Lofoten 2017

Hurra! Ein ganzes Jahr war ich nicht mehr richtig im Urlaub. Selbst genehmigte Urlaubsanträge wurden aus beruflichen Gründen kurzfristig zurückgezogen. Dafür ist die Freude um so größer, denn jetzt geht’s los.
Norwegen / Lofoten!
Wie, schon wieder? Tja, der Norwegen-Virus ist ähnlich ansteckend und heimtückisch wie der Afrika-Virus. Und der Usa-Virus, und der … na alle halt.

Summary for my englisch speaking friends: One year without a real vacation
So it was time to travel. First choice was again a trip on Lofoten island, but now in autumn. Plan was to see the fall colors of the trees and landscape flora, hopefully first snow on top of the mountains and some early Aurora activities at night.

alle Fotos unbearbeitet | all pictures unedited
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01 

Das Gepäck schwillt schon wieder furchtbar an. Der Oktober soll der regenreichste Monat auf der Inselgruppe sein, dazu kommen Wind und Temperaturen zwischen 5 und 10°C. Außerdem werden uns zwei neue Kameras begleiten. Eine Pentax K-1 und eine Nikon D850.

Die Flüge buchten wir schon eine Zeit im Voraus direkt bei SAS-Airline. Die Herausforderung bei der Anreise wird wohl die kurze Umsteigedauer in Oslo werden, nur 55 min sind angegeben. Beim vorabendlichen Online-Check-In am heimischen Computer nehme ich gleich die Sitzplatzreservierung für uns beide bei den Flügen von München nach Oslo und von Oslo nach Evenes/Harstad/Narvik vor. Weil es leichter zu merken ist, zweimal dieselben Sitzplatznummern, 20A und 20B.

Überraschenderweise startet der SAS-Flug ziemlich pünktlich, was bei SAS nicht immer der Fall ist. Der Flug verläuft ruhig über einer geschlossenen Wolkendecke bis nach Oslo. Ab der Landung werde ich dann doch nervöser als sonst, denn das Teil zum Andocken will nicht gleich funktionieren und wir müssen im Flieger etwas sitzen bleiben. Hallo! Wir haben einen Anschlussflug! Jetzt gleich!
In Oslo herrscht Zwang zur Zollabfertigung. Von früheren Reisen hierher kennen wir das so: Man muss das Gepäck in Empfang nehmen, einmal durch den Zoll marschieren und wieder aufgeben. Das hat sich anscheinend geändert oder vereinfacht oder der Grund liegt in der Begebenheit die jetzt folgt.
Dieses Mal konnten wir in München das Gepäck durchchecken lassen. Aber wir als Personen und dem Handgepäck müssen durch den Zoll. Der Weg dorthin führt am Osloer Flughafen für alle Passagiere zwangsweise durch den Duty-Free Laden, das geht nicht anders, denn der Transfer-Flur liegt quer durch diesen Laden! Also schnell etwas gekauft, denn die Werbewirksamkeit der strategischen Anordnung greift perfekt in unserem Unterbewusstsein. Es geht weiter durch den Zoll ohne irgendwelchen Aufwand, das Ticket wird gescannt, die Türen öffnen sich, man entscheidet „grün“ oder “rot“ also für "nichts zu verzollen" bzw. "Ware zu verzollen" und geht bei „grün“ durch was evtl. eine Stichprobe nach sich ziehen kann. Nicht so bei uns. Also keine Zeitverzögerung. Weiter durch den Flughafen, die Umsteigezeit von nur 55min im Nacken. Noch einmal langsam im Detail: Vom Flieger raus, Treppe hoch, im Kreis durch den Duty-Free denn die Kassen sind wieder auf der Eingangsseite lokalisiert, erneut durch den Duty-Free jetzt auf geradem Weg, links zu den Gates, die Treppe hoch, links herum durch den Zoll, gerade aus zum Gate C01, nach Ticketcheck die Treppe runter, links zum Andockschnorchel hinaus und schliesslich rein in den Flieger und auf Sitzplatz 20A und 20B.
Aber halt! Den kennen wir doch. Klar, die Unterlagen im Fach des Sitzes vor mir stecken genauso drin, wie ich sie vorher eingesteckt hatte. Der gleiche Flieger, der selbe Sitzplatz! Wir sind also dauernd links herum im Kreis durch den Flughafen und dessen Ebenen bis wir wieder auf unseren Plätzen saßen. Die Flugnummer und die Crew ist jetzt halt neu. Pünktlich heben wir ab und sind 1,5h später am Evenes Airport gelandet.
Beim Landeanflug sehen wir lange das goldene Licht der kurz vor dem Untergang befindlichen Sonne flach über das Meer und die Inselchen bzw. Fjorde des norwegischen Festlandes auf Höhe Bodo streifen. Darüber die dunkle Wolkendecke, die Sonne hat sich nur einen Spalt am Horizont dafür gesucht.

Der Mietwagen ist schnell übernommen und der Mann am Schalter von Autoeurope meinte nur: „The car is already heated up. It’s warmed up for you“ Hä? Wir stehen im T-Shirt vor ihm, seit Abflug in München habe ich das Gefühl jeder heizt extra alles ein. Alle drei Flughäfen völlig übertemperiert und die Flugzeuge ebenfalls. Zuerst dachte ich noch, er wäre erst gebracht worden und vom Vorbesitzer noch betriebswarm. Aber nein, das Ding hat eine Standheizung mit Fernbedienung und der Typ am Schalter hat sie von seinem Büro aus schon mal aktiviert bevor er uns die Formalitäten erledigen ließ.
Schnell ist der Wagen auf dem Gelände erspäht, ein weißer Skoda Octavia 4x4 und beim Einsteigen merke ich schon: so ziemlich alles an Extras drin was es gibt. Die Bereifung ist schon auf Winter umgestellt, es sind Spikesreifen. Brauchte ich nicht zu kontrollieren, hört man beim fahren. Sicher sinnvoll, es hat doch nachts heute 4°C. Beim Anflug sahen wir bereits vom Neuschnee überzuckerte Berge.
Als erstes habe ich dem Digitalradio Manieren beigebracht. Radio Rock, der einzig wahre Sender hier oben. Da gibt es 24h Hard Rock und Heavy Metal Mucke.

Mir als Fotograf pressiert es schon wieder. Warum? Weil es einen atomaren Sonnenuntergang hat. Die Wolkenbänder am Himmel sind feuerrot. Woher auf die Schnelle eine passende Location nehmen? Nach etwa 5km Fahrt biegen wir zu einem kleinen Fjord ab und ich mache noch schnell die ersten Aufnahmen, allerdings schon mit abklingendem Licht.
Nach weiteren 3h Fahrt und einem kurzen Getränke-Einkaufsstopp in Svolvaer (die größeren Supermärkte haben bis 23:00 Uhr geöffnet) kommen wir in unserer Ferienwohnung in Alstad an. Auspacken, einen Happs essen und dann schlafen gehen. Schliesslich ist es 0:00 Uhr geworden und zur nautischen Dämmerung wollen wir schon wieder unterwegs sein. Allerdings gilt es vorher noch eine Zecke von meinem Ellbogen zu entfernen, welche ich zufällig im Flugzeug sitzend dort entdeckt habe. Die zweite festgebissene Zecke in wenigen Tagen, meine Fotostreifzüge im heimatlichen Herbstwald sorgen für neue Haustierchen.

02 

So ein Wecker ist nervig aber wir haben es ja so gewollt. Die kurze Fahrt geht nach Gimsoy zur dortigen Holzkirche. Vielleicht wird es etwas mit dem Sonnenaufgang. Wir sind alleine. Schnell stelle ich fest, dass es wohl eine sehr gute Idee war die dicken Fjällraven Parker doch mitzunehmen. Es hat zwar immerhin 7°C, aber der Wind geht durch und durch. Er kühlt schnell den Körper aus und so wechsle ich von Softshell auf Parka. Um eine Spiegelung der Kirche zu bekommen sind dann Opfer erforderlich. Es ist ablaufendes Wasser, daher bleibt dem Fotografen nur eine Position in der Bucht dafür. Also schwupps die Schuhe samt Socken ausgezogen, Hosenbeine bis übers Knie hochgekrempelt und auf ins Polarmeer gewatet. Es ging, gar nicht sooo kalt. So laufe ich die nächste Viertelstunde also barfuss durchs Meer und über die Steine mit Algen. Allerdings ist es weniger eine Adaption an die Kälte, eher eine Taubheit die sich in den unteren Extremitäten einstellt. Ich umrunde später die Kirche und ein schönes Morgenlicht unterstreicht mein Motiv von der Rückseite.
Auf dem Rückweg sehen wir das erste Mal die Herbstfarben in diesem Licht. Es ist wunderschön. Ein paar Fotos mit dem Mobiltelefon müssen erst genügen. Von unterwegs rufen wir meine Schwester an um ihr zum Geburtstag zu gratulieren.
Der weitere Fahrtverlauf führt an der Südküste von Vestvagoy entlang. Die herrlichen Farben der herbstlichen Berghänge sind ein Augenschmaus. Neben den Moosen, Farnen, Heidelbeerbüschen sind es die Ebereschen mit den roten Beeren und die Krüppelbirken im gelben Laubgewand. Ein Motiv jagt das Nächste. In der Bucht, wo ich das alte Holzwrack auf Vorhandensein der restlichen Spanten checke, treffen wir Steven Henriksen der gerade einen Individualfotokurs für eine Asiatin macht. Ich kenne ihn schon vom März 2016. Er lebt auf den Lofoten, bietet Fotokurse an und ist als Local Guide buchbar. Ein wenig Smalltalk, dann geht es weiter Richtung Leknes. Dort kaufen wir Fisch und weitere Getränke auf Vorrat.

Zurück in Alstad wird etwas gegessen, das Frühstück ist jetzt schon 7h her, ein wenig geschlafen und abends machen wir uns auf den Weg nach Haukland Beach. Steven ist auch schon da. Er will weiter nordöstlich fahren, da heute Nacht Aurora mit kp-Index 5 angesagt ist und sich von Südwesten eine Wolkenwand Richtung Lofotengruppe schiebt.
Ich bin dafür nach Uttakleiv zu schauen, ist ja in wenigen Minuten vom Haukland Strand direkt durch einen Tunnel im Berg zu erreichen.
Der Himmel ist dort am Horizont nicht so wolkig als es in Haukland den Anschein hatte. Der Blickwinkel ist doch ein anderer. Ein paar Fotos gemacht und schon mal vorsorglich in der Abenddämmerung den Himmel gecheckt ob schon Aurora sichtbar ist. Etwas früh, aber man kann ja mal schauen. Was ist das? Kondensstreifen am Himmel? Helle Streifen heben fast nicht wahrnehmbar vom noch hellen Himmel Richtung Norden blickend ab. Nein, Kondensstreifen bewegen sich nicht, nicht in der Beobachtungszeit. Ein kurzer Testschuß mit der Kamera zeigt eindeutig erste Aurora-Erscheinungen mit dem typischen Grünschleier.
Jetzt wird’s spannend. Am Horizont über dem Meer ist noch richtig Abendämmerung mit orangenem Licht, darüber fängt die Aurora an sich immer stärker zu zeigen. So was habe ich noch nicht gesehen. Aurora und Abendstimmung zusammen. Ich kenne sie nur in tiefschwarzer Nacht. Wir fotografieren bis die ersten Akkus leer sind. Anfangs nutze ich sogar einen InvGND-Filter um den hellen Dämmerungstreifen abzumildern und die Aurora besser aufs Bild zu bekommen. Gegen 22:00 Uhr fahren wir weiter in nordöstlicher Richtung wie Steven gemeint hat. Das Wolkenband von Süden her kaschiert zunehmend die Aurora hier in Uttakleiv.
So fahren wir erneut nach Gimsoy um noch ein paar Aufnahmen zu machen. Ein Zwischenstop bei einem sehr bekannt gewordenem Motiv, einem roten Häuschen, entpuppt sich als schwer enttäuschend. Der Besitzer hat renoviert, kein Kamin mehr auf dem Dach und das Haus ist weiß gestrichen! Dieses Motiv ist ein für alle Mal Geschichte.
Als wir gegen 0:30 Uhr wieder in Alstad ankommen, genehmigen wir uns noch einen Absacker und stoßen auf die Aurora-Nacht an.

03 

Heute wird ausgeschlafen! Erst um 10:00 Uhr gibt’s Frühstück. Warum so spät? Weil wir wirklich hundemüde waren und der Wetterbericht dicke Wolken und sogar Regen angesagt hatte. Regen gab es nicht, dafür eine mittlere Bewölkung. Dennoch tat es gut einmal richtig zu schlafen. Datensicherung der Fotobeute, den Blog schreiben und den Tag ruhig angehen ist das Ziel. Erst am späten Nachmittag brechen wir auf, Richtung Flakstad. Ein wenig scouten. Plötzlich sehe ich Lupinen, eine ganze Menge davon. Anscheinend hat jemand seinen Garten ausgegraben, den Humus hier abgelagert und die Lupinen gingen jetzt in einer Art Notblüte noch einmal im Herbst auf? Macht nichts, gibt ein Motiv!
Es geht weiter nach Myrland. Dort muss ich auf die Weide mit ein paar Schafen um zu dem kleinen Wasserfall dort zu gelangen. Die Schafe sind nicht so begeistert, beäugen mich und meine Bewegungen aufmerksam und trollen sich dann den Steilhang hinab zum Strand. So habe ichmeine Ruhe. Nur die Schafkacke ist hier überall.
Der Himmel zeigt Anstalten sich zu verfärben. Also weiter nach Flakstad. Unterwegs kurz umdisponiert da es schon spät ist, die Sonne gleich weg ist und Vikten vorher liegt. Und Vikten immer für ein Foto gut ist. Eigentlich mein persönlicher Geheimtipp. So ist es dann auch. Die schon untergegangene Sonne färbt den Wolkenhimmel intensiv. Auf den schwarzen Steinen am Strand reflektiert sich das warme Licht und die Wellen ergeben schöne weiße Gischtstrukturen.
Ein herrlicher Fotoabend. Erneut ziehe ich die Schuhe aus um im Wasser zu stehen und mein Motiv besser zu komponieren. Außerdem sind mir dann die Wellen, welche über meine Füße schwappen, egal. Nach einer halben Stunde ist wieder einmal alles taub und ich fange an richtig zu frieren. Klar, ich habe im Wind nur die Softshell Jacke an, das Fotografieren hat mich dauernd abgelenkt. Die Standheizung fällt mir ein. Klasse Sache so ein Auto mit dieser Ausstattung.

04 

So ein Wecker ist … na ihr wisst schon. Jedenfalls ist heute um 4:30 Uhr die Nacht vorbei. Denn nach Vorhersage hält der Aurora kp-Index 5 noch an und ab 4:00 Uhr soll es auflockern um auch etwas sehen zu können. Doch in Alstad ist es grau mit etwas Nieselfeuchtigkeit von oben.
Fahren wir südlicher, denn von da soll die Aufbesserung kommen. Nichts. Bis Reine nur grauer Himmel, starker Wind und teilweise Sprühregen. Wir stellen uns auf einen Parkplatz, Standheizung ist an und so dösen wir dem Morgen entgegen. Der wiederum wird nur von einem roten Band am Horizont angezeigt. Das war es.
Um nicht komplett umsonst hierher gefahren zu sein, immerhin 85km, statten wir einem vorgelagerten, stillgelegten Leuchtturm noch etwas weiter südlich einen Besuch ab. Wir stapfen über die schmalen Pfade im Moos und Blaubeerkraut. Über flechtenbezogene Felsbrocken und zwischen Ebereschensträuchern. Die Farben sind in der Feuchtigkeit intensiv, der graue Himmel als Kontrast verstärkt das noch fast.
Mittlerweile ist es deutlicher Vormittag geworden, da hat es üblicherweise kein Licht zum fotografieren. Heute im Grau des Tages eigentlich ebenfalls nicht. Doch dann blitzt die Sonne ein paar Mal über die Landschaft und erhellt partiell die Szene. Herrlich!

Wir wandern weiter. Einige Erkenntnisse kommen dazu:
- Richtige Wege zum Wandern gibt es nicht.
- Selbst an Hanglagen ist unten drunter alles morastig
- wir haben mit unseren neuen Schuhen die richtige Wahl getroffen für solch ein Gelände und nasses Terrain.
Der andauernde stürmische Wind kühlt trotz der 9°C Lufttemperatur schnell den Körper aus. Als wir gegen Mittag wieder beim Auto sind, freuen wir uns auf die Wärme darin.

Da das Wetter keine Besserung erkennen lässt, geht es gemächlich zurück Richtung Ferienwohnung. Tanken müssen wir auch schon, schließlich sind wir schon über 700km in den vier Tagen gefahren.
Es ist jetzt 15:30 Uhr, Zeit für einen Kaffee und einen Snack. Seit dem kleinen Frühstück heute ganz früh (nur eine Tasse Kaffee und eine halbe Scheibe Brot) sind wir ohne Nahrungsaufnahme. Zum Glück haben wir immer heiße Getränke zubereitet und an Bord, sowie genügend zu trinken. Liegt es am Klima, an den geheizten Räumen oder den Aktivitäten – ich brauche doppelt so viel Flüssigkeit wie sonst im Alltag.
Dummerweise lege ich die Füße hoch und ehe ich noch einen Gedanken an die weitere Tagesplanung verschenke bin ich eingeschlafen. Als Tina mich weckt ist es eine Stunde vor Sonnenuntergang. Aber der Blick aus dem Fenster zeigt ein neutrales Dunkelgrau verteilt über das ganze Firmament. Das wird maximal ein abdimmen der Helligkeit heute, kein Farbspektakel oder sonstige Lichtshow mit schönen Wolken. Wir bleiben in der warmen Stube und machen auf Erholung.
Dabei checke ich noch die obere Ferienwohnung. Irgend etwas macht Geräusche. Klappert dauernd. Nervt. So wie eine angelehnte Türe die regelmässig im Luftzug anschlägt. Oder doch Trolle? Das Haus ist von oben nach unten sehr hellhörig, seltsamerweise gar nicht von unten nach oben. Schliesslich finde ich den Übeltäter auf der rückseitigen Veranda. Da hängt eine Leiter darunter, welche nur halbseiden auf den Haken liegt und daher im Wind schaukelt. Dabei stößt sie an den Verandaunterbau und das überträgt sich im ganzen Haus. Problem ermittelt und abgestellt. Jetzt herrscht Ruhe.

05 

In der Nacht hat es kp-Index 6, also einen Sonnensturm der Klasse G2 der Aurora garantiert. Nur, es hat eine dicke Wolkendecke. Trotzdem mache ich einen Probeschuß mit High-Iso und 8sec Belichtung. Was soll ich sagen: Die Wolkendecke hat weitläufig grüne Farberscheinungen, eindeutig abgehoben vom grau aussenrum. Das heisst, die Aurora ballert über unseren Köpfen so stark, dass sie sich grün durch die dicke geschlossene Wolkendecke als Aufhellung durchsetzt.
Für uns bedeutet das also dann … gar nichts. Denn das zu fotografieren ist nur Grütze. Wir legen uns schlafen. Ich checke dann um 3:00 Uhr den Himmel, doch es regnet mittlerweile. Da kann man getrost wieder ins Bett steigen. Da das Wetter keine Besserung verspricht, schlafen wir ausgiebig lange und setzen erst spät zum Frühstück an.
Am Nachmittag starten wir doch Richtung Svolvaer bzw. Kabelvag. Neben dem scouten unterwegs ist das Ziel bei Jan (unserem Vermieter) vorbei zu schauen um zu bezahlen.
Neben schönen Bäumen die trotz dem Regen farbig leuchten und einem interessant wirkendem Krüppelbirkenwäldchen haben wir noch einen Bachlauf gefunden. Den hätte man mit dem Auto furten sollen um zu einem kleinen See mit Wasserfall zu gelangen. Doch durch den Regen stieg der Bach so weit an, dass ich die Verhältnisse am Bachlaufgrund nicht sah und ich mir mit dem Octavia mangels Bodenfreiheit dann doch nicht traute. Für ein Foto war der Bach trotzdem gut, so stand ich kurze Zeit später wieder barfuß bis zu den Knien im frischen Wasser zur „Foto-Kneipp-Kur“.

Jan ist ebenfalls zu Hause anzutreffen. Sein Haus liegt in Kabelvag in einer wunderbaren Lage. Es fiel mir schon vor ein paar Jahren bei der Vorbeifahrt auf der E10 auf, weil es wie ein Eagles-Nest oben thront. Nur wusste ich bis heute nicht, dass dort unser Vermieter wohnt. Im vollverglasten Wohnzimmer blickt er auf eine unberührte Fels- und Mooslandschaft mit allen möglichen Büschen die jetzt im Herbst leuchten und von seinem Obergeschoß hat er einen Balkon mit Brücke auf einen vorgelagerten riesigen Felsbrocken gebaut, von dort sieht man auf den Ort, die Berge und das Meer. Wir plaudern etwas bei ihm, trinken einen Kaffee zusammen und bezahlen dann schließlich. Wir haben wie jedes Jahr einen guten Tropfen mitgebracht, dieses mal eine Flasche Wildbeerenbrand von Penninger. Als Überraschung bietet er mir erneut einen Deal an, so wie vor ein paar Jahren schon. Er bekommt Bilder von mir und dafür gibt’s einen Sonderpreis der Ferienwohnung. Gerne ich darauf ein, denn er lässt uns 25% der Mietkosten nach! Und weil Nebensaison ist, war es von Haus aus schon um 20% günstiger als vergleichsweise im Februar/März wo Skitourengeher und Aurora-Jäger sich die Klinke in die Hand geben.
In Svolvaer wird erneut eingekauft, denn morgen ist Sonntag und dann fahren wir im heftigsten Regensturm nach Hause zurück.
Zum Abendessen haben wir erst gebeizten sowie geräucherten Lachs auf Butterbrot als Vorspeise, danach Fischfrikadellen von Dorsch und Seelachs mit Kartoffel/Gurkensalat.
Draußen ist es nach wie vor verregnet. Der kp-Index von 5 heute Nacht wird wieder unbemerkt von uns sein Show über den Wolken abziehen.
Langsam sollte ich dieses Wetter und die Fotos davon auch „shades of grey“ betiteln.

06 

Es bleibt grau. Regelmäßiger Check aus dem Fenster offenbart immer das gleiche Bild. Daher ruhen wir uns lange aus und als um kurz nach zehn und dem abgeräumten Frühstück plötzlich die Wolkendecke sehr abwechlungsreiche Lichtstimmungen verspricht, hält es uns nicht mehr.
Gestern habe ich schon eine schöne Stelle mit leuchtenden Bäumen erspäht, allerdings war ich nach 15min scouten vom Regen durchgeweicht. „Ich schaue mal nur schnell“ bedeutet ja nicht zwangsweise dass man sich dann expeditionstauglich kleidet. Nein, man steigt aus dem Auto, schaut hier, schaut da, schaut dort und ist dann klatschnass. Also heute wieder dort hin gefahren, das Auto auf der Schotterpiste an den Strassenrand gestellt und losgestapft.
Zuerst geht es in ein Krüppelbirkenwäldchen wo wir schon einige Aufnahmen machen. Dann weiter den Hang hoch, über einen Zaun gestiegen und wieder weiter bis zu einer lichteren Stelle der Birken, wo die Aussicht auf die Leuchtbäume passabel war. Das ist alles quer Gelände. Eingestiegen sind wir auf einem Privatgrundstück, evtl. eine Weide für Schafe, daher der spätere Weidezaun. In Norwegen ist das kein Problem, denn hier gilt das Jedermanns-Recht. Man darf überall hin, darf überall (auch auf nicht eingezäuntem Privatbesitz) sogar zelten, solange man zu den Häusern einen Abstand von ich glaube 150m einhält.
Alleine hier jetzt auf der Lichtung toben wir uns sehr lange aus. Die Motivklingeln schrillen nur so mit dem Licht und den Bäumen. Überhaupt ist die gesamte Landschaft genial. Heidekraut, Moose, Blaubeerbüsche, Miniwacholder usw. bedecken den ganzen Boden. Darunter ist es feucht bis nass und man kann schnell Unterschenkeltief in ein Loch treten oder mit dem Schuh in ein Wasserloch geraten das unten Schlamm hat. Merkt man ziemlich zügig, wenn’s am Sockenrand schon nass wird und man den Fuß gar nicht so reaktionsschnell herausbekommt weil man im Schlamm festgesaugt ist.
Tina fotografiert unten und geht dann zum Auto retour. Ich steige den Hügel hoch um eine bessere Aussicht zu haben. Hier beisse ich mich glatt eine Stunde fest, so toll ist es. Aber ich muss auch wieder runter. Die ganzen großen Steinblöcke auf denen ich nach oben bin, sind dick mit buschigem Moos und Flechten bewachsen. Rauf war das o.k., aber runter kann man bei jedem Schritt und der Gewichtsverlagerung voll abschmieren. Gut, dass es überall diese Birkchen gibt, die geben Halt.
Wieder auf der Lichtung angekommen, reißt die Wolkendecke auf und ein warmes, flaches Licht taucht die Landschaft partiell in einen goldenen Überzug. Hinter mir höre ich Tina schon wieder nach oben schnaufen. Sie hat es vom Auto aus gesehen und ist losgerannt um ebenfalls diesen wunderbaren Moment einzufangen.
So vergehen die nächsten Minuten und Viertelstunden und wir stellen fest, es ist schon 16:30 Uhr! Also es reicht, immer das gleiche wird langweilig, wie bei Onkel Ottos Familien-Diaschauen (frei erfunden). Wir genießen unseren Kaffee den wir in Thermosbechern dabei haben und fahren Richtung Henningsvaer. Allerdings holt uns hier schnell der Regen ein. Das Wetter wechselt schließlich alle paar Minuten hier auf den Lofoten. Der Sonnenuntergang um 17:30 Uhr ist dann eher ein abdimmen hinter Wolkenbändern. Trotzdem mache ich noch an einem Küstenabschnitt Fotos von ein- und ablaufenden Wellen auf den Klippen.

Als es dunkel wird, ist die einzige hellere Wolkenlücke über Hov auf Gimsoya. Wir fahren dort hin und können es nicht glauben: Es hat Aurora! Zwar nur schwach, wegen der Schleierwolken die in der Lücke der dicken Regenwolken hängen, aber ausgeprägt genug zum fotografieren. Heute soll es immer noch einen kp-Index von 4 haben, was sicher Auroraaktivitäten verspricht. Aber es zieht bereits jetzt selbst diese Lücke über uns immer weiter zu, nebenbei sind wir vom Regen schon wieder nass, so dass es heute Nacht keine Erfolgsaussichten für bessere Sichtverhältnisse gibt. Trotzdem, mit so einem Tag wie heute kann man zufrieden sein. Zum Abendessen gibt es Kabeljau auf Couscous mit Gemüsesoße. Habe ich schon erwähnt, dass Tina hier ständig für unser leibliches Wohl sorgt? Wir kaufen die Produkte hier im Supermarkt in Leknes oder Svolvaer und Tina bereitet daraus die Leckereien.

07 

Der Wecker ist ein … lassen wir das.
05:10 Uhr, Wettercheck: schwarzer Himmel und Regen.
06:20 Uhr, Wettercheck: dunkelgrauer Himmel, Regen.
07:50 Uhr, Wettercheck: nicht nötig, ich höre den Regen auf das Fensterbrett prasseln.
09:30 Uhr, Wettercheck: grau in Schattierungen am Himmel, Regen
09:31 Uhr, Wettercheck: sonnig, aber halt: das war das online Wetter für Kelheim , was haben wir dann hier oben im Regen eigentlich zu suchen?

Lassen wir den Tag wieder erholsam angehen. Frühstücksbuffet mit Räucherlachs, Käse, Wurst, Honig, Marmelade, Orangensaft, Milch und viel Kaffee. Nicht im Hotel, nein alles aus dem Kühlschrank hier.
Bevor also der Schlechtwetter-Blues hier in Alstad Einzug hält, suchen wir nach möglichen Wolkenlücken. Im Dauerregen wird das Auto gepackt, wir ziehen komplett wasserfeste Kleidung über und dann geht’s los. Zur Nordwestküste blickend scheint es dort heller zu sein. Im Prinzip wollen wir ein wenig wandern. Als ich Unstad lese fällt mir ein, dass ich mit diesem Strand wie jedes Mal hier oben noch eine Rechnung offen habe. Entweder ging hier gar kein Bild, oder mal ein Poster-Shot oder uns hat das Wetter so erwischt, dass wir gar nicht aus dem Auto sind.
Die 10km von der E10 aus sind gleich gefahren. Vorher den Ausblick von oben vor dem Unstad-Tunnel auf die Bucht von Maervoll. Mit den roten Blättern der Beerenbüsche im Vordergrund wirkt dieser Ausblick noch einmal viel hübscher als im Winter. Es ist einer unserer Lieblingsausblicke hier auf den Lofoten. Wir stehen zwar im Moment im Trockenen aber der nächste Regenschauer zieht vom Meer herein und schnell flüchten wir mit der Kamera ins Auto.

In Unstad ist es ebenfalls regenfrei, wenn auch sehr windig. Kaum sind wir am Strand unten und wollen das Stativ aufstellen schlägt der Unstad-Wettertroll voll zu. Heftige Windböen treiben den Regen fast waagrecht daher. Wir stemmen uns mit dem Rücken dagegen, halten uns gebückt über die Kamera. In wenigen Minuten rinnt an uns überall das Wasser herunter. Gut dass wir so wetterfest verpackt sind. Nur der Fotorucksack, den habe ich vergessen mit der Regenhülle zu überziehen. Bis ich es zwischen zwei Böen mache, ist er aussen schon voll durchnässt. Abbruch. Ab ins Auto. Das hat keinen Wert so.
Kaum sitzen wir darin und sinnieren über die nächsten Schritte, klart es auf. Ein paar Wellenreiter machen sich auf den Weg aufs Meer hinaus. Es ist noch nicht Saison für sie, die beginnt erst richtig im Februar, aber ein paar sind schon da. Mit dem Tele bewaffnet versuche ich ein paar Bilder vom Strand aus. Leider ist der Wind für die Wellenreiter zu stark und er treibt sie immer wieder landwärts was zu langen Schwimmeinlagen führt. In der Zeit kann ich keine Fotos machen. Außerdem bessert sich zunehmend die Wetterlage am Horizont und so hole ich das restliche Fotozeugs wieder vom Auto um noch ein paar Abendimpressionen am Strand zu machen. Natürlich nicht ohne meine neuen Wanderstiefel zu taufen. Die verflixte siebte Welle kommt wie immer überraschend. Sie umspült mich und bis ich das Stativ nehmen und zurücklaufen kann stehe ich bis Mitte Unterschenkel im Meerwasser. Die über die Stiefel gezogene Goretex-Hose verhindert größeren Wassereinbruch. Das meiste Schwallwasser geht außen ab, nur ein wenig aufsteigendes Wasser saugt sich über die Socken in die Schuhe. Aber das kenne ich schon als Fotograf außerhalb der Komfortzone.

Während der nächsten Bilder freue ich mich über die dramatische Stimmung der Wolken draußen über dem Meer. Doch schnell erkenne ich die Richtung dieser Wolkenfront und dessen Regenwand die sich direkt auf mich zu bewegt. Nein, nicht schon wieder. Der Rucksack liegt weiter oben am Strand auf einem großen Fels, der muss nicht erneut patschnass werden. Hastig baue ich ab, schaue dass mich keine weitere Welle mehr dabei erfasst, schnappe den Rucksack und spurte los. Nach 4min spüre ich die ersten schweren Tropfen. Tina hat mich vom Auto weit oben aus beobachtet und mein Verhalten richtig gedeutet. Sie springt die letzten Meter von mir aus dem Auto um schon den Kofferraum zu öffnen und mir zu helfen. Zum Glück steht das Auto mit Heck auf der Lee-Seite. Ich kann also geschützt unter der Heckklappe in aller Ruhe mich ausziehen und alles verstauen. Gebückt gehe ich dann im Windschatten des Autos zur Fahrerseite um halbwegs trocken einzusteigen. Das war’s für heute mit Bildern.
Kurz den Weg über Leknes und dem Einkaufszentrum gefahren um für’s Abendessen Garnelen zu kaufen. Außerdem brauchen wir Lachsnachschub.
In Alstad zurück wird alles erst einmal getrocknet und die Fotoausrüstung vom salzhaltigen Oceanspray gereinigt. Der setzt sich so als Schlieren fest, dass ich dem nur mit einer hochprozentigen Isopropanollösung einigermaßen Herr werde. Die habe ich immer in einem Sprühfläschen für solche Zwecke dabei. Tina meinte bereits, ich sei wohl der einzige Mann der mit fünf Putztüchern im Gepäck in Urlaub fährt.

08 

Das mit dem Wettercheck habe ich ja schon erklärt. Heute wieder das gleiche Spiel, allerdings fingen wir erst um 6:45 Uhr damit an. Nachdem einige helle Stellen in der sonst geschlossenen Wolkendecke auf ein mögliches Fotoszenario schließen ließen, packten wir das Auto. Die ganze Fotoausrüstung lag ja zerlegt in der Wohnung weil Rucksäcke, Filtertaschen, Putztücher etc. vollkommen durchgefeuchtet war. Noch schnell als Frühstück Rühreier mit Shrimps und viel Kaffee, dabei Brote schmieren für später unterwegs. Der Restkaffee kommt in den Thermobehälter und los geht‘s
Im Norden alles schwarz, also auf nach Süden. Lange fanden wir keinen Spot der uns zusagte. Die Sonne bzw. die Wolken machten keine Anstalten sich zu färben. Es dimmte sich heller. An einer bereits bekannten Stelle fand ich eine größere Pfütze bzw. Lacke wie der Bayer sagt. Darin gab es etwas Spiegelung. Der rückseitig befindliche Strand wäre als zweiter Spot anwendbar. Sicherheitshalber hatte ich die Regenhose, Regenjacke und die hohen Wanderstiefel an. Es regnete nämlich seit wir das Haus verlassen haben. Auch hier am Spot regnet es dauernd. Es wird wieder alles durchnässt. Dann findet die Sonne eine Wolkenlücke hinter mir und die Regenfront vor mir verwandelt sich in einen gigantischen Regenbogen. Der hält dann 45min lang an! So etwas habe ich noch nicht erlebt. Allerdings regnet es die ganze Zeit ziemlich über und vor mir, d.h. auf den Bildern werden die fallenden Regentropfen als störende Streifen bildwirksam sichtbar werden.
So geht es lange weiter, bis der Regen so weit nachlässt, dass der Regenbogen verschwindet. Tina stieg die ganze Zeit nicht aus und verpasste den kompletten Regenbogen. Aber der fängt kurz darauf wieder an zu leuchten. Es regnet erneut.

Überhaupt zum Thema Regen: Langsam glauben wir an die Troll-Geschichten die es in nordischen Ländern gibt. Irgendwie haben wir den Regen-Troll verärgert. Den Licht-Troll auch. Und den Spiegelungs-Troll. Der Regen-Troll reist gerne. Meist mit uns mit oder ist schon vorausgeeilt. Sind wir dann da, kommt kein „huhu – da bin ich“; nein, er pinkelt von oben runter um uns seine Anwesenheit zu zeigen. Jedes Mal wenn der Scheibenwischer nichts zu tun hat weil Regenpause ist und wir an einem Spot aussteigen, fängt es nach ca. 2min mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu regnen an. Oder wir stellen das Stativ auf, haben alles vorbereitet – Regen an. Oder eben Licht weg. Oder ein See oder eine Bucht ist ganz ruhig und die Umgebung spiegelt sich darin. Kaum die Autotüren auf gemacht und Kamera gezückt schon ist der Spiegelungs-Troll da. Entweder pustet er zart übers Wasser was so unschöne Rippelwellchen macht, oder er frägt den Regen-Troll um Unterstützung. Einschlagende Regentropfen auf Wasseroberflächen machen jede Spiegelung kaputt. Oder als letztes Mittel schwimmen bzw. landen Enten auf dem Wasser. Wir packen dann wieder ein. Das geht heute so oft, dass Tina schon sagt wir sollen nicht mehr über Spiegelung oder Motive reden um ja schneller als der Troll zu sein. Nur wenige Male gelingt das dann auch. Der Licht-Troll hat’s am einfachsten. Stativ aufgebaut, Belichtung und Filter eingerichtet – zack, Wolke vorschieben. Oder alternativ wieder regnen lassen vom Regen-Troll. So geht es den ganzen Tag. Teilweise steigen wir an einem möglichen Motiv gar nicht mehr aus dem Auto. Weil uns die Trolle gar nicht lassen, so schüttet es teilweise.

Wenn auf den Bildern schön beleuchtete Motive sind, dann liegt es an der Sonne in den Wolkenlücken im Rücken. Wir selber sind komplett eingepackt wie unter der Dusche stehend am Fotospot. Dazu kommt das Wasser von unten. Die Regenmassen müssen ja ablaufen. Das tut es unter dem Moos und den Heidelbeersträuchern. Teilweise versinken wir beim Treten nach dem Erreichen des Humusbodens noch knöcheltief im Wasser wenn wir durch das Gelände gehen, so vollgesogen ist alles.
Gegen 19:00 Uhr lassen wir es für heute gut sein. Es sieht nach keiner Besserung aus, Abendlicht gab es keines außer die dunkleren Grauschattierungen.

09 

Wettercheck… uups, da sind große Wolkenlücken. Da geht was. Wir fahren also um 6:30 Uhr, nachdem wir etwas gefrühstückt haben, mit dem Ziel Ostküste Vestvagoya los. An einem kleinen Strand sehe ich schöne Lichtspiegelungen eines hereinlaufenden Bächleins. Ein paar Fotos, dann schnell noch von den Wrackresten eines mit Morgenlicht. O.k. fängt schon positiv an. Etwas weiter sind größere Wasserlöcher, eines davon mit einem richtigen Bach als Zulauf. Der Bach hat schöne Kaskaden bei ein paar Steinstufen zu überwinden, der Hintergrund mit dem Berg macht sich auch nett.
Allerdings ist der Regen-Troll auch schon aufgestanden. Immer wieder jagen Schauer vom Wind getrieben über uns weg. Manchmal flüchten wir zum Auto, wenn wir schon weiter unterwegs sind hilft nur dagegen anstemmen und warten. In 10min ist meistens alles wieder vorbei. Es ergeben sich mit dem Sonnenlicht des Morgens dann erneut Regenbögen. Leider drückt der Wind den Regen dauernd so gegen die Frontlinse des Objektives, dass nur Dauerputzen angesagt ist. Trotzdem habe ich kein Bild bekommen welches tropfenfrei wäre.
Weiter geht es nach Leknes, die selbe Tour im Prinzip wie gestern schon. Dort haben wir dann auf einem Bild das wir schnell als Schnappschuss machten drei Wettersituationen. Links blauer Himmel mit weißen Wolken, in der Mitte eine abregnende Wolkenfront und rechts einen Regenbogen im abklingenden Schauer
Es sieht immer noch gut aus, also wird weiter nach Südwesten gefahren. Bei der Abzweigung Vikten ist schönes Licht, das nehmen wir mit. Fünf Bilder hat es gedauert, dann hat der Regentroll den Hagel-Troll zum Spiel dazu gebeten.
Auf Höhe Flakstad machen wir Pause, essen unsere vorher bereiteten Brote und trinken etwas Kaffee dazu. An einem mäandernden Tümpel will ich Langzeitbelichtungen machen, die Wolken ziehen so schön. Allerdings kann man vom Meer her bereits die abregnende Front auf uns zu kommen sehen. Die ist da, als wir vom Auto los gehen wollen. Schneller als gedacht. Wir sind nass geduscht bis wir den Kofferraum offen haben und das Zeug vorübergehend reinlegen. Danach geht es, wir machen unsere Fotos. Plötzlich frägt Tina wie lange meine LZB noch dauert. Ich so: “Eine Minute, warum?“. Sie daraufhin: „Das schaffst Du nicht mehr!“ und zeigt nach oben. 30 sec später halte ich mich gebückt über die Kamera um die letzten Sekunden des Timers noch laufen zu lassen und die Kamera vor der Dusche zu schützen. Danach sofort in vollem Lauf mit Gepäck zum Auto und darin sich vor dem Regen-Troll versteckt.
Dabei beobachten wir einen Seeadler, wie er direkt vor uns vom Meer her nach oben fliegt. In seinen Fängen die Beute, ein relativ großer Fisch. Etwa 100m weiter kann er ihn entweder nicht mehr halten oder es ist Taktik um die Beute zu töten, jedenfalls wird der Fisch im Flug über dem felsigen Gelände abgeworfen. Hier auf den Lofoten könnte man also tatsächlich unverhofft einen großen Fisch auf den Kopf bekommen.
Also weiter, wandern wollen wir trotzdem noch. Bei Fredvang erleuchten einzelne Sonnenbeams die Kulisse. Macht sich gut auf Bild! Also aussteigen, Objektiv wechseln, Position beziehen wollen – Mist, der Regen-Troll hat uns eben entdeckt. Ich mache die Fotos aus dem Auto bei heruntergelassener Fensterscheibe. Es reicht.
Hinter Fredvang beginnt der Einstieg um über einen Bergsattel zum Kvalvika-Beach zu gelangen. Ca. 2,5 bis 3 Stunden sind für die „nur“ 2 km Strecke hin und zurück vorgesehen. Es ist allerdings so schlammig und das Gehen zwischen den Felsblöcken bedeutet hohe Aufmerksamkeit. Kurz nach dem Sattel erwischt uns voll breitseits der Hagel-Troll. Wir gehen unter einem großen, überhängendem Steinblock in Deckung und warten die 10 min ab. Dann ist alles vorbei und wir steigen weiter zum Strand hin ab. Oder sagen wir, teilweise gleiten wir im Matsch runter.

Dort erwartet uns herrliches Abendlicht mit golden und rosa angeleuchteten Wolken, welche sich im nassen Sand spiegeln. Die Zeit verfliegt, Tina geht eher zurück um wegen der Trittsicherheit noch das Tagesrestlicht zu nutzen. Ich habe ein paar Österreicher hier beim fotografieren getroffen. Wir bleiben noch, machen Fotos von diesem herrlichen, einsam und schwer erreichbaren Strand im Abendlicht. Spät brechen wir gemeinsam auf und gehen den Rückweg an. Einmal rutsche ich auf einer Steinplatte aus, falle darauf und gleite ein Stück hangabwärts. Hose ist noch ganz, aber der Oberschenkel wird in Kürze alle Farbschattierungen aufweisen. Mit den verschlammten Schuhen ist es gar nicht so einfach in dem unwegsamen Gelände bei Dämmerlicht. Oben nach dem Sattel hole ich dann doch die Stirnlampe heraus. Sicher ist sicher. Wir holen dann Tina ein, die vor einer Stunde schon los ist, aber es lieber sicherer angeht. Genau in dem Moment verlaufen wir uns im Birkendurcheinander weil wir nachts im Schein der Stirnlampe nicht mehr genau den Pfad (ist das überhaupt je einer gewesen?) sehen. Doch der Irrtum wird schnell bemerkt als es zwischen Steinblöcken und Krüppelbirken undurchdringlich wird.
Auf dem Rückweg zum Ferienhaus wird erneut getankt und es werden noch Getränke besorgt.
Danach gibt es Abendessen. Weil die Auroravorhersage wieder aktualisiert wurde, ein kp-Index 4 ist angesagt, der Himmel große Wolkenlücken aufweist, entschließe ich mich nur zu einem Power-Nap für 1,5h. Der Schlaf muss heute reichen. Tina legt sich ganz schlafen.

10 

00:30 Uhr, der Blick in den Himmel durchs Fenster zeigt trotz greller Straßenlampe eine deutliche Aurora-Spur. Ich wecke Tina, aber sie will nicht mehr mitkommen. So starte ich alleine Richtung Eggum an der Nordseite. Nach 20km kurvige Fahrt bin ich da. Mittlerweile sind zwar wieder Wolkenfelder erschienen, aber es reicht für das eine oder andere Bild. Allerdings sind die tollen Strukturen bei einem Index 4 nicht immer so ausgeprägt. Ich bin zufrieden, heute noch eine Aurora erlebt zu haben. Gegen 04.00 Uhr bin ich in der Ferienwohnung zurück und lege mich ebenfalls schlafen.
Leider verschlafe ich total den Wecker am Morgen. Draußen ist gutes Wetter, das ärgert jetzt schon ein wenig. Denn evtl. wäre das ein guter Sonnenaufgang geworden. Man kann halt nicht alles haben, vor allem wenn der der Tag vorher 22h dauerte und wieder davor auch nur 5h Schlaf waren. Also nutzen wir die Zeit für ein paar nette Bilder von Jans Ferienhaus und dessen Umgebung für seinen Web-Auftritt bzw. dessen Vermarktung. Außerdem packen wir vor, da wir wegen dem frühen Flug und der langen Anreise zum Flughafen schon um 2:00 Uhr nachts hier das Haus verlassen müssen.
So ganz wollen wir den heutigen Tag jedoch nicht mit herumsitzen verbringen. Das Wetter ist zu schön. Anscheinend ist heute Troll-freier Tag. Wir fahren direkt nach Haukland um dort auf den Aussichtspunkt oben am Berg zu wandern. Der Weg ist nicht ganz so matschig wie gestern. Schon bald sind die Krüppelbirkenhänge hinter uns und es bieten sich die ersten Ausblicke über Landschaft und Meer. Nach ca. eineinhalb Stunden mit Fotopausen haben wir den Punkt oben über dem wahrscheinlich schönsten Strand der nordischen Länder erreicht. Aber es weht ein eiskalter, böiger Wind der uns durch und durch auskühlt. Nach ein paar Fotos ziehen wir uns zurück, es ist ja schon 16:00 Uhr mittlerweile, um 17:15 Uhr ist schon Sonnenuntergang.
Unterwegs kommt uns noch einer der Österreicher, die ich gestern am Kvalvika Strand kennenlernte, im Laufschritt entgegen. Er will einen anderen Hügel weiter oben noch erklimmen. Er hofft auf einen guten Sonnenuntergang und will dann im Dunkeln absteigen.
Am Strand selber werden noch Bilder vom Sonnenuntergang bzw. dem Leuchten und dessen Spiegelung auf dem nassen Sand auf die Speicherkarte gebannt.
In Leknes müssen wir noch schnell etwas einkaufen. Beim Verlassen des Parkplatzes sehen wir schon in der Abenddämmerung die erste Aurora. Schnell düsen wir erneut Richtung Haukland. Eine schönes Abschlußspektakel wird uns dort noch von den Himmelslichtern beschert. Die Aurora begleitet uns noch den ganzen Abend. Jetzt ist es fast 22:00 Uhr, Abendessen steht an und dann bereiten wir uns auf die lange Nacht und die Anreise zum Flughafen vor.

11 

Gegen 1:30 Uhr starten wir mit vollgepacktem Auto Richtung Flughafen. Allerdings nicht, ohne von der uns begleitenden Aurora noch an verschiedenen Stellen Fotos zu machen.
So brauchen wir bis 5:00 Uhr morgens um an den Flughafen zu gelangen. Zwischenzeitlich hat es teilweise bis zu -1,5°C bekommen. Zuerst bemerkte ich das Knirschen des feuchten Grases beim Fotografieren. Es war leicht angefrostet. Damit wurde die Strasse, mit der Feuchtigkeit der vorangegangenen Regenfälle, partiell eine Eisbahn. Von daher hieß es schon: Vorsichtig fahren!

Die Fahrzeugrückgabe war problemlos per Schlüsseleinwurf zu machen, der Flug hob pünktlich ab. Nach einer Stunde sah man in den linken Fenstern einen knallroten Sonnenaufgang.
Ein kurzer Stop noch in Oslo und gegen 12:10 Uhr landeten wir sicher in München.

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