Lofoten 2016

Kurzfristig beschlossen wir nach unserem ganzen Hausrenovationsstress in 2015 jetzt im März 2016 erneut nach Norwegen zu reisen.
Letztes Jahr hatten wir ausser zwei Ausflügen mit dem PKW seit den Lofoten in 2015 nichts unternommen, der ganze Jahresurlaub ging mit den Arbeiten am Haus drauf.
Flüge waren passend verfügbar, Jan-Gustav hatte die Ferienwohnung für uns frei (bzw. passend gemacht) und ein Allrad-PKW war schnell gemietet.

Summary for my englisch speaking friends: We had again spent a nice time at northern Norway on Lofoten islands. Weather was the whole time unpredictable, mostly very cloudy in 8/10 days. Some Aurora was visible. But we missed due to weather conditions the G2 auroral storm on march 6th. In fact it was an absolutely relaxing vacation, where we met new friends and enjoyed the fantastic nature with its rough sea- and landscape. Enjoy the pics!
alle Fotos unbearbeitet | all pictures unedited
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01 

Die Landschaft in Norwegen, speziell auf den Lofoten hat es uns angetan. Zum einen sind es diese Berge und das Meer, welche die Gegend so einzigartig machen. Im Prinzip, so hat es ein Fotokollege einmal beschrieben, kann man sich vorstellen als hätte man die die Alpen ins Meer verpflanzt und nur die Gipfel sehen heraus.Zum anderen haben wir noch die oder andere Rechnung mit Fotospots offen. Außerdem kann man wieder Neues scouten.
Jan-Gustav von Midt i Lofoten, unser Vermieter in Alstad, hat "unsere" kleine kuschelige Wohnung freigeräumt. Andere Gäste, welche anscheinend für ein paar Tage parallel eingebucht waren, müssen in die zweite Wohnung ausweichen. Meine Bilder schmücken mittlerweile beide Ferienwohnungen von ihm als Acrylglasdrucke.
Los geht's.
Abflug um 8:50 Uhr nach Oslo, dort ca. 4h Aufenthalt und weiter nach Evenes den Mietwagen in Empfang nehmen. Dieses Mal ein japanischer Reiskocher mit Allradantrieb. Na gut. Fahren wir eben mit der „Suzi Quattro“ ;-)

02 

Es ist bewölkt, heftige Schneeschauer jagen draußen herum und so verbringen wir den Tag mit etwas Einkaufen. Als erstes fahren wir die Eisflächen bei Gimsoya an. Das Licht kommt diffus durch Wolkenlücken, der harschige Schnee glänzt etwas. Mit ein paar Krüppelbirkenresten versuche ich mich in "Zen-Fotografie" und mache das Bild später als schwarz/weiß Entwicklung fertig.

Später am Abend am Unstad Strand. Das ist einer der Plätze, der sich sehr widerspenstig zeigt. Nun schon im vierten Jahr versuche ich ihm ein Bild abzuringen mit dem ich zufrieden bin. Meist sind es hohe Wellen, falsche Gezeitenstände oder peitschender Wind der das Foto nicht so werden lässt wie es soll. Oder einfach zu spät angekommen. Da sind wir dann selber schuld.
Hier hat sich mittlerweile eine echte Surfszene entwickelt, zwei Surfschulen konkurrieren in dem 10 Häuser Dorf. Wenn ich dem Schild Glauben schenken darf, ist Surfsaison von Sept bis April, also im arktischen Winter??

03 

Das Wetter hat sich kaum gebessert, man sieht aus dem Ferienhaus kaum die gegenüberliegenden Hügel.
Ausschlafen und dann ab 11:00 Uhr etwas scouten fahren ist angesagt. Ballstad ist anscheinend bei jedem Wetter reizlos, bei Mistwetter aber eher abstoßend. Es geht nordwestlich an die Küste, unter dem Meer per Tunnel durch und etwas später fahren wir eine bisher nicht von uns bereits genutzte Route. Dabei entdecken wir zwei tolle Sandstrände, mit schwarzen Felsen und netter Brandung. Bei einem ist sogar ein Mini-Wasserfall dabei. Wir bleiben im Wagen bei Tee und Kaffee erst mal sitzen, draußen hat es peitschende Regenschauer.
Das Wetter bessert sich gegen Sonnenuntergang etwas und so wagen wir uns nach gefühlten Stunden endlich aus dem Auto zum fotografieren.

04 

Morgenstund hat Gold im Mund? Nicht wirklich, die dicke Bewölkung verhindert farbenfrohes Knipsen. Wir stehen vor Gimsoy, machen zwei bis drei Bilder, trinken Kaffee und fahren wieder.
Vielleicht geht abends etwas, derzeit zieht es eher noch stärker zu. An der Ferienwohnung sehen wir große Vögel auf dem Eis des Alstadveiens. Zwei davon identifizieren wir als Seeadler, welche hier etwas fressen. Ich komme bis auf ca. 50m heran, dann fliegen sie weg.
Als Nachmittagsrunde umrunden wir Kvalnes um erneut festzustellen, dass das bis raus auf Sandoya nichts bringt. Weiter Richtung Henningsvaer kommen starke Schneeschauer, die der Wind heftigst antreibt. Unter der Brücke über den Gimsoystraumen kann man architekturelle Bllder der Brückenkonstruktion machen, denn der Hintergrund ist im Schnee weiß ausgeblendet.

Kurz nach „Antoinettes-Spot“ ist ein Rudel Elchdamen mit ihren Jungen am Strassenrand. Allerdings selbst bei 400mm Brennweite bleiben sie auf Fluchtdistanz, außerdem wird es trotz aktivem VR am Objektiv schon zu dunkel für Freihandteleaufnahmen.

Henningsvaer selbst ist grau in grau und eine einfache Hafenaufnahme zur blauen Stunde ist alles was geht.
Die Aurora Vorhersage kündigt für diese Nacht einen kp5 (G1) Sonnensturm an, das könnte grünen Himmel bedeuten. Leider ist laut Wetterradar alles stark bewölkt. Nur weit nördlich könnte es größere Lücken in den Wolken geben. Gegen 21:30 Uhr brechen wir zur Aurora-Tour auf. Zuerst nach Gimsoy, da wir noch partiell Sterne über uns ausmachen können und diese Sicht also Wolkenlücken verspricht.
In Gimsoy haben wir tatsächlich ein erstes grün im Himmel, eine kleine Aurora ist für 30min zu sehen.
Weiter nordwärts, wenn es sein muss bis Narvik hinauf, laut Wetterradar. Das wären 200km einfache Strecke heute Nacht.
Über Laukvik ist es weiterhin klar, aber keine Aurora. Na gut, bis zum angekündigten G1 Sturm wären es noch 4h. Etwas im Auto gedöst, die Mole als vereist und in den Windböen als unattraktiv abgetan (der Leuchtturm von Laukvik ist eh hässlich platziert, lichttechnisch gesehen) und weiter zum Grunnvorfjorden.
Stockmauernfinster, Sterne über uns…hier warten wir ab. Wir schlafen abschnittsweise auf den Autositzen immer wieder ein und checken dazwischen den Himmel. Nichts von einem Aurorasturm der Güte kp5 (G1). Das müsste so hell sein, dass wir es problemlos sehen würden. Um 5:00 Uhr brechen wir ab und erneut auf. Am Horizont wird es zart heller, evtl. ein guter Sonnenaufgang für den Sensor?
Nachtrag: zu Hause stellen wir fest, dass die kp5-Aurora um 24h in der Vorhersage verschoben wurde. Auch da sind wieder alle drei von uns genutzten Quellen erneut übereinstimmend. Allerdings ist jetzt wirklich Schluss mit Wolkenlücken, die Aurora wird ohne uns stattfinden müssen.

05 

Auf dem Rückweg, Höhe Solvaer Airport, bricht der Morgenhimmel verheißungsvoll auf. Jetzt einen Fotostandpunkt gesucht. Am Flughafen ist Zaun bis ans Meer, bis zum Tunnel vor Svolvaer ist auch nichts wo man halten könnte , das verhindern etwa 1m hohe Schneehaufen am Strassenrand vom Räumen und Leitplanken. Aber halt, dazwischen ist eine Abfahrt zu einem Bauernhof, von dem zweigt ein Weg ab Richtung Flughafentower, der in Svolvaer nicht neben dem Rollfeld steht sondern auf einem Hügel daneben.
Vor dem Tor zum Tower stelle ich den Wagen ab und gehe um den Zaun des Towers herum. Nur ungünstige bzw. schlechte Perspektiven ergeben sich von dort aus, doch hinter dem Tower ist ein weiterer Hügel, von wo aus ich hoffe oben drüber sehen zu können. Im Tiefschnee erklimme ich den Hügel, der auf den von der Sonne teilweise ausgeaperten Stellen von Blankeis überzogen ist. Oben dann ein herrlicher Blick auf die Berge um den Austnesfjorden und genau in die Lücke zwischen den Inseln Stormolla und Litlmola, wo die Sonne gleich hervorkommt.

Dann fangen die schneebedeckten Berge hinter mir und bei Svolvaer an zu glühen. Der Kongstindan, Tjeldbergtinden, Jomfrutindan und Rundfjellet bekommen rosa Spitzen, genauso wie die Berge östlich des Austnesfjorden.

Die Straßen sind eisig, verharscht und teilweise schneesulzig. Kurz vor „Antoinettes-Spot“ bin ich gezwungen die Vollbremsfähigkeit unserer „Suzi Quattro“ mit ihren Spike-Pumps zu testen. Eine Elchmama quert mit zwei Jungtieren die Strasse. Zum Glück werden die Tiere schneller als ich angerutscht komme, trotzdem ist mein Bremsweg von 70km/h runter auf fast 0 bei den Witterungsverhältnissen etwa 100m lang. Das Adrenalin macht mich so hellwach, dass ich dann zu Hause trotz der nun fast 30h seit ich ein Bett gesehen habe (die Schlafpausen im Auto nicht gerechnet) nicht gleich schlafen kann. Gegen 9:30 sind wir dann im Ferienhaus, frühstücken und schlafen. Draußen ist es nur stark bewölkt und es hat Schneeschauer.
Gegen 17:00 Uhr düsen wir nach Unstad. Der Strand schuldet mir noch immer etwas in punkto Bilder. Naja, einlaufende Flut, ein paar solide Aufnahmen sind drin. Mehr nicht.
Allerdings kann man mit der Kamera, als es dunkel zu werden beginnt, schon grüne Stellen zwischen den Wolken ausmachen. Alle Aurora-Vorhersagen stehen heute auf kp6, also sehr gut. Wir müssen heute Nacht nur noch wolkenfreie Stellen finden.

Also starten wir gegen 22:00 Uhr erneut. Über den Innerpollen bei Borge sieht man etwas grün. Die Wolken sind nur als Schleier vorhanden, Sterne sichtbar. Doch der Schleier verhindert feine Strukturen der Aurora zu erkennen. Allerdings ist von den angekündigten kp7 (G3) Sturm nichts zu bemerken. Was wir sehen ist nur kp1-2 tauglich. Später sehen wir im Internet Bilder von Sylt mit Nordlichtsichtungen und Berichte aus Island über die „Nacht der Nächte“. Pustekuchen, nicht bei uns und wenn, dann irgendwo hinter den Wolken außerhalb unserer Lücke. Wir geben nicht auf, fahren nach Eggum. Nichts. Da es mittlerweile schon wieder viel stärker zu zieht, beschließen wir dann doch nach Hause zurück zu kehren. Der Wecker wird auf Sonnenaufgang gestellt.

06 
Vergebliches Wecken. Grau in grau, Schneewehen und sonst nichts. Schlafen wir wieder aus.
Heute besucht uns Jan-Gustav. Wir plaudern ein wenig, bezahlen die Ferienwohnung und als er gegangen war fahren wir nach Leknes. Wir müssen tanken und einkaufen.
Der Plan war nun weiter südlich zu fahren. Tinas Wetterradar und die Wolkenstimmung versprach einen netten Fotoabend, evtl. in Reine? Doch kurz nach Ramberg drehen wir um. Das Wetterradar hat sich aktualisiert und wir befinden uns in einem Schneeschauer größeren Ausmaßes.
Also retour nach ….ach fahren wir nach Haukland. Dort soll es noch gehen. Wir sputen uns, denn nur so können wir eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang vor Ort sein.
Etwa 5km vor Haukland dann ein havariertes Auto. Jemand schaufelt mit den Händen im Straßengraben Schnee und versucht sein Auto aus dem Graben zu bekommen. Es ist eine Französin, das erste Mal alleine verreist, heute angekommen und nach den ersten 70km auf norwegischen Schneestraßen gleich mal im Graben gelandet. Also helfen wir der jungen Dame ihren Mietwagen aus dem Schneegraben herauszubekommen. Das klappt ganz gut, nachdem ich das freirangieren am Steuer übernahm und die beiden Damen schieben. Nach zehn Minuten stand das Auto wieder auf der Straße. Sie frägt uns, ob wir bis Haukland voraus fahren würden, denn ihr ist auf den eisigen Straßen nun doch etwas mulmig. Während dem Fotografieren begleitet sie uns am Strand, wir plaudern eine Weile und später fährt auf dem Weg zum Hotel in Svolvaer auch sicherheitshalber hinter uns her, bis wir abbiegen müssen zum Ferienhaus.
Beim kochen prüft Tina mal wieder den Rauchmelder. Als ich das Gepiepe loswerden will und ihn von der Decke hole, um wie zu Hause die Batterie zu entfernen, hängt der an Drähten. Uuups, hoffentlich ist der nicht auf die Feuerwehr aufgeschaltet. Schnell Jan-Gustav kontaktiert und dann Entwarnung. Ist nur im Haus vernetzt und eine hausinterne Alarmanlage hätte mich per Sprachaufzeichung angesprochen was zu tun ist. In Norwegisch. Hätte sicher geholfen…

Da es draussen komplett bewölkt ist und partiell schneit, gehen wir dann doch ins Bett zum Schlafen. Morgen probieren wir unser Glück mit Sonnenaufgang, da südlich in der Nacht es frei werden soll. .
07 

3:00 Uhr, der Wecker wartet darauf getötet zu werden. Hilft nichts, aufgestanden und Wurstbrote von gestern zum Kaffee verfrühstückt. Wir nehmen nur das notwendigste mit, nach Sonnenaufgang wollen wir zurück sein.
Draussen herrscht ein Schneegestöber, dass ich niemals an die Wetterbesserung glaube. Aber wir sind auf den Lofoten, da ändert sich alles schnell in Punkto Wetterlage.
Auf den Straßen spuren wir als erstes den 5cm tiefen Neuschnee. Erst nach ca. 30km sind erstmals andere Spuren sichtbar. Nach dem Nappstraumen-Tunnel kommt eine Bucht an der Abzweigung nach Nussfjord. Wir sehen leichtes Polarlichtglimmen am Himmel, allerdings wird es auch schon langsam heller von der nautischen Dämmerung. Bis wir im Schnee eine passende Haltebucht finden ist der Spuk am Himmel schon vorbei. Aber: Um das sehen zu können braucht es klare Sicht ohne Wolken. Es hatte etwa 50% Bewölkung. Wird schon.
Kurz vor Reine klart es von Süden kommend auf. Also doch zu meinem bisherigen fotografischen Waterloo, der Postkartenkitschansicht von Reine. Natürlich sind schon wieder einige andere Fotografen da. Ich gehe als Erster nach unten ans Wasser, da ich kleine Eisschöllchen sehe die mir als Vordergrund dienen sollen. Kaum sehen das andere, folgen mir noch 5 weitere, mir fremde Fotografen. Einer macht immer den Leithammel ;-). Ich wusste schon, dass man teilweise bis zum Bauchnabel zwischen den mit Heidekraut bewachsenen Felsen verschwindet, wenn man daneben tritt. Und das tut man, denn im hohen Schnee sind die Zwischenräume nicht erkennbar. Ich glaube, das hat die anderen dann doch geärgert mir blindlings nach zu sein.
Es gab dann zumindest freie Sicht auf die Berge, ohne Wolken, etwas rosa Wolkenschaum drüber als Garnierung. Das war’s mit dem Morgengrauen, denn dann kam ein dicker Schneeschauer und binnen 3 min war die Fotolocation fluchtartig leergeräumt. Der Schauer legte sich nach 20 min wieder und gab bestes Licht von der tiefstehenden Sonne frei. So fotografieren wir den lieben Vormittag in Reine herum. Da wir nichts mitgenommen haben, kaufen wir Getränke ein, denn aufgrund des Wetters müssen wir die Zeit nutzen und fahren nicht zurück.

Nachmittags dann mit einigen Fotopausen den Weg nordwärts angetreten. Höhe Nussfjord Abzweigung liegt mal wieder ein Tourist mit seinem Leihwagen im Straßengraben. Die Bankette sind hier tiefe Gräben direkt neben den Begrenzungsstangen des Winterdienstes. Heimtückisch, da die Gräben randvoll mit Schnee sind und oben drauf der Hügel vom Räumen liegt. Jeglicher Parkversuch am Landstraßenrand wird mit Autoversenken geahndet.

Ein paar landestypische, getrocknete Fischköpfe für den Export:

Nette Ansichten nehmen wir am Strassenrand gleich mit. Der Spass hat ein Ende als ein Lastwagen vorbeidonnert und uns mit Dreckgischt vollsprotzt.

Da es nun schon 14:00 Uhr durch ist, beschließen wir den Sonnenuntergang auch noch gleich anzuhängen. Am Hauklandbeach herrscht gerade dramatisches Licht. Das überbückt die Zeit spielend. Dann rüber zum Uttakleiv Strandabschnitt. Ohne Allrad wäre der heuer nicht erreichbar, da die anderen Allradfahrzeuge tiefe Spurrillen den einen Kilometer bis zum Parkplatz gefräst haben. Selbst mit unserer „Suzi Quattro“, einen „HausfrauendieSchulkinderdamitabholen-SUV“ tun wir uns schwer. Doch hier ist es grau und wir holen keine Ausbeute vom nicht vorhandenen Fotografen-Abendhimmel. Dann beginnt es zu schneien, aber so heftig, dass wir kaum noch auf der Strasse sehen wo es lang geht. So eiern wir nach Hause, wo wir gegen 20:30 Uhr ankommen. Polarlichter diese Nacht: Fehlanzeige, bei dem Himmel.

Etwas Zen Fotografie noch:

08 

Zur nautischen Dämmerung geht es los. Schon Irrsinn wie schnell sich das jeden Morgen nach vorne verschiebt. In drei Monaten ist ja schon wieder Midsommer und in weniger als zwei Monaten geht die Sonne gar nicht mehr richtig unter.

Sehr verwirrend auch, dass es weit im Nordosten orange dämmert. Obwohl die Sonne dann jetzt um diese Zeit ziemlich genau im Osten aufgeht. Denn die 1,5-2h Dämmerung wandert die Sonne vom erkennbaren Verfärben bis zum endgültigen Aufgang noch sehr weit. Diese langen Phasen am Morgen und am Abend machen das einsammeln des Lichtes auch wesentlich einfacher, als am Äquator wo es gefühlt mit einem Schlag hell oder dunkel wird.

So fahren wir heute an die Südküste von Vestvagoya. Eine Herausforderung ist nur, dass bei Ebbe, bzw. davor und danach, das Ufer voller jetzt sichtbarer, diverser Algen ist. Diese zwar im Detail schönen Algensorten geben insgesamt aber nur einen hässlichen braunen Streifen zwischen Wasser und Schnee am Ufer auf den Fotos ab. Da gibt es mehrere kleine, aber sehr feine Stellen an der Küste. Strukturiertes Wasser (Spaghetti-Wasser) im Vordergrund oder ruhige Sandabschnitte oder norwegen-typische Steinlandschaft mit Flechten, Moosen und Heidekraut bzw. Moosbeerenbüschen.

Der Sensor wird arg strapaziert, ein vorgelagerter Felsabschnitt ist mein heutiger Favorit. Spannend, immer wieder die unterschiedlichen Wasserbewegungen einzufangen. Die Flut läuft bereits wieder ein und als ich von meinem Felsen will, sehe ich einen breiten Wassergraben zum Ufer hin. Man sollte halt aufpassen, was das Meer macht. Der Felsen auf dem ich bin, ist bei Flut sowieso komplett versunken. Da hilft nur beherzt auf einen tangbewachsenen Felsen im knöcheltiefen Wasser zu treten und von da mit gewagtem Sprung (behindert sind nur Fotorucksack, dicker Parka, Stativ und Kamera in der Hand) auf einen ebensolchen Brocken unter Wasser auf der anderen Seite zu machen und mit Gewicht nach vorne verlagernd dann hoffentlich nicht rücklings ins Meer zu fallen. Geht gut, Schuhe nass, aber so schnell getreten, dass kaum Wasser reinlief. Nicht auszudenken, ich wäre auf den Algen ausgerutscht. Alternative wäre: Schuhe aus, Hose aus und durchs europäische Polarmeerwasser gewatet.
Ein Bilderrätsel gefällig: Was ist hier angedeutet? ;-)


Etwas weiter treffen wir auf eine schöne Stelle auf einer Landzunge in einer Straßenkurve. Herrliches Wetter, skandinavientypische Landschaft lädt zum Verweilen ein. Frühstückspause!
Neben ein paar Aufnahmen von uns (ja, das gibt’s auch; sogar mit extra Aufhellblitz) zur Selbstdarstellung, geniessen wir einfach nur den Vormittag im zwar eiskalten Wind aber wärmender Sonnenstrahlung bei etwa 1°C.

Zurück im Ferienhaus schlafen wir 1,5h, denn die letzte Nacht war mit nicht einmal 4h etwas kurz.
Da die Wolken hereinziehen und die Sonne gut steht, verspricht der Untergang ganz gut zu werden. Der ist um 17:43 Uhr. Viele Fotografen belagern schon den Strand bei Uttakleiv. Der Weg wurde mittlerweile geräumt, gestern benötigten wir noch den Allrad und partiell die Snow/Mud Betriebsart der Suzi-Quattro. Ist aber auch besser, denn nur ein Liegenbleiber hätte den Weg vollkommen verstopft und alle hinten parkenden festgesetzt.
Warum gehen die meisten, wenn die Sonne untergegangen ist? Farbig und interessant wird’s doch erst hinterher. Der Himmel zeigt über zwei Stunden lang noch deutlich Farbe. Zum Glück ist es nur am Rand bewölkt, es könnte heute mit einem Index von kp2 Aurora Sichtung geben.

Am nachtschwarzen Ufer sehe ich jemand mit Lampe herumgeistern. Ich glaube Tina sucht mich schon, sie war vor einer Stunde zum Auto gegangen. Ich hatte das Funkgerät nicht mitgenommen, mit dem wir sonst Kontakt halten. Meine Stirnlampe lag auch im Auto.
Doch es war jemand Fremder, der einfach so eine passende Stelle suchte. Er stellte sich nach kurzem Aufklären des Missverständnisses (ich sprach ihn von weitem mit Tina an und er meinte ich wäre von seiner Taschenlampe gestört worden) als Steven Henriksen vor. Mein Freund Serdar kennt ihn bereits, den Aurora-Hunter und Lofoten Guide aus Kabelvag. Wir plaudern und in der Zwischenzeit flammt schon erste Aurora auf.
Diese wir d stärker, bildet einen Bogen über uns. Zwar nur eine statische und schleierartig wirkende Aurora, aber dennoch sehr intensiv für unsere Fotosensoren. Eine strukturierte, tanzende Aurora wäre zwar der Jackpot, wir sind dennoch zufrieden nachdem wir letztes Jahr in 8 Tagen überhaupt keine zu Gesicht bekamen und der Himmel auch dieses Mal es nicht besonders gut meinte.
Später wechseln wir hinüber zum Haukland Beach. Allerdings holen uns die Wolken ein und ein paar Narren (deutsche, was sonst…) machen ein Shooting ihres SUV-Mietwagens am unteren Strandparkplatz. Mit dem Autolicht blenden sie dauernd auf den Strand hinunter was teilweise unsere Bilder versaut. Bei dem Meeresrauschen und Wind hilft auch brüllen nichts, sie hören es nicht. Blinken mit den Stirnlampen wird mit Fernlichtblinken erwidert. Deppen!
Es zieht zu, die Aurora wirkt verschwommen am Himmel. Ein letzter Versuch oben neben dem Hovden auf Gimsoya. Eiskalter Wind, kaum Wolkenlücken aber bärenarschschwarze Nachtumgebung ernöglichen noch zwei Bilder und dann geht’s endlich um 1:30 Uhr ins Ferienhaus um Abend zu essen.

09 

Shit, verschlafen. 5:45 Uhr, ein orangenes Band am Horizont zeugt von einer Wolkenlücke am Rande obwohl oben alles dick grau ist. Schnell angezogen, meinem Schatz ein „ich dann mal weg“ im Halbschlaf beigebracht und raus.
An einem Strandabschnitt nur 20 min weg, auf Gimsoya, warte ich bei Ebbe mit den Wattwürmern um die Wette. Ein einsamer Seestern liegt herum und wandert in einer halben Stunde ca. 15cm. Spannend dem zuzusehen während das Licht am Horizont einfach nicht will, etwas Zeitvertreib braucht man ja morgens.


Ergebnislos abgebrochen und ab nach Hause. Noch einmal hinlegen und kurz einschlafen. Später dann gemeinsam frühstücken, Wetter checken und den restlichen Tag planen.

Steven empfiehlt uns zusätzlich zu unserem Wetterfrosch „kart-yr.no“ die Web-App „storm.no“. Allerdings hilft das zwar beim Planen, besser wird die Lage auch nicht. Oder man sieht wie aussichtslos es die nächste Zeit wird. Die einzige freie Wolkenlücke für Donnerstag auf Freitag Nacht ist um 2:00 Uhr morgens in Reine. Wandert langsam Nordostwärts und löst sich in dichte Wolken mit Schauern auf.
Abends geht es nach Vikten, ein paar Bilder vom Strand ohne Sonnenuntergang zu machen. In Leknes zum Tanken gefahren und zu Hause Abendessen gemacht. Wegen der beschriebenen Wetterlage fahren wir um 23:00 Uhr los nach Reine. Allerdings keine Lücke, die Vorhersage wurde aktualisiert. Es regnet. Wir machen es uns im Auto gemütlich und warten auf die Lücke. Als ich um 2:00 Uhr durch den Wecker an das Nachsehen erinnert werde, ist tatsächlich eine Öffnung mit Sternen erkennbar. Darin sogar eine dreiflammige, milchige Aurora. Doch in Reine ist zu viel Lichtverschmutzung für das dünne „Aurora-chen“. Etwas weiter Richtung A (der Ort heißt so) ist eine Brücke, auf der es dunkel ist und wir ein paar Bilder zur Erinnerung machen. Schnell zieht es wieder zu, da hatte der Wetterbericht recht. Allerdings soll es um 5:00 Uhr noch einmal für kurze Zeit besser werden, das wäre evtl. für den Sonnenaufgang etwas.
Wir dösen weiter im Auto und zur Dämmerung sind wir bereit. Die ersten am Spot. An meinem Waterloo namens „Reine, Postkartenblick“. Nach und nach gesellen sich noch welche dazu, aber mehr wie 10 werden es heute nicht (manchmal sollen über 50 Fotografen hier sein). Wahrscheinlich traute keiner dem Wetter.

10 

Vor Sonnenaufgang, solange ich alleine war, herrschte fast glattes Wasser in der Bucht. Perfekt für eine einigermaßen Spiegelung des Berges. Die Sonne hat aber nur Spalten am Horizont und daher fällt die erwartete Beleuchtung eher gemäßigt aus. Schließlich setzt dann Regen dem Schauspiel ein Ende.
Langsam geht es heimwärts. In Skagsanden wird trotz Regen fotografiert. Zum einen weil gerade eine Meute eines Fotoworkshops sich geradlinig auf den Weg macht die fotogenen Sandstrukturen zu zertrampeln. Doch ich bin schneller und kann meine Beute sichern bevor diese achtlos wegen der Spiegelung am Sandstrand überrannt wird. Die Spiegelung habe ich schon eingesackt, die Meute wird sich schwer tun es trocken zu schaffen, denn die einlaufende Flut bringt Garantie für nasse Schuhe um die schwarzen Steine von der Meeresseite aus mit den Bergen im Hintergrund aufzunehmen. Meine Schuhe sind es schon.
Gegen Mittag treffen wir im Ferienhaus ein und „frühstücken“ ausgiebig.
Draußen ist es grau und regnerisch. Außer Packen und Abreisevorbereitungen bleibt uns heute nichts mehr.
Mit den Crocs und den Eiskrallen für die Wanderschuhe machen wir noch einen besonderen Gag.

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