Lofoten 2015

Nach 2013 und 2014 planten wir erneut die fantastische Landschaft Nord-Norwegens auf den den Lofoten zu bereisen. Es sollte noch Polarlichtaktivitäten vorhanden sein, da der aktuelle 11-jährige Zyklus etwas länger dauerte als sonst. Die Reise wurde auf Anfang März gelegt, um mehr Tageslicht und längere Dämmerungszeiten zu haben.

01 

Anreise. Wir haben dieses Mal die Scandinavian Airline (SAS) gebucht, da Norwegian unpassende Flugzeiten anbot. Ich mag SAS nicht, weil ich noch nie bei denen von pünktlichen Flügen gehört hatte. Ausserdem ist das WiFi an Bord nicht für alle Klassen kostenlos, das Extra-Gepäck buchen (wenn man es nur für eine Richtung braucht, Lebensmitteltransport) ist in der SAS GO Klasse nur 22h vor Abflug online möglich usw… Eine höherwertige Flugklasse mit 2x23kg Gepäck für Hinund zurück rentierte sich aber nicht kalkulatorisch. Bei Norwegian ist das Stückprinzip kein Thema und alles easy.

Oh Wunder der Abflug in München ist in der Toleranzgrenze pünktlich. WiFi gibt’s gar nicht, für keine Klasse.

Wir haben neben dem normalen Gepäck auch noch Lebensmittel dabei. Das ist einfacher im abgelegenen Ferienhaus und die 52 Euro Gepäckkosten würden umgelegt betrachtet wohl kaum für mehr als 1,5 Tage im Supermarkt reichen. Dazu kommt, dass ich dem Vermieter Jan-Gustav Bilder für die Wand versprochen habe. Daher sind zwei 60x40cm Acrylprints und ein kleinerer Alu-Print zusätzlich im Handgepäck dabei.

In Oslo geht’s schon los. Ich bekomme eine SMS von SAS, der Flug ist 40min verschoben. Na Klasse, in Evenes habe ich einen Mietwagen gebucht, der Schalter schliesst um 22:30 Uhr, fast unsere neue Ankunftszeit. Ausserdem wird bei Abholung nach 22:30 Uhr ein Servicepauschale von 55,- Euro fällig. Also gleich mal bei SAS am Schalter vorsorglich einen Anspruch auf Erstattung geltend gemacht, die nette Dame am Service hat dann gleich in Evenes bei EuropeCar angerufen um unsere Verspätung anzukündigen. War auch gut so, denn der Flug wird weiter laufend verschoben. Am Ende starten wir mit 1,5h Verspätung nach Norden.

Wegen einem Streik bei Norwegian sind deren Flüge heute und die nächsten Tage alle annulliert (doch Glück gehabt SAS zu haben?), dafür ist unserer jetzt randvoll und die Bilder stehen vor meinen Füssen diein den dicken Kamik-Schuhen stecken. Naja, eine Stunde dreissig Minuten Flugzeit werde ich so überstehen. In Evenes klappt alles reibungslos, der Mietwagen ein Skoda Octavia 4x4 mit Spikesreifen steht bereit. Jetzt hat es Schneesturm, bis rüber auf die Lofoteninseln sehe ich fast die Strasse nicht. Dann klart es ein wenig auf und Vollmond erleuchtet partiell zwischen dunklen Wolken die winterliche Landschaft. Gegen 4:00 Uhr morgens erreichen wir dann unser Ferienhaus.

02 

Das Wetter ist ganz passabel heute. Am späten Vormittag fahren wir Getränke einkaufen in Leknes. Später weiter Richtung Mortsund wo wir die ersten schönen Bilder versuchen. Da es heute gut aussieht und der Wetterbericht die nächsten Tage nichts gutes verspricht, beschliessen wir gleich runter nach Reine zu fahren. In Hamnoy werden die obligatorischen Bilder erstellt, in Reine ist dann das Licht nicht prickelnd. Also heimwärts. Was mich erfreut, ist die fertiggestellte Strasse nach Reine. Endlich keine Baustelle mehr, mit Schlaglöchern wo das Auto komplett rein passt oder kopfgrossen Steinen von den Sprengungen mitten auf der Strasse. Jan-Gustav habe ich ein Bildmit den neuen Bildern an der Wand gesandt und über die fehlende Kaffeepadmaschine informiert, ob sie denn defekt sei? Es kommt zurück „Habe Grippe, liege im Bett“. Man muss wissen, den Vermieter sehen wir fast nie, da er 40km entfernt wohnt.

03 

Oje, Grau in Grau, Sturm vom feinsten und Schlagregen, also ein Wetter wo man nur die Bettdecke bis über die Ohren hochziehen kann. Machen wir auch, bis es nachmittag tatsächlcih aufklart. Erneut fahren wir Richtung Leknes, vomTorvdalsveien Aussichtspunkt haben wir schönes Spätnachmittaglicht. Um 17:20 Uhr geht die Sonne ja schon wieder unter. Allerdings hält es nicht. Später noch ein wenig in Unstad mit den schwarzen Steinen experimentiert, dann ist Schicht im Schacht. Die Windböen zerren an mir und das Stativ wäre auch schon ein paar Mal umgefallen. Als ich dann auch noch von einer Welle (die berühmte siebte war es nicht, die holte Verstärkung bei der vierzehnten dann) bis über die Unterschenkel, obwohl ich auf einem erhöhten Stein stand, erwischt wurde und die Stiefel randvoll mit eiskaltem Meerwasser geflutet waren, reichte es. Trotz dem Wetter war ein leichtes Glimmen vom Polarlicht zwischen den Wolkenfetzen auf dem Sensor erkennbar. Die nächsten Tage soll jedoch der Polarlichtindex sehr schwach ausfallen. Ab in Ferienhaus, ein wenig am Computer gearbeitet um eine neue Webseitenoberfläche zu installieren (der Jan-Gustav hat ein superschnelles WiFi eingerichet) und immer wieder die Lage draussen ge-checkt. War aber nichts mehr. Achja, als wir nach Hause kamen stand eine nagelneue Kaffekapselmaschine vor der Tür. Der Jan-Gustav ist halt klasse.

04 

Shiet-Wetter. Sturm, Hagel, Regen und trotzdem handtellergroße blaue Himmelsstellen dazwischen. Verrückt. Also spät gefrühstückt und die Kaffemaschine eingeweiht. Allerdings…Brrrr. Ich bevorzuge dann doch eine Notlösung aus aufgerissenen Kaffeepadinhalten die wir in einer Press-Stempelkanne brühen. Das kommt einem Kaffee deutlich näher. Ökologischer ist es auch. Daab und zu doch etwas Licht herauskommt, fahren wir los. Am laufenden Band gibt es Hagelschauer, die meisten nur etwa 5-10min lang. Aber die Häufigkeit! Ich habe aufgehört die Anzahl der Schauer heute zu zählen. Teilweise schmerzen die wie Geschosse vom Wind getriebenen Hagelkörner sogar durch die wattierte Hose und die darunter befindliche Merino-Skiwäsche. Dazwischen fegen die Wolken über uns, das gibt in Verbindung mit den unterschiedlichen Wolkendicken wirklich gute Lichtstimmungen. Dazwischen blitzt es sogar ab und zu, auch Donnergrollen ist zu hören. Die Wellen treibt es ebenfalls mit Wucht ans Ufer wo sie sich brechen und Fontänen erzeugen. So verbringen wir den Tag mit Beobachtung der eindrucksvollen Naturgewalten. Ab und zu ein Foto und dann in die warme Stube zurück. Hoffentlich klart es nachts auf, der kp-Index ist mit 3-4 ganz o.k. und sollte Polarlicht bescheren. Doch um 23:30 Uhr ist immer noch dichteste Bewölkung. Wir werden ab und zu nachsehen.



05 

Nichts, außer schwarze Wolken. Die ganze Nacht. Alles zwei Stunden wird der Himmel gecheckt. Wir trödeln spät los. Sonnenaufgang war auch keiner zu erkennen. In Leknes wird getankt, Getränke gekauft und über die „Südschleife“ von Vestvagoya zurückgefahren. Den Valbergsveien entlang finden wir einen Eisschollenaufwurf. Da muss fotografiert werden. Allerdings immer wieder Hagelschauer, so dass die Kamera in Tuch eingemümmelt wird und dann wartet man bis man das weiße Zeug wieder abklopfen darf. Natürlich gibt es auch heute wieder nasse Schuhe, wie jeden Tag flute ich meine Stiefel mit Polarmeerwasser. Heute durch Einbruch ins Eis (trägt schon noch…ha,ha,ha), die Tage vorher meist durch Flut und Wellen die mir immer wieder eines auswischen. Tina tauft den Urlaub auf „Urlaub der nassen Schuhe“, da täglich die Stiefel getrocknet und zur Beschleunigung des Prozesses geföhnt werden müssen.

Das Licht wird flacher, wir steuern eine Halbinsel an. Da hatte ich eine neue Top-Location gefunden. Parken und wandern im Hagelschauer, nichts Neues also. Dann stehen wir vor dem Leuchtturm. Aber was ist das da? Walknochen, überall. Sogar ein ganzer Walschädelknochen liegt hier. Daran hängten sogar mumifizierte Reste der Haut. Die Rückenwirbel tragen wir zusammen und legen sie auf einen Stein. Anscheinend kommt hier nie jemand hin, denn der verendete Wal muss bei Sturmflut hier 5m über Meeresspiegel hochgespült worden sein und ist dann verwest ohne dass ihn jemand beseitigt. Das erledigten die Raben und Adler wahrscheinlich.



Wir fotografieren und bei Dämmerung geht es retour. Allerdings nicht ohne noch eine weitere Langzeitbelichtung. Hmm, passt nicht. Noch schnell eine weitere Aufnahme, leicht andere Perspektive. Das bedeutet Positionswechsel. Aber ohh Schei…e, der Fels ist glatt wie Schmierseife. Oder schubst mich da ein Troll gerade? Ich rutsche, merke es noch, springe weg vom Felsen um besser landen zu können. Aber es geht zwei Meter vertikal ins schwarze, wo Klippen und Steine lauern. Wie durch ein Wunder schlage ich mit den Füssen voraus auf, nicht zwischen Felsen hinein sondern auf kopfgroße Kiesel dazwischen. Zumindest links. Wo der rechte Fuss landet weiss ich nicht mehr. Ging zu schnell. Alles heil, Hand geprellt aber sonst o.k. Doch oh Schreck, die Kamera hat eine offene Schädelfraktur erlitten. Es fehlen Teile, ein Loch klafft oben auf. Ich entferne sofort die Batterie und decke alles schnell zu um es vor der Meerwassergischt und dem erneut einsetzendem Hagel zu schützen . Dann klettere ich hoch und gehe geknickt zum Auto zurück. Aus der Traum vom Fotourlaub.
Zu Hause in der Ferienwohnung wird der Schaden begutachtet. Die Kamera scheint immer noch zu funktionieren. Also das Loch lichtdicht schliessen. Bordmittel sind Heftpflaster und Alufolie der Kartoffelchipstüte als Lichtabdichter. 20min später erster Test. Scheint zu gehen. Der Schutzengel war wieder einmal für mich und die Kamera voll da. Der Schaden lässt sich zu Hause sicher reparieren und außerdem bin ich dafür auch teuer versichert.

06 

Nachts war es wieder nichts. Um 6:00 Uhr scheint die Morgendämmerung eine Lücke gefunden zu haben. Bis wir losfahren ist aber wieder alles grau. Es dimmt sich ein wenig hoch, das war es. Mit der diesigen Sonne machen wir vormittags noch ein paar Bilder. Dann richtig frühstücken und etwas ruhen. Gegen abend steuern wir Unstad an. Doch die Wellen klatschen zu extrem ans Ufer. Kurz vor dem Tunnel gibt es einen schönen Blick auf Maervoll

07 

Am Morgen fahren wir Richtung Henningsvaer. Ein wenig können wir vom Licht mitnehmen. Hauptsächlich am „Antoinettes Spot“.
In Henningsvaer ist die Sonne höher, Richtung Sportplatz sind die Trockengestelle die soeben mit Frischfisch bestückt werden. Die Männer erklären sie sind nur die Aufhänger, die Fischfänger sind andere. Auch ein Job. Ein paar Schnappschüße von ihrer Arbeit werden mitgenommen.

Noch ein Foto beim Verlassen der Inselgruppe als die Welt am Horizont gerade unterzugehen scheint. Ein riesiger Hagelschauer zieht hinter der sonnenbeschienen Kulisse vorbei. Jetzt aber ab, Richtung Heimat.

Etwas schlafen tut not. Nachmittags trauen wir dem Wetter-App und fahren nach Reine. Jedoch ist Reine seit Jahren mein persönliches Waterloo. Es ist grau, es hat keine Sonnenstimmung und kaum steht das Stativ für eine weitere Schlechtwetteraufnahme im Portfolio (wenn man schon mal da ist), fängt es heftig an zu wehen und regnen. Also Abbruch und retour. Kurz in Leknes getankt und weiter heim zum Abendessen.

08 

Eigentlich muss ich um 0:00 Uhr anfangen. Da entschieden wir wenigsten 1h zu schlafen bevor es raus geht. Die Wettervorhersage war der Meinung es klart auf, der kp-Index war schwankend zwischen 1 bzw. 3 angeführt. Da es unsere letzte Chance war, dieses Mal doch noch Nordlicher zu sehen, fuhren wir gegen 1:30 Uhr los auf die Torvdalsveien um einen Überblick zu bekommen. Nach 30min meinte Tina, etwas zu sehen. Schnell ein Testschuß und ja, da war eine klare grüne Struktur am Himmel. Da wir eine dunkle Gegend und eine passende Landschaft benötigten starteten wir nach Haukland. Doch dort angekommen war nichts mehr zu sehen. Richtung E10 fanden wir einen See mit netter Bergkulisse und warteten dort. Dabei schliefen wir beide auf den Autositzen ein. Um 3:30 Uhr dann die Erkenntnis: Das wird nichts mehr. Auf der E10 heimwärts sahen wir ein leichtes Glimmen, von Eggum kommend. Also abgebogen, auf halben Weg in eine Ausweichstelle gefahren und … warten. Erneut dösen wir vor uns hin, checken immer wieder den Himmel. Um uns tobt ein Sturm, der heftig am Auto rüttelt. Ich will da gar nicht raus. Gegen 4:00 Uhr packt mich der Ehrgeiz zumindest das kaum vorhandene Glimmen zu fotografieren und stolpere in die Nacht hinein los. Nur Kamera, Stativ und ein Objektiv, nicht einmal eine Stirnlampe. Außerdem lässt sich der Übergang von der astronomischen zum Beginn der nautischen Dämmerung schon erahnen. Es geht auf eine kleine Halbinsel durch Fjell Gelände, diese teilweise steinige mit tiefem Heidekraut, Moos und kleinen Beerenbüschen durchsetzte typische Landschaft. Da man in dieses Heidekraut sehr tief einsinkt und ich kein Licht dabei habe, stolpere ich so vor mich hin bis ich zur Uferkante des kleinen Fjords vor Eggum gelange (dem Ytterpollen). Dort ist ein richtiger Eisstoß, der einen guten Vordergrund markiert. Der kleine Hügel auf der Halbinsel schützt mich ein wenig vor des Sturmböen. Und tatsächlich kann ich die Landschaft und das Eis im ersten vagen Dämmerlicht mitsamt einer zarten Aurora-Erscheinung ablichten. Da mir der Eisstoß so zusagt, bleibe ich fotografierend bis fast zum Sonnenaufgang. Doch eine dicke schwere Wolkendecke verhindert den wieder einmal.

Durchgefroren breche ich dann gegen 6:00 Uhr ab und es geht nach Hause ins Bett. Tina zog es vor bei dem Sturm im Auto zu bleiben und immer wieder mal nachzusehen ob ich noch senkrecht bin.

09 

Wir schlafen lange, das Wetter ist nicht berauschend. Sturm, Regen und Hagel wie gehabt. Das Gepäck wird schon mal vorgepackt um heute mitten in der Nacht zur Rückreise aufbrechen zu können.
Am späten Nachmittag brechen wir dennoch erneut auf Motive zu suchen. In der näheren Umgebung grasen wir das eine oder andere ab, hauptsächlich auf Gimsøya. Ein leichtes Aurora Glimmen entsteht in einer Wolkenlücke, aber zu schwach um für ein Foto relevant zu sein.

10 

Unser Rückflug soll um 6:45 Uhr morgens sein. Für uns bedeutet das sehr früh zu starten. Wir planen 3,5h für die Strecke zum Flughafen ein. Somit ist um 2:30 Uhr die Nachtruhe beendet. Die Fahrt verläuft im Dunklen unauffällig. Wir stehen in der langen Schlange schon ganz vorne beim Sicherheits-Check als ich den Autoschlüssel in der Hosentasche spüre. Puuuh, schnell zurück zum Schalter und eingeworfen. Die ganze Menschenmenge die schon am Flughafen ist muss ich überholen um zu Tina aufzurücken.
Die SAS ist tatsächlich pünktlich. Über Oslo als Umsteigehub sind wir dann Mittags wieder in München.

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