-Geschmack. So eine Kaffeebar habe ich noch nicht gesehen. Die Auswahl ist riesig, insgesamt 14 verschiedene. Zum Beispiel Sticky Buns, “ofengebackener Zimtrollengeschmack (!)“, Snickerdoodle (das ist ein „Zimt, Vanille und Nuss auf Grossmutters Zuckerkeksen“-Geschmack) oder „Blueberry Mountain Kaffee“. Alles klar?

Tja, der Regen. Das beste Wetter für Wasserfälle. Also widmen wir uns zwei Wasserfällen bei Hancock. Der eine ist der Texasfall und liegt in einem Statepark, gebührenfrei, direkt neben der Straße. Man kann bequem den oberen und unteren Teil erreichen. Es hat nicht allzu viel Wasser in den Bächen, aber ausreichend genug.
Der zweite ist der Moss Glen Fall, jedoch nicht der, den wir vor zwei Jahren hatten. Ich entdeckte bei der Recherche nach lohnenden Fotospots einen gleichnamigen Wasserfall, nur eben hier bei Hancock und direkt neben der Straße. Mittlerweile regnet es nicht mehr, es schüttet aus Eimern! Heilfroh über den gebastelten Regenschirmhalter am Stativ, der mir mit dem Schirm nun die Kamera schützt, rieselt es aber vom Schirm auf meinen Rücken und die Hose. Kamera trocken, Fotograf nass.
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Dann kam ein Reisebus vorbei und wir erlebten die wohl dümmsten Fotoknipser der Welt, also gleich nach den „in den Grand Canyon Blitzern“. Der Bus hielt am Strassenrand, genau bei dem Wasserfall. Er hatte tiefdunkle Sonnenschutzscheiben und aussen war alles voller Regentropfen. Anscheinend wollte aber keiner in den sintflutartigen Regen hinaus und so fing es an, die ganze Busfront entlang zu blitzen. Von innen!!! Ich konnte mich vor Lachen kaum halten.

Für die Nacht haben wir in einem familiengeführtem Guesthouse mit Bäckerei und Essmöglichkeit ein Zimmer erfragt. Die hatten nur zwei und unseres war das letzte. Es ist Wochenende, Hauptsaison und die Zimmer sehr gut ausgebucht. Schwierig ohne Vorreservierung unter zu kommen, aber da wir keine allzu großen Ansprüche stellen (sauber und gepflegt, WiFi, evtl. mit Frühstück) finden wir schon etwas.

Da die abendliche Küchendarbietung der Lokalität nicht überzeugend war, verzichten am nächsten Tag auf das „all you can eat breakfast“, welches es Sonntags gab.
Tina steckt mich noch in die Badewanne zum schwitzen, den anscheinend habe ich mir von dem Flussbad vorgestern und dem Rückweg in nassen Klamotten (das T-Shirt ging anfangs mit Baden) eine anständige Erkältung geholt.

Tag -5
Samstag 05.Oktober
Als es um sieben los ging, fingen die Wolken an sich zu lichten. Überzeugendes Morgenlicht hatten wir nicht. Zuerst statten wir Woodstock einen Besuch ab.

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Eine Covered Bridge und die Sleepy Hollow Farm stehen auf dem Programm. Dort „wimmelt“ es von Fotografen. Einer gibt mir den Tip zur Jenne-Farm etwa 8 Meilen südlich zu fahren. Gut, machen wir das. Die Farm scheint auch ein Fotografentip zu sein. Ein Kommen und Gehen ist das dort! Das Gebiet ist zwar privat, aber weil die Touristen sowieso die ganze Wiese zertrampeln hat der Eigentümer der Farm an seinem Fotospot eine Parkanweisung aufgestellt und eine Trinkgeld-Box um einen Ausgleich zu bekommen.
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Über die Interstate kommen wir zügig nach Norden, dann biegen nach Stowe ab. In dem Skiort hängen an jedem zweiten Lichtmast die bayerischen Fahnen. Das ist ein Empfang. Der Grund ist das hier an diesem Wochenende abgehaltene „Oktoberfest“. Hinter Stowe geht es in sehr kurviger Lage den Berg hoch. Eine wundervolle Strecke durch gelbe, verkrüppelte Bergahornwälder deren Kronen ein Dach über der Strasse bilden. An diesem Wochenende sind hier hunderte von Autos die den schmalen Weg am Strassenrand zu parken. An den Felsblöcken dazwischen klettern Einheimische. Wir sind begeistert von diesem wunderbaren Ort, den wir durch Zufall fanden.
In Jeffersonville lichten wir die dortige alte Mühle ab und dann wieder zurück über den wunderschönen Pass mit seinen Farben und Wasserläufen.

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Die Kirche in Stowe bietet Anlass für das abendliche Bild, leider glüht es kaum, die Wolken sind zu dicht.
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Dafür, dass wir gestern im Regen fast in den Klamotten abgesoffen sind ist es heute komplett trocken gewesen. Blauer Himmel mit großen durchziehenden Wolkenfeldern.
Um weiter zu kommen mieten wir uns in Hardwick nach dem Abendessen in einem sehr einfachen Motel ein.

Tag -6
Montag 06.Oktober
Bereits um 6:15 Uhr verlassen wir die Bruchbude nach einer Nacht mit durchgehend Heizungsrohrknacken. Die Foster Bridge bei Cabot wird unser Morgenziel. Zu Dämmerungsbeginn haben wir sie gefunden.
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Bis Sonnenaufgang machen wir ein paar Aufnahmen und fahren weiter über Danville (mit viel frischem Kaffee) und Peacham nach Barnet.
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Diese Strecke ist teilweise ungeteerte Landstraße zwischen kleinen Gehöften. Erneut wunderbare Landschaft, die man so von den Highways aus nicht sieht.
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Kurz nach Bethel ist der Crafton Notch Statepark mit einigen Wasserfällen. Wir verbringen den halben Nachmittag an den Step Falls und gegen Sonnenuntergang sind wir bei den Screw Auger Falls, nur eine Meile weiter. Die Step Falls sind in 20 min zu erwandern.

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Die Screw Auger Falls liegen direkt neben der Straße.

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In Bethel nehmen wir uns ein Motelzimmer in der Stadt selber. Eine kleine Pension die deutlich besser ist als gestern und auch noch billiger. Maine ist halt nicht Vermont. Per Mail bekommen wir die Bestätigung der Vorausreservierung des Sea Wall Hotels für drei Tage im Acadia Park. Das kennen wir schon von vor zwei Jahren und ist ideal für Unternehmungen im Nationalpark dort.

Tag -7
Dienstag 07.Oktober

Der Blick am Morgen zeigt uns wieder einmal wie schnell sich hier das Wetter ändert. Dicke Wolken und Regen bestimmen das Bild. Gestern war noch blauer Himmel mit einer einzigen kleinen Wolke abends.
Da der Crafton Notch State Park es uns angetan hat, fahren wir erneut dahin. Unterwegs finden wir zufällig eine Covered Bridge. Ich stehe wieder mal im Wasser für bessere Aufnahmen, jedoch ist es so kalt, dass es bis oben an den Haarspitzen klingelt. Jetzt erst fällt mir ein, dass ich mir extra noch Neoprenwadenstrümpfe speziell für solche Aktionen gekauft hatte. Also raus aus dem Wasser, umgezogen und schon ging es besser.

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Im Crafton Notch Park geht auch ein Teil des über 3000km langen Apalachian Trails, der längste durchgehende Wanderweg, entlang. An einem Trailhead sollten nach meiner Recherche Wasserfälle sein (das Wetter wäre perfekt dafür) jedoch ist an den Hinweistafeln nichts dazu zu entdecken. Im Nachbartal, das wir durch Weiterfahrt erreichen suchen wir die Ellis Falls, finden sie auch nicht. Die Cataracts lassen wir sein, da es nicht regnet sondern schüttet.
Am Wegesrand sehen wir das erste Mal einen großen Elch in vielleicht 20m Entfernung. Dafür bringt die Nässe die Farben richtig heraus. Der Glanz der Waldfarben ist unbeschreiblich.

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Wir verlassen die Bergwelt und begeben uns an die Küste. Leider spielt das Wetter bei der Industrieanlage „Bowdon Mill Island“ nicht mit. Als wir ankamen floss noch Wasser die breiten dunklen Stauwehre (im Bild rechts hinten) hinab. Bis wir die Kamera am richtigen Ort hatten, hat anscheinend das Kraftwerk umgeschaltet und alles war von jetzt auf sofort trocken. Schnell aus Trotz zumindest eine Langzeitbelichtung gemacht und frustriert weitergefahren.

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Unser erster Küstenpunkt sollte Hendrick Headlight sein, ein Leuchtturm mit nettem Bootshaus. Da wir uns verzetteln, kommen wir 10min vor Sonnenuntergang an. Doch leider ist der Leuchtturm und das Gelände weiträumig Privatbesitz (stand in meiner Recherche nirgends). Jetzt eilt es um schnell eine Perspektive zu finden, daher noch einmal zurückgefahren um aus der gegenüberliegenden Seite ein Bild zu machen. Geht aber nicht, da das alles Privatstra0en, -wege und private Grundstücke sind. Keine Chance. Zum Glück war es kurz nach Ebbe, die Flut rollte herein und wir konnten trockenen Fußes einen Felsen in der Bucht erklimmen, der bei nur einem halben Meter höheren Wasserstand nicht mehr erreichbar wäre. All das geschah in weniger als 10min, als wir auf dem Felsen aussen ankamen schlug der Himmel für einen Augenblick um. Wenig Minuten nach offiziellen Sonnenuntergang bot sich ganz kurz ein fantastisches Schauspiel.

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In der Nähe von Newcastle finden wir nach einer Stunde noch in der Dunkelheit eine Unterkunft, eine ziemlich abgenutzte Einrichtung mit zugigen Fenstern wird uns für die nächsten 7h eine Bleibe sein.
Nach so einem Bildergebnis von heute abend bin ich so zufrieden, dass mir das egal ist.

Tag -8
Mittwoch 08.Oktober
Wir wollen zwar früh raus, doch das Erste was wir hören ist Gewitterdonnern und prasselnder Regen. So macht das keinen Sinn zum Pemaquid Leuchtturm für den Sonnenaufgang zu fahren.
Also packen wir zusammen und nehmen als neues Ziel Rockland in Angriff. Dort herrscht dann neben dem Regen eine „steife Brise“ mit orkanartigen Böen. Daher erst einmal in ein Cafe zum Frühstücken abgebogen. Danach ist der Regen weniger, der Wind immer noch da aber was soll’s. Wetterfest eingemummelt und Regenhülle über dem Fotorucksack stapfen wir los zum „Breakwater Lighthouse“. Das steht mitten in der Hafeneinfahrt und ist seitlich durch einen Wall aus Granitblöcken erreichbar. Das soll etwa 0,8 mi lang sein, also etwa 20min zu Fuss. Nach den ersten 50m frage ich mal Tina wie denn eigentlich der Gezeitenstand für heute ist? Die Blöcke auf denen wir gehen haben noch etwa einen halben Meter über dem Meer. Einlaufende Flut mit Höchststand in 1h ist die Antwort. Das geht sich kaum aus, trotzdem traben wir weiter. Der Wind peitscht Regen und Wellen entgegen, kurz vor dem Lighthouse ist Schluss, der Wall unpassierbar überflutet (mit „Schuhen an“ gerechnet). Schnell ein paar Fotos mit Dauerputzen der Linse, das Wetter passt eh nicht.

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Und zurückgegangen. Die Brecher schwappen jetzt schon drüber und in kürzester Zeit haben wir „Land unter“ in den Schuhen. Laufend geraden wir in die überrollenden Wellen auf dem Weg retour. Am Ende wollen wir noch Fotos der Wellen machen, da erwischt mich eine von hinten. Ab Oberschenkel abwärts triefe ich und die Kamera hat auch ordentlich Salzwasser überspritzt bekommen. Schnell zum Auto, alles putzen und Klamotten wechseln.

Es geht weiter zum Acadia Nationalpark. Nach 2,5h Fahrzeit sind wir da. Das bestellte Motelzimmer wird bezogen und dann auf zum Bass Harbor Lighthouse. Um da einen Fotoplatz für den Sonnenuntergang zu bekommen muss man früh da sein. Um 16:15 Uhr ist für 18:03 Uhr Sunset schon fast zu spät. Die ersten vier Stative stehen schon an den schönsten Plätzen. Wir zwängen uns mit rein. Die nächsten 1,5h vergehen mit Stativgeruckel, Neuankömmlingen und vorsichtiger Platzbehauptung. Auf den Klippen ist nicht viel Platz und schnell hat man in nebeneinander oder in zweiter Reihe im Weitwinkel den Nachbarn mit drauf. Mittlerweile dürften so an die 20 Stativ-Fotografen und noch einmal so viel Handyknipser dort sein. Besucher, die zu weit nach vorne laufen, also ins Bild geraten können, werden sehr deutlich auf ihr Fehlverhalten hingewiesen. Um 18:00 geht dann das Dauerfeuer los, um 18:15 Uhr ist der Platz bis auf wenige geräumt.

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Mit einem Australier mache ich noch bis 19:30 weiter, unter anderem mit seinem Lightpainting. Das obige Bild ist nur vom Vollmond, der gerade aufging, ausgeleuchtet.
In 2012 hat uns der Ranger nach Sonnenuntergang verscheucht, heuer hat es keinen interessiert. Laut unserem Motel ist der Park schon im Winterbetrieb und daher nicht mehr überwacht. Selbst die Tagespässe wurden weder kontrolliert noch lt. Motel hier in Bass Harbor benötigt. Trotzdem hatten die anderen Fahrzeuge Tagespässe am Spiegel hängen, diese wurden anscheindend drüben bei Bar Harbor am Parkeingang unter Tags ausgestellt.

Es ist kühl geworden und wir fahren zum Motel. Unterwegs noch für jeden eine Lobsterroll geholt und im Motel verzehrt. Sagenhaft! In so einem Weissbrotröllchen kommt je Portion ein halber Hummer. Dazu Majonese, Salat und Essiggurke. Saugut!

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Tag -9
Donnerstag 09.Oktober
Der Wecker haut uns raus, der Sonnenaufgang am Otterbeach erwartet uns. Als wir um 6:10 Uhr dort ankommen, sind viele Parkplätze schon belegt und ein ganzer Fotoworkshop tummelt sich auf den Klippen und am Strand. Wir finden einen Platz und ein anderer Fotograf macht uns auf die Besonderheit aufmerksam. Die flachen Steine, die als Tritte so schön aussehen sind die gefährlichen. Auf die Idee auf die runden zu treten käme man sowieso nicht, aber auf den flachen geht’s ab wie auf Schmierseife. Dann landet man schmerzhaft in voller Länge auf den runden, kindskopfgroßen Steinen. Kurz danach macht es uns ein asiatischer Kollege samt Kamera und Stativ vor. Der bleibt glatt 2min liegen, so überrascht von dem plötzlichen Abflug und dem sicher schmerzhaften Eindrücken war er.
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Auf dem Rundweg kommt uns noch diese nette Brücke vor die Linse. Obwohl ich das Stativ bis zum Kugelkopf im Wasser versenke schaffe ich es nicht die Spegelung der Brücke besser auf den Sensor zu bannen. Das Gestrüpp auf dem Wasser liegt genau an der Spiegelungsstelle.

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Zum verspäteten Frühstück suchen wir uns einen Strandabschnitt auf dem wir dann eine Weile bleiben und einfach die Szenerie genießen. Es ist ein herrlicher Tag geworden, etwas windig, aber sonnig warm und blauer Himmel. Wir dösen ein wenig, machen Beifang-Fotos am Strand. Danach geht’s kurz ins Motel. Stativ und Hose vom Salzwasser befreien, die Gischtspritzer setzen sich überall fest. Ein wenig fahren wir nach Bass Harbor in den Ort um danach gleich wieder den Leuchtturm zu besuchen.
Am Parkplatz spricht mich aus einer 4er-Gruppe ein Amerikaner mit Blick auf das Fotostativ an: „Seid ihr für den Sonnenuntergang hier? Etwas früh, oder? Wir kommen in Kürze wieder.“ Wir erklären noch, dass das schon gut sei, so früh seinen Platz zu haben.
Am Fotospot stehen schon wieder drei Stative. Den von mir auserkorenen Platz wollte noch keiner (bzw. ich erfuhr am nächsten Tag, dass da einer war aber für ein paar Minuten sich die Beine vertreten wollte, tja: Pech für ihn), flugs alles aufgebaut und gewartet. Plötzlich kommen neben anderen Fotografen auch noch ein kompletter Fotoworkshop mit ca. 20 Leuten an. Ich sehe nur entgleisende Gesichtszüge rundherum, denn das kann nicht ausgehen. Als die dann einigermaßen verteilt und von den anwesenden Platzhirschen auf die Ränge gewiesen wurden (darf ja keiner im Bild stehen, die Ausschnitte sind vorher sorgfältig festgelegt worden), kommen die anderen die uns am Parkplatz angesprochen hatten. Als er mich entdeckt, ruft er rüber: „Hätte ich nicht geglaubt, hätt‘ auf Dich hören sollen“. Ist dann tatsächlich so, dass er keinen Platz mehr bekam. Ein kleiner Ausschnitt von meinem Standpunkt aus gesehen. Gezählt habe ich 57 Fotografen in Summe. Die, die meinten 10min vor Sunset zu kommen hatten eine erkennbare Enttäuschung sowie Wut auf sich selber.
So sah es aus, nach unten und nach oben von uns aus, allerdings fehlen die vor und die hinter uns noch:

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Die Pfütze, links neben der grünen Jacke zu sehen, ist übrigens die einzige kleine Spiegelungsmöglichkeit. Es haben max. 3 Fotografen die Möglichkeit diese Perspektive zu wählen. Danach auf eine andere zu wechseln dürfte erkennbar ins Unmögliche gehen ohne die anderen nicht massiv zu beeinträchtigen.
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Hinten zwischen den Nadelbäumen sind die letzten Ankömmlinge, alle dort hinter der dunkelgrünen Jacke im Vordergrund haben den Leuchtturm gar nicht mehr drauf, nur noch Meer, Klippen, Sonnenuntergang.

Leider verschwindet die Sonne aber dann gerade zum Untergang hinter einer Wolkenwand. Naja, das ganze hatte wenigstens auch so einen Unterhaltungswert.

Da mir der Leuchtturm besonders gefällt und auf dieser Reise wichtig war, werden die Leser dieses Blogs noch ein paar Varianten über sich ergehen lassen müssen. Die hier also von heute:
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Als wir fertig fotografiert haben fahren wir erneut in den Ort Bass Harbor in ein Seafood Restaurant zum Abendessen. Es gibt Clam Chowder, Haddock und frittierte Shrimps mit diversen Beilagen.
Gut gesättigt fallen wir ins Bett.

Tag -10
Freitag 10.Oktober
Der Wecker geht zu spät um irgendwohin zu fahren. Daher machen wir direkt am Strand vor dem Motel unsere Aufnahmen vom Sonnenaufgang. Das hat den Vorteil, dass wir dieses Mal auch zum Frühstücken dort sind.

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Für die nächsten Tage haben wir kein Zimmer, da unser Internet nicht die benötigten Seiten aufrufen lässt. Da ich einen Virus vermute, lade ich erst einmal mit Motel-PC Scansoftware und Malware-SW herunter. Das scannen dauert dann fast drei Stunden mit diversen Programmen. Gefunden wurde fast nichts. Trotzdem geht’s nicht mit bestimmten Webseiten, die bis vorgestern noch funktionierten. Auch das Fotografieforum in Deutschland ist nicht erreichbar. Mittlerweile denke ich, es liegt an der Sicherheitseinstellung des Motel-Routers, der uns an Datensammlern wie „maxymiser.net“ und anderen Cookiesammlern nicht vorbei lässt.

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Nachmittag fahren wir ein wenig rum, machen Fotos, trinken Kaffee in 750ml Bechern und gegen Abend stauen sich die Autos bereits in der Leuchtturmzufahrt. Das lassen wir bleiben und wandern zum Ship Harbor für die Abendsession. Tina betrachtet in Ruhe die Milchstrasse über uns.

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Zum Abendessen wieder Hummerrolle in 30cm Länge (da ist ein ganzer Hummer drin), sowie ein Pfund Clams (Muscheln) dazu. Wir lieben diese Imbissbuden hier.

Tag -11
Samtag 11.Oktober
Heute klappt das zwar mit dem rechtzeitigen Aufstehen, am Marbel Beach angekommen zeigt der Hauptdarsteller aber heute keine Show. Zwar klimmt der Rand ein wenig, das war es dann auch schon um 6:01 Uhr heute morgen.

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Zum Glück haben wir unterwegs an der Tankstelle schon wieder Kaffee geholt. Das ist hier echt eine geniale Sache: 1l Kaffe für 2,67 Dollar. Gut, Kaffee ist übertrieben. Sagen wir eher schwach koffeinhaltiges und aromenversetztes Heissgetränk dazu. Daher können wir auch so viel vertragen. Die warme Brühe hilft trotzdem die Morgenletargie etwas zu dämpfen und die Lebensgeister in dem schon wachen Körper auf Betriebsmodus zu bringen.

Das zweite, was wir so lieben, sind die ganzen Gespräche unter geistig verwandten an so einem Foto-Spot. Egal zu welcher Tageszeit, man kommt immer ins Gespräch. Heute war es wieder genauso. Da spielt es dann keine Rolle, dass die Bilder wegen fehlender Sonnenstimmung nicht gemacht werden. Wir trafen einen Einheimischen und einen Profi, der für Reisemagazine weltweit lokalbezogene Bilder erzeugt. Nächstes Jahr stehen bei ihm die romantische Straße in Deutschland und die Dolomiten im Auftragsbuch. So plaudern wir über Tips, Foto-Spots, Kameratechnik, das Wetter, die Leute und den Ort wo man gerade ist. So erzählt mir der Einheimische z.B. dass er vorgestern am Lighthouse schon auf dem Felsen war, dann jedoch ein wenig umherging und in der Zwischenzeit bin ich auf dem Punkt gesessen und habe mein Stativ aufgebaut. Das nächste Mal reserviert er seinen Platz. Ich hatte mich schon gewundert, warum da einer dauernd immer wieder von seinem Platz mit Stativ aus zu mir hoch sah. Das alles aber nicht verärgert, sondern freundschaftlich, mit einem Schuß Selbstironie erzählt. Fehler gemacht, weg gesteckt, fertig. Man kann trotzdem miteinander plaudern.
In Europa wäre das mit dem Small-Talk nicht so, jedenfalls sicher nicht in Deutschland. Vor allem nicht nach einem, wenn auch unbeabsichtigtem, „Platzraub“.
In unserem Motel setzt sich das fort. Dave, der Eigentümer, setzt sich morgens zu den Gästen und erzählt, gibt Tips für den Tag, dazu historisches und allgemein weltanschauliches. Die Gäste plaudern alle mit, durcheinander, aus allen Ländern, Staaten, Fakultäten und Altersgruppen stammend. Man hat sich noch nie gesehen, trotzdem ist man fast eine Familie für eine Stunde.
Es fällt schwer so einen Ort heute verlassen zu müssen. Da wir Dave und das Motel schon kannten, hatten wir es extra für drei Nächte ausgesucht.
Wenn ich in Rente gehe, werde ich in eine solchen Gegend wie der Acadia Halbinsel, eine mind. dreimonatige Auszeit zur Einstimmung auf den Ruhestand nehmen. Es ist so fantastisch hier. Wälder, Wanderpfade, das Meer, das Wetter, die Fischer und Boote usw…
Gestern hatten wir abends Büsche mit rotem Laub, ähnlich den Blaubeerbüschen, neben dem Trail im Wald gesehen. Dort fahren wir hin um diese schöne Waldlandschaft auf den Sensor zu bannen.
Etwas Beifang am Strassenrand nehmen wir auch noch mit.

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Jetzt heißt es Kurs südwärts zu nehmen. Unterwegs haben wir kaum Zeit noch mehr Schönheiten am Wegesrand mitzunehmen. Nur für einen Leuchtturm in Bucksport, dem Fort Point Leuchtturm, und dem Pemaquid Leuchtturm reicht es.
Ersterer ist ein Zufallsfund am HW1 in Maine südwärts.

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Der zweite war auf der Liste, da der vor zwei Jahren nur im Regen, Wind und Wellenschlag unter widrigsten Umständen abgelichtet werden konnte. Das war heute ganz anders, ein Traum für Leuchtturmfotografie-Fans. Allerdings war dieses Wetter nur für die genau 40 min unsere Anwesenheit so. Vorher war, wie schon den ganzen Tag, ziemliche Bewölkung und nachher ein Wolkenband vor der Sonne, das alles gute Licht raubte.

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Für die Nacht haben wir immer noch keine Unterkunft. Portland schaffen wir nicht mehr und ausserdem sollten wir uns etwas frühzeitig um ein Zimmer kümmern. Der Himmel scheint auch noch ein wenig etwas auf Lager zu haben und so biegen wir in Brunswick vom Highway ab. Das ist die Stadt, wo wir die Staustufe mit Kraftwerk fotografierten. Ein Hotelzimmer ist noch frei, der Angestellte schaltet das Schild schon auf „No Vacancy“ um als Tina und ich noch beraten ob wir hier bleiben. So etwas erhöht den Entscheidungsdruck enorm. Dadurch werden auch zwei andere Herbergssuchenden schon weiterverwiesen, es ist alles voll. Der „Columbusday“, ein Feiertag an dem fast alle Amerikaner einen Kurzausflug machen, wirft seine Schatten voraus. Vor allem weil er dieses Mal auf einen Montag fällt und somit heuer ein in den USA nicht so häufiges langes Wochenende entsteht.
Am Abend versuchen wir erneut unser Glück an der Industrieanlage.

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Tag -12
Sonntag 12.Oktober

Portland Headlight soll es am Morgen werden. Wir fahren zeitig los und sind dann bald in Portland. Am Hafen sticht uns eine beleuchtete Neonreklame eines Diners auf. Schnell einen Schnappschuss gemacht denn das Ding macht einen netten Eindruck. Sieht auch gemütlich aus.

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Am Headlight war dann einiges los, die Morgenlichtfraktion war am fotografieren. Etwa 15 Fotografen tummelten sich um 6:15 Uhr schon im Gelände.

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Also zurück zu dem „Becky’s Diner“ zum frühstücken. Da stehen etwa 10 Leute schon an der Strasse an. Muss gut sein, der Laden. Wir an der Schlange vorbei, um sich zu registrieren für einen späteren Platzaufruf. Doch drinnen werden wir nur gefragt ob wir auch am Counter Platz nehmen wollen, dann müssten wir nicht warten sondern könnten uns einfach auf einen freien Platz setzen. Der Vorteil am Counter ist, dass man mit anderen Gästen (meist Einheimischen) schnell ins Gespräch kommt. So hatten wir ausgiebig gefrühstückt und auch noch eine nette Unterhaltung.

Nun aber weiter südwärts, Scituate wartet.

Der Leuchtturm dort ist für den Abend vorgesehen. Daher lassen wir den Tag ruhig an uns vorbei ziehen. Auf Parkbänken am Strand oder auf großen Steinen liegend geniessen wir den Tag. Dazwischen ein Käffchen an einer Tanke, da es draussen am Leuchtturm nicht einmal eine Toilette gibt.
Gegen 17:30 Uhr werden wir wieder hektisch, das Licht wird weich und die Sonne bereitet sich auf das zu Bett gehen vor.

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Nach den Fotos gegen 19:00 Uhr fahren wir weiter auf Cape Cod, einer sehr großen Landzunge südlich von Boston. Sozusagen das Naherholungsgebiet der Leute aus Boston und New York.
Leider haben wir bei der Hotelbuchung einen Fehler gemacht und erst für morgen gebucht. Glücklicherweise ließ sich das am Empfang des Hotels regeln, wenn auch mit einem Aufschlag für die erste Nacht wegen Wochenende/Feiertag. Morgen ist ja Columbus-Day. Schnell gehen wir noch in eine Sportsbar um etwas zu essen. Schliesslich ist um 21:00 Uhr hier Schluss mit Essen in den Gastronomien. 

Tag -13
Montag 13.Oktober
Wetter ist perfekt für einen Sonnenaufgang. Doch die gewünschte Location entpuppt sich als nicht zielführend. So nehmen wir eine kleine Bucht mit ein paar Fischerbooten als Ersatz. Nicht der Bringer, aber dann sind wir wenigstens nicht umsonst aufgestanden.

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Nach den Fotos geht’s zum Hotel zurück. Frühstück fassen und noch einmal ein wenig nachschlafen. Die kurzen Nächte sitzen nun doch in den Knochen. Später am Vormittag brechen wir auf nach Provincetown im Norden der Halbinsel. Da bummeln wir ein wenig herum, machen hier und da ein Foto als Beifang.

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Danach kurzer Abstecher an den Nordwestbeach um ein wenig Seeluft zu schnuppern. Tina döst im Auto, ich streune mit der Kamera am Strand entlang. Natürlich nicht, ohne mal wieder nasse Schuhe zu bekommen.
Gegen 16:15 Uhr parken wir am Breakwater-Wall. Wir planen über den ein Kilometer langen Steinwall den Wood End Island Leuchtturm zu erreichen. Der Wall besteht wieder aus lose aufgeschütteten Granitklötzen, jeder ca.1,5-2cbm groß. Darüber kann man laufen, allerdings wie auf steinigen Berggelände. Lauter Spalten und schiefe Ebenen die eine gewisse Trittsicherheit erfordern wenn man zügig voran will.
Leider zieht eine dichte Wolkendecke auf, der Sonnenuntergang ist somit erledigt. Ein paar Erinnerungsfotos gemacht und im Dunkeln zurück.

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Wir wollen schließlich vor 19:30 Uhr etwa 30 Meilen entfernt zu einem BBQ-Restaurant. Da waren wir letztes Mal schon. Es schließt aber um 20:00 Uhr. Dort angekommen genießen wir die Grillkünste. Es gibt Clam Chowder bzw. BBQ-Stew als Suppenvorgang, dann Rippchen bzw. Pulled Pork mit jeweils Süßkartoffel-Pommes, Mais Muffin, Baked Beans und Kohlsalat. Nur mit Mühe schaffen wir das alles zu essen. Pappsatt geht es Richtung Motel, nicht ohne vorher dem Leuchtturm „Nauset-Beach“ eine Aufwartung für Nachtfotos zu machen. Der Dunst würde schöne Beams ermöglichen, jedoch ist durch den umgebenden Wald und fehlende andere Lichtquellen (Wir hätten zwar gutes Mondlicht, jedoch dicke Wolken die nichts durchlassen) alles an Landschaft unterhalb des Lichtkegels so finster wie im Inneren eines Bärenar…es. Nicht einmal durch den Sucher sieht man wie die Kamera ausgerichtet ist und was drauf sein wird. Das einzige was ich versuche, ist mittels der Taschenlampe ein Lightpainting zu machen. Ist aber auch kein Erfolg.

 

Tag -14
Dienstag 14.Oktober
Schluss mit lustig. Heute geht's heim. Trotz unseres frühen Aufstehens hat die Sonne kein Einsehen und versteckt sich hinter einer dicken Wolkenwand über dem Meer. Wir lassen uns nicht unterkriegen und machen ein paar Bilder vom nicht fotografierbaren Leuchtturm Nauset. Das Ding ist eine harte Nuss für Fotografen. Vor allem bei den Licht und Wetterverhältnissen.
Am Strand selber schaut mir dauernd ein Seelöwe zu wie ich Wellenwischer aufnehme. Er jagt in ca. 30m, Entfernung sein Frühstück und beim Luftholen schaut er immer nach ob ich mich anders bewegt habe oder gar näher komme. So geht das fast eine halbe Stunde lang.

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Zurück zum Motel, packen und frühstücken. Dann Auschecken und ab Richtung Boston. Etwa 2h Fahrzeit, doch der Flieger geht erst um 20:25 Uhr.

Unterwegs fällt uns ein, dass wir in der verbleibenden Zeit noch ein Ziel mitnehmen könnten. Nördlich von Boston liegt Annisquam Lighthouse. Ein schwer zu erreichender Leuchtturm, da er selber auf Privatgrund liegt. Rundherum auf den beiden Hügeln der Halbinseln ist alles eine geschlossene Wohncommunity, d.h. die Straßen sind alle privat, kein Parken oder Halten möglich. Die Schilder sprechen eine eindeutige Sprache: „Fremde, bleibt weg! Hier ist kein Zugang für Euch.“ Selbst der kleine Park ist zwar mittlerweile von der Gemeinde verwaltet, ist jedoch nicht wirklich „public“ und den Residents vorbehalten. Die haben da sogar einen Privatbadestrand nur für sich.

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Wir eiern fast eine halbe Stunde herum. Dann eine Idee. Etwas weiter weg eine Lücke zwischen Bäumen am Strassenrand gefunden. Mit ein paar local residents ins Gespräch gekommen und mit deren Gnade konnten wir dann eine Position für ein Foto erreichen.
Jetzt endlich nach Boston zum Flughafen. Der Mietwagen darf leer abgegeben werden, da full service gebucht. Einchecken ist problemlos, die TSA Checks machen auch keine Probleme und gehen relativ flott.
So warten wir auf den Abflug…
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