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USA 2012 Westen Reisebericht

Fortsetzung aus -> USA 2012 Ostküste

Tag 09
Montag abend, Fortsetzung, 08.10.
Der Flug verläuft ruhig, wir müssen in Cleveland zwar noch einmal kurz aus der Maschine aussteigen, geht aber sofort weiter.
In Las Vegas hatten wir in der vergangenen Nacht noch schnell per Internet ein Hotelzimmer im Stratosphere Tower gebucht. Für 35,- USD ist das doch perfekt. Aus den geplanten Nachtaufnahmen der Stadt von der Turmplattform aus wird allerdings nichts, da der Zugang zum Turm ab 24:00 Uhr geschlossen wird und wir erst deutlich nach Mitternacht vom Flughafen im Hotel ankommen.
Dafür lassen wir unseren Wagen vom Personal nach dem Ausladen von der Hoteltüre wegfahren. Fast wie bei den Schönen und Reichen ;-)

Der Mietwagen ist jetzt ein Jeep. Wir haben zwar einen Full-SUV gebucht und bezahlt, uns aber bei der Auswahl in der Alamo-Choice-Line doch dagegen entschieden. Es waren in der gebuchten Klasse nur Luxury-SUV vorhanden (ich hatte auf einen Chrysler Tahoe spekuliert). Mit denen kann man nicht wirklich ins Gelände und daher waren die vorhandenen Luxury-SUVs nicht für unser Vorhaben geeignet. Der Chrysler Jeep aus der Kategorie Midsize-SUV war der einzige mit echt schaltbaren 4WD und sogar Low-Gear, also Getriebe-Untersetzung.

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Tag 10
Dienstag 09.10.
Aufbruch zum Death Valley. Ziel sind die Race-Tracks. Die Strecke dort hin wird als reifenzerfetzend und nervenaufreibend beschrieben. Die Ranger raten uns ab, mit einem Mietfahrzeug die Strecke zu bewältigen. Der lokale Geländewagenverleih natürlich auch. Grund sind die an den Miet-PKW montierten Standardreifen. Man benötigt welche mit anderer Wandstärke. Das Problem sind nicht die Profilarten (Gelände bzw. Strasse), sondern die Festigkeit der Reifenwände da viele spitze Steine in den ausgefahrenen Spurrillen dagegen arbeiten. Die Seiten sind normalerweise die schwächste Reifenstelle. Für einen extra angemieteten Geländewagen ist es heute schon zu spät, da die Fahrzeit auch noch 4-5 h ist. Wir wollen aber unbedingt hin und fahren mal los, die Strecke anzusehen.... Es sind etwa 40 Meilen auf Teer und dann geht der Schotter los. Einmal drin, kann man gar nicht umdrehen, so eng ist die tief eingefahrene Piste. Nach den ersten drei Meilen im Gelände bin ich durchgeschwitzt und angespannt. Es sind noch weitere 24 Meilen so zu fahren. Durchschnittlich geht es mit 7-10 Meilen pro Stunde vorwärts. So etwas schlechtes wie diese Piste bin ich noch nie vorher gefahren, selbst in Afrika nicht. Obwohl das damals schon grenzwertig war. Tiefe Einschnitte, erzeugt durch Regenwasserabläufe, sind immer wieder zu überqueren. Nur im langsamsten Schritttempo lasse ich die Reifen einzeln in die tiefen Querfurchen rutschen und wieder herausklettern. Am Ende mit den Nerven treffen wir am "offiziellen" Halteplatz bei den Race-tracks ein. Die Reifen sind noch ganz, haben aber seitlich schon deutlich Spuren bekommen. Wir laufen raus in die Wüste, Fotos machen. Irgendwie sind zwar die Steine da, die Lehmpfanne auch, aber kaum Spuren zu sehen. Letztere machen den Reiz erst aus. Na gut, ist es halt nicht mehr so wie früher. Die Ranger erzählten, dass mittlerweile sogar schon Steine als Souvenir geklaut werden. Bei Einbruch der Nacht sind wir am Auto zurück und nun geht es dieselben 27 Meilen (44km) Reifenkillerpiste zurück. Aber jetzt im Scheinwerferlicht!!! Nach unendlichen dreieinhalb Stunden Fahrzeit haben wir es geschafft. Wir haben wieder Teerstraße unter dem Auto. Der Wind bläst das Blatt Papier mit der Beschreibung der Rangers weg. Tina fängt es an einem Busch wieder. Als der Blick darauf fällt, stocktmir der Atem. Wir hätten zu den echten Race-Tacks noch zwei Meilen dazu legen müssen. Alles umsonst! Der ganze Stress, die ganze Fahrerei, das Auto riskiert, Versicherungsschutz hatte ich dafür eh keinen. Eine einzige Enttäuschung die sich nun breit macht. Zu allem Übel beginnt es jetzt zu regnen. Wir können nicht mehr, nervlich und körperlich ausgelaugt bleiben wir einfach über Nacht an Ort und Stelle im Auto zum Schlafen stehen. Zwei Minuten später bin ich auf dem Fahrersitz im Tiefschlaf.

 

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Tag 11
Mittwoch 10.10.
 

Der Wecker reißt uns aus den Autositzen hoch. 4:30 Uhr. Abfahrt nach Bad Water, dem tiefsten Punkt Amerikas. Dort soll die Morgendämmerung auf den Sensor gebannt werden. Das gelingt wegen der Wolken nur teilweise. Vorher den Sternenhimmel mitzunehmen schlägt aus den selben Gründen ebenfalls fehl.

 

Weiter geht es zum Zion Nationalpark um den Subway zu wandern. Doch die freien Permits gibt es nicht mehr morgendlich am Schalter, sondern nur noch online per täglicher Verlosung. Angeblich um die tägliche Warteschlange frühmorgens zu vermeiden, hieß es zur Info. Allerdings kostet die Teilnahme an der Online-Verlosung 5,- USD je Versuch, auch bei Misserfolg. Eine zusätzliche Geldeinnahmequelle nun auch für die bisherigen "freien" Tickets ist da eher meine Vermutung, denn die Permits selber kosten ja bei Zuteilung extra noch den üblichen Betrag von 10,- USD. Ganz toll, damit sind wir erst einmal umsonst hier. Denn erstens war die Verlosung heute am Morgen schon (2 Tage im Voraus immer) und zweitens soll es die nächsten beiden Tage schlechtes Wetter haben. Den Subway/Left Fork Trail bei miesem Licht habe ich letztes Jahr schon fotografiert, ich will heuer gutes Wetter. Basta.

 

 

Abends wanderten wir noch ein wenig zum Overlook-Point des Zion-NP um den Sonnenuntergang mitzunehmen. Etwas später testete ich noch die Nachttauglichkeit von Kamera und Objektiven. Anbei der Versuch eines Nachtshots von der Brücke des Virgin Rivers:

 

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Tag 12
Donnerstag 11.10.
Wir haben in einem rustikal (aber schön) eingerichtetem Motel gut geschlafen. Im Zion ist alles ein wenig auf "Hill Billy" - Style getrimmt. Die Fotogalerie von David J. West (www.davidjwest.com) liegt gegenüber dem Motel. Seine Bilder sind eine Show! In ganz Springdale findet man seine Bilder in den Motels, Läden und in Postkartenständern. Wir füllen schließlich doch per Internet die online Registrierung für den Subway aus (gegen Gebühr natürlich). Dann fahren wir mit dem Shuttlebus rein ins Tal. Bis ganz hinten, wo die Narrows sind. Diese Schluchten wollen wir heute erwandern, denn dafür braucht man bei eintägigen Touren noch kein Permit. Die erste Meile ist ein behindertengerechter Betonpfad. Dann heißt es kurze Hosen an, denn die nächsten 5-6 Stunden geht es fast ausschließlich durchs Wasser. Die Wände sind nah und sehr hoch, nur wenige trockene Seitenbereiche, immer wieder Querungen im Flußbett um nicht in Auswaschungen zu versinken oder an Engstellen mit höheren Fließgeschwindigkeiten vom Wasser von den rutschigen Steinen gerissen zu werden. Alles Fotozeug steckt in wasserdichten Packsäcken und muss jedes Mal hervorgeholt werden. Ein Sturz ins Wasser wäre sonst ein teures Vergnügen. Leider fehlt das Licht der Sonne wieder einmal ein wenig. Trotz 60% Regen und Gewitteransage und der damit verbundenen erhöhten Gefahr von Flashfloods, lassen die Ranger alle Touristen die Narrows erwandern. Selten, dass in einem Nationalpark so viel Eigenverantwortung zugelassen wird. Nach der Hälfte der Strecke beginnt es zu tröpfeln, trotzdem gelingen die Fotos einigermaßen.

 


Müde kommen wir am Ausgang an. Hier lehnen auch Holzstöcke an der Wand zum wandern. Wir hatten jeder auch einen. Zum Wassertiefe ausloten und Stützen beim Gehen über die nassen Steine sind sie sehr hilfreich. Oder man leiht sich im Ort bei Tourveranstaltern Stöcke und stabile Neoprenschuhe. Wir barfuß in unseren Teva-Sandalen, auch wenn das Wasser bei 13°C einem die Energie direkt aus dem Körper zieht. Am Auto angekommen regnet es richtig stark. Erst jetzt erkennt man, dass die umliegenden Berge keinen Tropfen aufnehmen. Das Wasser läuft sofort auf den Steinflächen nach unten. Bei der riesigen Fläche kommt da schnell eine Menge zusammen, Bäche bilden sich in Sekunden. Solange es trocken ist, kann man die Warnungen der Ranger vor Flashfloods in den Canyons kaum begreifen. Auch wenn die gezeigten Fotos an den Info-Tafeln genau das zeigen. Das Wasser kann innerhlab einer halben Minute mit 4m Höhe als Wand durch den Narrow rauschen wie die Bilder belegen. Für uns geht es jetzt weiter nach Escalante, um dort die "Hole in the rock road" zu erkunden.

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Tag 13
Freitag 12.10.
Natürlich regnet es heute morgen, wie wir beim Blick aus dem Motelfenster schnell feststellen. Im Visitorcenter hat man zwar das Wetter im Aushang, aber keine Auskunft über den Straßenzustand. Die "Hole in the rock road" ist bekannt für ihren schlammigen Charakter nach Regenfällen. "You can try it" meint die Rangerin, als wir uns nach dem auf der Strecke liegenden "Devils Garden" erkundigen. Also los, der Regen hat aufgehört. Die Piste ist wirklich eine 13 Meilen Schlammpartie bis zum Devils Garden. Schlimm ist, dass die Reifenprofile von der Masse zugesetzt werden und somit keinen Grip mehr haben. Gut, dass der Allrad zugeschaltet werden kann. Einmal dreht es uns fast um die ganze Achse, so schleudern wir dahin. Wie auf Glatteis. Nach ein paar Fotos fängt es erneut so heftig zu regnen an, dass wir zum Auto laufen und dort Schutz suchen. Wir sind hier wieder alleine, bei dem Zustand der Piste fährt anscheinend sonst keiner hier hin. Zwar warten wir auf Besserung des Wetters, brechen nach einer Stunde dennoch auf um nicht noch schlechtere Pistenverhältnisse zu bekommen. Natürlich ist es durch den heftigen Regen zurück noch schlammiger. Wir haben davon ein paar Filmsekunden mitlaufen lassen. Wenn ich weiß wie, stelle ich das hier noch ein. Das Auto sieht aus!!

 

Den Rest des Tages verbringen wir mit rumtrödeln auf der "Grand Staircase Escalante National Monument" (GSENM) Aussichtsstraße und fotografieren da ab und zu.

Da es im Bryce Canyon geschneit haben soll (auch in Escalante sieht man in der Ferne heute schneebedeckte Berge), wollen wir abends dort hin. Zum nicht vorhandenen Sonnenuntergang, wieder wurde nur der "Abenddimmer" benutzt, bei 4°C schnell zwei Fotos geschossen und dann noch um 20:00 Uhr ein Motel gesucht. Schnee haben wir keinen gesehen, aber es nässelt wieder kräftig und bei Temperaturen um den Gefrierpunkt heute Nacht ist es möglich dass es schneit. Der Bryce Canyon liegt immerhin auf 8000 Fuß, also etwa 2700m. Ab morgen soll es wettertechnisch außerdem besser werden. Achja, die online Bewerbung für den Zion Subway am Sonntag wurde heute per eMail abgelehnt. Zu viele andere Bewerber, wir wurden nicht ausgelost.

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Tag 14
Samstag 13.10.
Es hat die ganze Nacht geregnet. Allerdings zeigt sich die Dämmerung trocken und versöhnlich. Die Tankstelle und ihr Computer dagegen nicht. Wir müssen zum Bryce Canyon zum Sonnenaufgang und der PC der Tankstellenkasse lässt sich nicht hochfahren. Ich sehe durch das Fenster die Dämmerung heller werden und das Schei...-ding will nicht. Auf den letzten Moment hetzen wir an die Canyon Kante des Bryce-Nationalparks. Gerade noch rechtzeitig. Das Schauspiel beginnt genau als das Stativ auf seinem Platz eingerichtet ist.

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Etwas später, die Sonne ist ein paar Zentimeter über dem Horizont, fängt das Felsglühen durch das an den umgebenden Wänden reflektierte Licht an. Sehr schön !

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Kurz vor dem zusammenräumen stellt sich ein junges Japanerpärchen mit verzweifelter Miene vor mich und hält mir seine Kamera samt Objektiv unter die Nase. Ob ich wüßte, wo es dafür ein neues Bajonett gibt? Hier nicht und was ich da sehe ist ein Totalschaden. Die Kamera fiel anscheinend runter und das Kunststoffbajonett brach komplett aus dem Objektiv aus. Sie fragen mich deshalb in ihrem schlechtem englisch, weil Tina und ich im Umfeld der anwesenden Knipsomaten die einzigen "professionelleren" Kameras haben und wir da sicher Hilfe wüssten...? Sie fotografieren dann mit per Hand vor die Kamera gehaltenem Objektiv weiter. Wird schon etwas werden? Kurz zum Motel zurück und ausgecheckt.

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Dann bis frühem Nachmittag noch den Bryce erkundet, kurz nach 13:00 Uhr "gefrühstückt" und wieder zurück über die Cottonwood Meadows zum Zion Nationalpark.

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Die Rangerin am Tor meinte, eine gute Location für den Abend wäre die mir schon sehr bekannte Brücke über den Virgin River. Als wir dort ankommen, haben anscheinend 20 andere die selbe Rangerin am Tor um ihren Rat gefragt. Jedenfalls müssen wir unsere Stative dazwischen drängen. Wer mit dem Gesäß oder dem Rucksack in den roten Asphaltbereich ragt wird vom starken Verkehr rasiert.

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Sonntag 14.10.
Das Glück scheint zurück zu sein. Oder ist es zumindest bei denen, die sich dumm stellen können. Wir wollten heute noch einmal bei besserem Licht die Narrows wandern. Der Virgin River ist durch die Regenfälle der letzten Tage aber schmutzig. Man würde kaum sehen wohin man tritt und wo die tiefen Stellen lauern. Trotzdem rein in das Visitorcenter um sich über das Wetter im Allgemeinen und die Wassermassenflussrate im Besonderen zu erkundigen. Die Rangerin am Tresen hat die anderen vor uns schon im Kasernenhofton abgefertigt und macht den Eindruck als ob sie schon drei Zwerge zum Frühstück verputzt hatte und jetzt auf die Nachspeise wartet. Da gibt doch glatt ein Typ vor uns 4 Permits für morgen für den Subway-Hike zurück!!! USA 2012-10-14 2186Der große Nachteil der Online-Vergabe ist, es werden Permits reserviert und oft gar nicht verbraucht. Hoffnung keimt auf, also einfach auf doof nachgefragt, was denn jetzt mit den Tickets wäre und ob es nicht doch solche nicht benutzten am Tresen direkt zu erwerben gäbe. Die Antwort haut mich fast um: Wo ich denn hin will? Sie hätte für heute und morgen etwa 35 Permits offen, natürlich auch welche für den Subway. Wir bekommen sogar welche für heute, zum sofort losgehen wenn wir dafür "prepared" wären. Nun erinnere man sich: Für eben genau heute bekam ich die Tage vorher in der Onlinevergabe eine Absage und keine Permission zugeteilt weil so viele Bewerber waren!! Jubelnd springen wir aus dem Visitorcenter. Wir dürfen in den Subway Bereich wandern! Die Sonne scheint, stahlblauer Himmel. Ich brauche noch Schmiere für meinen Markins-Stativ-Kugelkopf. Der hakt bei Gebrauch alle paar Monate. Jetzt ist es soweit, dass ich mittlerweile lieber das Stativ verstelle statt den Kugelkopf, so schwergängig ist der. Im geöffneten Supermarkt (Sonntag!) bekomme ich doch glatt WD-40 Öl als Stift. Es ist vor 10:00 Uhr und wir haben heute schon drei Mal Glück gehabt! Wenn das mal gut ausgeht. Der Subway Hike geht wieder an die Substanz. 3,5 Stunden benötigen wir für die extrem anstrengende Strecke bis hinein. Schwemmholz umgehen, Steinblöcke überklettern, durchs Wasser laufen, viele Wege zwei Mal gehen, da der Pfad nicht klar erkennbar ist oder man wegen der Unwegsamkeit im Zick-Zack wandern muss. Ein paar Steinmännchen erleichtern manchmal die Orientierung. Mein GPS-Navigationsgerät löst sich beim Streifen an einem Ast und fällt in den Fluß. In etwa Armtiefe sehe ich im klaren Wasser immer noch die Positionsanzeige. Schnell den Fotorucksack abgelegt und hinterher. Herausgefischt und abgetrocknet funktioniert es weiterhin. Manchmal lohnt es sich in vernünftige Outdoor-Geräte zu investieren (hier ein dichtes Garmin 60CSx).

 

Angekommen haben wir traumhaftes Licht. Aber alle Pools im Subway sind bis zur Oberkante mit Sand aus den Flashfloods gefüllt. Ob sich die jemals wieder bis in die ursprüngliche Tiefe von 1-2 m leeren können? Das Wasser selber ist wider Erwarten glasklar, trotz der Regengüsse vorher und dem trüben Virgin River im Nebenarm.

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Zu spät brechen wir nach den Fotos wieder für den Rückweg auf. Die anderen Hiker, die von oben gekommen sind, sind schon alle durch. Wir sind die Letzten. Kurz vor Dämmerung hakt Tina nach einem Sprung vom Felsen an einem Stein oder einer Wurzel ein und verdreht sich das Sprunggelenk. Jetzt kommen wir nur noch sehr langsam vorwärts, Tina hat ziemliche Schmerzen. Gebrochen ist aber zum Glück anscheinend nichts, nur die Bänder überdehnt. damit müssen wir die letzte Etappe des Rückweges im Stirnlampenlicht machen. Ist es tagsüber schon schwer, wird es nachts fast unmöglich einen gangbaren Weg zu finden der auch für die verletzte Tina machbar ist. Noch mindestens eine Stunde bei normaler Gangart liegt vor uns. Prompt versteigen wir uns ein Mal komplett und müssen retour. Den Abhang am Canyonrand hatte ich im GPS markiert, so wussten wir zumindest da an welcher Stelle wir hoch müssen. Wer hier weitergeht, dringt tiefer in den Canyon ein und hat keine weiter Ausstiegsmöglichkeit mehr. Auch ich falle insgesamt zwei Mal hin, einmal sogar schon bei den Arch Angel Falls ins Wasser. Bis zur Hüfte nass (die Fotoausrüstung zum Glück weitgehendst wasserdicht verpackt) und mit von oben gefluteten Stiefeln geht's weiter . Die letzten Meter im Wald oben sind wieder die kompliziertesten bzgl. Orientierung. Am Tag geht das, aber mit Stirnlampen eine Katastrophe. Ohne GPS hätte ich das Auto wieder nicht gefunden, so wie letztes Jahr schon.

Natürlich habe ich noch nicht genug. Tina bleibt im Auto und ich mache noch Sternenhimmelaufnahmen bei der Kolob-Terrace-Road. Da stehen so attraktive, abgestorbene Bäume.

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Um kurz vor 22:00 Uhr lässt uns ein Restaurant noch rein, dreckig und verschwitzt wie wir sind. Wir sind die letzten Gäste und genießen unsere erste Mahlzeit heute, einen leckeren BBQ-Burger. Dann ab ins Zelt, tief in den Schlafsack eingegraben lassen wir den nun aufkommenden Sturm über uns hinweg blasen. ****************************************************************************

Tag 16
Montag 15.10.
An solchen Morgen hat man automatisch Inventur aller Gliedmaßen. Wir spüren jede einzelne Faser im Körper. Der Subway hat es uns wieder einmal gezeigt, was es heißt ihn gehen zu wollen. Vor allem auch, weil ich kein Risiko eingehen wollte und die komplette Fotoausrüstung mitgeschleppt habe. Das waren etwa 11kg und dazu etwa 2 Liter Wasservorräte. Der Rücken schmerzt daher am meisten. Wir kochen Kaffee am Campground und starten dann wieder los Einer der besten amerikanischen Landschaftsfotografen, Michael Fatali (http://fatali.com/), hat hier in Springdale seine Fotogalerie. Obwohl ab 11:00 Uhr geöffnet sein sollte, ist keiner da. Schade. USA 2012-10-15 2412So ziehen wir wieder ab und sehen die Bilder nur durchs Schaufenster. Ich kannte sie schon von seiner Webseite. Richtung Page bleiben wir bei der Paria Ranger Station stehen. Die Lotterie für "The Wave" wurde 42 Meilen westwärts nach Kanab verlegt. Für unser Ziel, die White Pockets, benötigen wir kein Permit. Auch nicht fürs Übernachten dort draussen. Da es etwa 35 Meilen fern jeglicher Zivilisation ist und auch sehr tiefe Tiefsandpassagen zu überwinden sind, holt uns der Ranger seine kostenlose Verleihschaufel und drückt sie uns grinsend in die Hand. Wir fahren aber sicherheitshalber erst nach Big Water zumTanken und um die Trinkvorräte aufzufüllen. Das sind zwar 40 Meilen Umweg, aber die näheste Tankstelle weit und breit.

Nach zwei Stunden Geländefahrt sind wir in den White Pockets. Fantastische Felsstrukturen sind hier. Wir bauen das Zelt auf und gehen zum Sonnenuntergang ins Gelände. So ganz alleine sind wir dann doch nicht, denn 3 weitere Fotografen zelten auch hier. Ausserdem ist ringsum alles sehr weitläufiges Steppen-Weideland (viele hundert Quadratmeilen), zwar mit Rindern aber ohne Menschen.

 

Zum Abendessen wird aus der Dose aufgewärmt, etwas Brot, Wurst und Käse dazu. Fertig. Für Nachtshots zieht es leider wieder zu, aber dafür gab es einen brennenden Abendhimmel.

 

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Jetzt liegen wir im Zelt und ich schreibe diese Zeilen hier draussen in der Wildnis. Mal sehen wie der Morgen wird.

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Tag 17
Dienstag 16.10.
Die Nacht war eiskalt. Gerade mal 4°C hat es gehabt. Wir hatten wegen dem trockenem Wetter nur das Innenzelt aufgebaut, die äussere Hülle weggelassen.

USA 2012-10-16 2509White Pocket Sunrise Mit drei Lagen Bekleidung bewaffnet geht es rein in das Gelände. Der leichte Wind hat einen gehörigen Chillfaktor und kühlt noch mehr herunter. Es ist schwer, organisierte Struktur in die Bilder zu bekommen, bei der Vielzahl an durcheinander gehenden Linien und Felsformationen.

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Insgesamt fotografieren wir von Sonnenaufgang bis ca. 11:00 Uhr in dem weitläufigen Gelände. Dann geht es die 35 Meilen Tiefsand- und Schotterpiste zurück. Mehrmals hört man den Sand, die Steine und Wurzeln unten am Bodenblech schaben. Der Reservereifen unter dem Auto wirkt wie ein Sandanker in den tieferen Passagen. Er bremst so stark ein, dass wir Gefahr laufen stehen zu bleiben. Goldene Regel im Tiefsand ist aber: "Keep always moving!" Sonst sinkt man ein klein wenig ein und man gräbt mit den Reifen die Kuhle nur tiefer, dann hilft nur noch freischaufeln. Auf dem Weg nach Page nehmen wir die Toadstool-Hoodos noch mit. In der höchsten Hitze, trotz des nur 1-Meilen-Marsches, kein einfaches Unterfangen was jeden von uns wieder zu mindestens einem Liter Wasser trinken zwingt.

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Jetzt sind wir im Motel in Page, waschen uns das die letzten Tage angelegte Deo "3-Tage ungeduscht" vom Körper und aus der Kleidung. Dass die uns überhaupt ein Zimmer gegeben haben, bei unserem Aussehen, dem Duft und dem Dreckauto? Wahrscheinlich aus Mitleid. Essen gehen ist jetzt angesagt. Der Alstom Point ist für den Abendhimmel auserkoren. Die letzte geplante Schotterpiste und Offroadfahrt. Um uns schon goldenes, warmes Abendlicht. Das wird ein toller Abend. Nach etwas 10 Meilen Piste reißt uns ein "Beeeep" des Fahrzeuges aus den Abendträumen. Reifendruckwarnung! Schei...e, nicht jetzt, nicht hier und überhaupt..! Schneller Check zeigt ein klares Bild. Vorne rechts ist Ende mit intaktem Reifen. Wir wenden und rollen die 10 Meilen Schotter noch so einigermaßen zurück. Weitere 20 Meilen auf Asphalt finden wir eine Tankstelle (die in Big Water) mit Luft. Nach dem Aufpumpen hält es nur noch bis wir wenige Meilen später Page erreichen. Die Werkstätten haben schon zu, nur am Walmart ist ein Auto-Service integriert der uns jedoch heute auch nicht mehr dran nehmen will. Somit begraben wir alle Pläne für Page. Kein Alstom Point und morgen keine White Ghosts (bzw. White Hoodos) zum Sonnenaufgang (der einzige Zeitpunkt wo die Dinger im richtigen Licht sind) denn da ist Autowerkstättentermin angesagt. Es wird wohl auf einen neuen Reifen aus der Urlaubskasse hinauslaufen, das Loch scheint im ersten Anschein den Fachleuten zu groß für einen Klebestopfen. Um die Sache morgen zu beschleunigen und auch um nicht mit plattem Reifen zur Werkstatt fahren zu müssen, wechseln wir im Schein der Stirnlampen vor dem Motel auf den Notreifen der unter dem Auto hängt.

So habe ich jetzt Zeit zu schreiben und Bilder hochzuladen.

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Tag 18
Mittwoch 17.10.
Innerhalb einer Viertelstunde war heute morgen das Reifenproblem gelöst. Reifen von der Felge, Patch innen eingeklebt, Montieren auf dem auto und das für 15 USD. Ist doch o.k. Heute ist Strecke machen angesagt. Es geht 8h über den Freeway Richtung Joshua Tree Nationalark. Auf dem letzten Abschnitt wechseln wir auf eine Teilstrecke der legendären Route 66. Allerdings erwischen wir das ödeste aller Teilabschnitte. Vollkommen verlassen, nur durch Wüste und mit teilweise wieder skurrilen Lost Places. An einem Damm der die 30 Meilen entlang läuft Schreibt anscheinend jedermann/ jedes Pärchen seinen Namen mit farbigen oder hellen Steinen. Wir mutmaßen, das könnte auch der örtliche Friedhof sein. Der Damm wird jeweils immer verlängert und die Namen sind die hier verscharrten?? Oder wie Kerben im Colt die Reihe der Überfallenen und hier beiseite geräumten? Solche Gedanken kommen schon einmal bei dieser öden Gegend.

Zum Sonnenuntergang erreichen wir Joshua Tree. Leider einen Tick zu spät um die golden untergehende Sonne in den Sukkulentengewächsen abbilden zu können. Somit nur Abendstimmung und Nachtaufnahmen. Dabei experimentiere ich mit dem Feuerschein von kurz angezündeten Zündhölzern um die Joshua Trees vor der Milchstraße zu beleuchten.

USA 2012-10-17 2775

Im Zelt liegend genießen wir den unendlichen Sternenhimmel durch den wir nur durch das Moskitonetz des Innenzeltes getrennt sind. Die Zeltaußenhülle ließen wir wieder weg. Rechts der gr0ße Wagen, links der Orion. Fantastisch!! Hier ist es noch richtig dunkel, wenn auch am Horizont die Lichtverschmutzung von Los Angeles und San Bernadino (etwa 160 Meilen / 250 km entfernt) zu erkennen ist.

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Tag 19
Donnerstag 18.10.
Zur nautischen Dämmerung wird aufgestanden und zusammengepackt. Noch vor Sonnenaufgang suchen wir uns neben der Straße ein Fleckchen zum Fotografieren. Gut, dass bei der nächtlichen Kälte (7°C) die Schlangen noch Kältestarre haben werden und uns nicht stören werden. Etwas später setze ich mich auf einen Stein und warte darauf, dass der Schatten sich für ein Foto leicht ändert. Tina ist in der Umgebung unterwegs. Ich genieße diese Ruhe. Eine Stille, die unbeschreiblich ist. Nur ein zwei Vögel sind zu hören und das Summen eines Insektes irgendwo um mich herum.

USA 2012-10-18 2862

Aufbruch nach Los Angeles bzw. der Küste für unseren vorletzten Tag unserer Reise. Wieder 4h Fahrt, dann sind wir an der Küste. In Ventura mieten wir uns im Motel ein. Dort in der Näher haben wir eine Seebrücke gesichtet, die wird unser Abendshot. Doch erst einmal sind 10 USD Parkgebühr für den Beach zu entrichten, bevor wir mit der Kamera losziehen können. Dafür entschädigt der Abendhimmel. Wie der sich ins Zeug legt unseren letzten Abend hier fotografisch zu unterstützen!

USA 2012-10-18 2938
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Tag 20
Freitag 19.10.
Gestern abend hat Tina schon für das Packen vorgearbeitet. Zelt, Schlafsäcke und Isomatten sind wieder so weit wie nur möglich komprimiert. Benzin aus dem Kocher in den Tank des Mietwagens zurückgefüllt. Es geht die Küste runter von Ventura aus, über Santa Monica Beach (wo wir am Strand noch Surfern und Pelikanen zusehen) rein nach Beverly Hills und Hollywood. Ein kurzer Abstecher führt uns nach dem Frühstück hoch zum Hügel mit dem Observatorium, daneben könnte man zu den berühmten Buchstaben "H O L L Y W O O D" wandern. Allerdings ist das Gebiet so weiträumig abgesperrt, daß man 1,8 Meilen (2,5km) dorthin zu Fuß muss und dann wegen dem großzügig umlaufenden Zaun doch kein Foto vor Ort machen kann. Also begnügen wir uns mit einem Foto auf halben Weg vom Hügel vorher aus aufgenommen. Mit dem Auto schlendern wir im dichten Verkehr über den Hollywoodboulevard und dem "Walk of Fame". Das sieht, vor allem am Tage bei grellem Licht, alles nicht so bezaubernd und pompös aus als in den Hochglanzberichterstattungen. Aber die meisten busweise hier her gekarrten Touristen scheint das nicht zu stören. Bereits um 15:30 Uhr geben wir den Mietagen ab. Unsere "Bärbel" (so nennen wir liebevoll immer unsere Mietwägen wegen dem Genöle von "Licht noch an", "Habe Durst", "Nicht angeschnallt", "Zündschlüssel steckt", "eine Türe noch offen"... beeep, beeeep, ... etc. ) darf nun zu ihren anderen Wägen zurück auf die Weide für einen neuen Mieter. Dort kann sie den anderen Fahrzeugen dann erzählen, wie es so ist außerhalb der Weide im richtigen Leben. Was artgerechte Haltung eines Jeeps wirklich an Lebensfreude bedeutet. Jedenfalls wurden wir für die zugefügten Wunden vom Vermieter nicht belangt.

Der freundliche Mitarbeiter von Lufthansa meint ob wir viel wandern waren? Zumindest scheint das sein Eindruck nach einem visuellem Check unseres Äußerem von Kopf bis Fuß zu sein. In den Haix-Wüstenstiefeln und der Fjällraven Bekleidung haben wir ein wenig söldnerhaftes Aussehen. Auch der schwere Fotorucksack als Handgepäck wird sowohl taxiert als auch kommentiert "der hat doch sicher unter 8kg, oder?" und bekommt den erforderlichen "Checked"-Tag mit einem breiten Grinsen angeklebt.

Der TSA Sicherheitscheck meint Tina genau unter die Lupe nehmen zu müssen. Ihr Handgepäck muß teilweise ausgeräumt und einzeln geröntgt, sowie mit zwei Wischtests auf Sprengstoff kontrolliert werden.

So, nun warten wir auf den Flieger der uns nach Hause bringt, zu unserer wartenden Katze.....

+ + +   END  +++

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