Lofoten 2013

Prolog
Diesesmal waren die Vorbereitungen für eine Reise etwas ausführlicher. Hauptsächlich ging es um Bekleidung. Wir folgten den Empfehlungen einer Fotografentruppe (photographer-crossing) und besorgten warme Parkas und gefütterte Hosen von Fjällraven, Winterstiefel von Karmik (bis -70°C geeignet) und Merinowolle-Unterwäsche samt Socken von Aklima. Letztere vertreibe ich selber im Geschäft und bin begeistert davon.

Intensives Studium der Karte und der Fotospots ließ uns eine zentral gelegene Ferienwohnung suchen und auch finden (über Novasol). Die Mietzeiten der Ferienwohnungen harmonieren nicht mit den Flugtagen ab München. Daher wussten wir schon, dass wir wegen der späten Ankunft die erste Nacht am Polarkreis keine Bleibe haben würden.
Die Mietwagen haben zum Glück die verpflichteten Spikes in den Reifen. Jedoch mussten wir Nachtzuschlag bei der Abholung bezahlen.
Mit Lektüre der Berichte Bilder anderer, fand sich schnell, dass auch fototechnisch noch ein wenig aufgestockt werden müsste. Gerade für Nachtaufnahmen wurde ein 14-24mm aus dritter Hand gebraucht noch schnell besorgt.

01.03.2013 Freitag
Abflug pünktlich in München mit Norwegian. Eine Billigfluglinie ohne Snacks und Getränke, nur separat buchbares Gepäck, aber kostenloses Internet an Bord.
In Oslo angekommen hatten wir 6h Aufenthalt bis unser Weiterflug nach Evenes stattfinden sollte. Um 22:00 Uhr saßen wir im Flieger, die Stewardess machte sich jedoch zum Startzeitpunkt in einem endlos langen norwegischen Monolog daran uns mitzuteilen (Bayern bräuchten da nur drei Begriffe dafür: „D’Maschin’ is hi“), dass wir einen  größeren Schaden am Triebwerk hätten und daher nicht fliegen würden. Nicht mit diesem Flieger, sondern mit einem anderen. Der wäre an einem anderen Gate, zufällig frei und wir müssten samt Gepäck umsteigen. Das bescherte uns über eine Stunde Verzögerung.
Zum Glück musste in Evenes der Mietwagenverleiher warten, schliesslich hatten wir Nachtzuschlag bezahlt. Wir landeten also eine halbe Stunde nach Mitternacht und kurz nach ein Uhr morgens saßen wir im Auto.
Auf zu den Inseln. Wir nahmen uns vor nachts zu fahren um am Morgen schon Aufnahmen machen zu können.

02.03.2013 Samstag
Nach über drei Stunden Fahrt waren wir auf eine Ausweichstelle an der Strasse gefahren und haben 2h im Auto geschlafen. Zugedeckt mit den dicken Parkas waren die -6°C draussen für uns kein Thema.
Nach 350km Fahrt dann Reine, unsere Morgen-Location. Wetter: War da, und zwar heftig. Eiskalter Wind, Schneetreiben, dicke Wolken bis fast aufs Meer hinunter. Die ersten Fotos haben mehr schwarz-weiß Charakter, mit kleinen farbigen Tupfen der Häuser.
Schnell zurück nach Lekes, dort im Coop eingekauft und den Vermieter unserer Wohnung angerufen. Wir dürften eher als geregelt kommen, aber trotzdem erst um halb 2Uhr nachmittags. Hmm, also weiter die Zeit vertrieben mit dem Auto ein wenig die Gegend zu erkunden. Mittlerweile sind wir hundemüde. Daher legen wir uns nach Wohnungsübernahme erst einmal etwas hin. Doch bereits um 16:30 Uhr heisst es Abfahrt, denn eigentlich sind wir für den Sonnenuntergang fast zu spät dran. In einer kleinen Bucht erleben wir ein fantastisches Licht. Schnell ist es jedoch weg, dicke Wolken sind am Horizont. Weiter nach Gimsoy zur dortigen Kirche. Ein Muss für jeden Lofoten-Fotografen. Ich spiele ein wenig mit dem roten Licht der Stirnlampe. Dann kommt am Horizont hinter uns das erste kleine Glimmen.
Die Polarlichter sind da!
Erst zartes Band, dann immer weiter und mehr. Nach etwa einer Stunde wird es schwach und verschwimmt mit dem nun mittlerweile bewölkten Himmel. Wir packen zusammen und fahren befriedigt zu unserer Unterkunft zurück, endlich etwas essen und schlafen.

03.03.2013 Sonntag
Etwas spät aufgestanden, denn mit Fahrzeit nach Henningsvaer wird es knapp mit Sonnenaufgang. Ist aber dann egal, denn es ist an der Küste komplett dicht. Nachts hat es geschneit, wir legen auf der noch nicht befahrenen Strasse unsere erste Spur. Nichts mit Sonnenaufgangslicht. Erst später bekommen wir Wolkenlücken und warmes Streiflicht zu sehen.
Wenn wir so mit 60-80 km/h dahinfahren, sieht man am Tag schon die festgefahrene Schneespur glänzen. Die Spikes halten gut, man fährt wie in Schienen. Dann steige ich unterwegs einmal aus zum fotografieren. Und es legt mich fast an der Türe beim Aussteigen lang hin. Die Strasse ist pures Eis. Mir gehen die Füße weg, aber mit dem Auto fahren wir drüber als wären wir auf einer nassen Straße. Mehr spürt man nicht, kein Schlingern, kein Ausbrechen und beim Bremsen fast unauffällig.
Gegen Mittag sind wir mit fotografieren fertig, fahren frühstücken und Nachmittags-Schläfchen halten. Nur so kommen wir auf den notwendigen Schlaf.
Abends wieder los. An die Küste bei Unstad. Aber es bricht über uns eine schwarze Wolkenwand herein. Das wird heute wohl nichts mit der Aurora borealis.

Gegen 23:00 Uhr sieht Tina aus dem Fenster und faselt von Sternen, die man sehen kann.
Also noch einmal komplett die Polarkluft angelegt und raus in die kalte Nacht zum Polarlicht suchen. Ein kleiner Strandabschnitt, etwa 10km entfernt, bietet die notwendige Dunkelheit.
Am Himmel sehen wir schon richtiges Glühen. Mit der Stirnlampe geht es von der Strasse weg, über schneebedecktes Marschland, an die Küsten mit vielen Steinen.
Was wir die nächsten zwei Stunden erleben ist fantastisch. Es wabert und leuchtet, es sind Vorhänge und Strukturen. Wie wild fotografieren wir drauf los. Eine fantastische Nacht.
Später bei der Rückfahrt nehmen wir noch einen kleinen Fischerhafen mit.
Gegen 1:00 Uhr sind wir dann zurück im Ferienhaus.

04.03.2013 Montag
Entgegen dem Plan um 5:30 Uhr den Sonnenaufgang zu betrachten, lassen wir das heute morgen. Man kann nicht alles mitnehmen, sonst schläft man gar nicht mehr. Die Sonne scheint und es liegt wieder ein Hauch Neuschnee. Die Eiskristalle funkeln. Gegen Mittag sind wir in Leknes und Tanken .Es geht runter nach Nusfjord, dem ältesten Fischerdorf Norwegens. Vor der Abzweigung bleiben wir an einem Eisfeld, bei dem durch Ebbe nun das Eis auf Grund der sehr flachen Lagune liegt. So kann ich raus gehen denn einbrechen ist nicht möglich. Durch das dünne Eis sieht man die Muscheln im Sand liegen. Mittlerweile hat es wieder komplett zu gezogen, dichte Wolken beherrschen den Himmel. Kurz erscheint Nusfjord in einem goldenem Licht, aber nicht lange genug um eine Parkbucht zu finden und die Kamera herauszuholen. Nusfjord soll sehr nett sein. Allerdings entpuppt sich der Ort als herbe Enttäuschung und sommerliche Tourifalle. Als ältestes Fischerdorf Norwegens ist das mehr ein Museum, um das Dorf zu betreten ist Eintritt fällig. Jedoch nicht im Winter. Denn vor uns liegt eine Geisterstadt. Ausser 3-4 Handwerker an den Touristenhäuschen, die Renovierungen durchführen, sind wir die einzigen in dieser „Baustelle“. Das Wetter passt wieder nicht für Fotos, so wandern ein wenig zum Leuchtturm. Allerdings ist am bewaldeten Hang alles unter dem Schnee eine dicke, abschüssige Eisplatte. Nach dem dritten Sturz beschließt Tina zu warten, ich gehe alleine weiter. Man weiß nie wo man hintritt. Unter dem dicken Schneepanzer lauern tiefe Löcher zwischen Steinen und Gebüsch. Oder es sind viele Meter breite und vom oberen Hang bis zum Ufer reichende Eisplatten darunter vom abfließenden Hangwasser bei Zwischen-Tauperioden. Vom Leuchtturm Erinnerungsfotos gemacht und dann zurück. Naja, das Dorf haken wir ab und als nächstes Ziel nehmen wir uns erneut Flakstad mit seinem Strand und der roten Kirche vor. Am Strand erst einmal Tee getrunken und Powerriegel gegessen. Dann halten zwei Transporter hinter mir. Im Aussenspiegel beobachte ich wie sich 4 Personen ausziehen und Neopren anlegen. Dann wird mir klar was das wird. Sie gehen zum Surfen. Nichts ungewöhnliches, lässt man jetzt die schneebedeckte Landschaft, die minus vier Grad Celsius und den eiskalten Wind sowie Wasser am Gefrierpunkt ausser Acht. In Kürze sind sie in den Wellen und ich kann einige Bilder von den Surfkünsten machen. Mit Nordlicht wird es heute (wenn es nicht wieder aufklart) nichts. Also nach Hause, Essen fassen. Im Supermarkt noch schnell etwas geholt, 1 Tüte billigste Chips und zwei Dosen günstigstes Bier macht dann an der Kasse 12,- Euro !! Es klart nicht auf, somit gehen wir schlafen.

05.03.2013 Dienstag
Sehr früh stehen wir auf. Kurz vor 6:00 Uhr sind wir unterwegs. Gen Südosten wollen wir, wegen der Sonnenaufgangsrichtung. Daher ist heute Ballstad als Alternative dran. Nicht sonderlich ergiebig wegen dem Schneefall. Keine Fotos… Zurück fahren wir über die Südküste von Vagan. Einfach um zu scouten und evtl. etwas für später zu entdecken. Wegen dem Wetter verbringen wir den Tag in der Unterkunft. Erst abends brechen wir erneut auf. Das Ziel ist Eggum an der nördlichen Küste. Mittlerweile ist aus dem Wind ein böiger Orkan geworden. Am Strand in Eggum wirft es mir sogar das Stativ samt Kamera um, so stark bläst es. Auch hier wird darum nur fotografiert um den Tag rumzukriegen, für den Sonnenuntergang versteckt sich die Sonne hinter dem bereits bekannten Wolkenband am Horizont. Nur für 2-3 Minuten gibt es am Himmel etwas Farbe zu sehen. Dann wird es grau. Es ist ärgerlich, wenn man wegen dem besonderen Licht auf die Lofoten reist und das Wetter gar nicht mitspielt. So haben wir einen Grund noch einmal zu kommen. Wir genießen trotzdem jeden Eindruck auch bei dem miesen Wetter, denn die Landschaft ist herrlich und manchmal ergibt sich ja doch für Minuten ein dramatisches Licht. So kommt mir wegen der Stockfische und dem „arttypischen“ Geruch noch eine noch nicht gemachte Geschäftsidee. Duft-Wunderbäume für das Auto in „Norwegian Style“.

06.03.2013 Mittwoch
Ebenfalls wieder um 4:45 Uhr klingelt der Wecker. Zuerst fahren wir nach dem Frühstück nach Vagan um an der Südostküste etwas vom Sonnenaufgang mitzubekommen. Irgendwie geht die Sonne relativ nördlich auf. Somit fast immer hinter Bergen und aufgrund des nun schon seit Tagen am Horizont hängenden Wolkenbandes wird es auch erst nur hell, kein schöner Sonnenaufgang. Und wenn die Sonne das Wolkenband passiert, ist sie schon zu hoch stehend bzw. das Licht wird hart. An einer Nebenstrecke in einer Bucht gelingen ein paar Fotos, auch eine Spiegelung der Lofotkatedral in Kabelvag ist ganz o.k. Wir durchqueren Solvaer und setzen den Weg nach Laukvik fort. Unterwegs wird immer wieder einmal gehalten um nette Beifang-Fotos zu machen. Schnell vergeht die Zeit und wir sind in den oberen Fjorden. Die Sonne ist hinter Wolken, über dem Meer kommt es ganz schwarz. Manche Berge auf anderen Inseln in der Ferne sind sonnenbeschienen. Diese Kontraste bieten ein ganz eigenartiges Bild. Beim Fotografieren eines Wracks am Ufer des Fjordes bin ich vorsichtig, denn es hat Ebbe und das Eis im Fjord liegt auf, ist brüchig. Als ich neben das Wrack will, breche ich dennoch ein. Bis fast zum Knie stehe ich im eiskalten Wasser. Die dicken, wasserdichten Karmik-Stiefel füllen sich schlagartig von oben und tun was sie sollen. Dicht sein. Kein Tropfen läuft heraus. Ich wieder aufs feste Eis, Stiefel und Socken ausgezogen, Innenschuh entfernt und barfuss wieder in den nun viel zu großen Außenstiefel. Schließlich muss das Foto noch fertig werden. Getrocknet wird dann soweit wie möglich im Auto, es muss noch ein paar Stunden herhalten und heute hat es -4°C. (abends dann sogar -10°C). Weiter gefahren, Kaffee getrunken, an einem anderen gestrandeten Wrack fotografiert. In Solvaer wird getankt und dann Richtung Heimat gestartet, denn an der Küste Richtung Brenna soll der Abendhimmel auf den Sensor. Wieder wird das nichts mit dem sanften Lofoten-Sonnenuntergang. Das dicke Wolkenband am Horizont verhindert das. Die Sonne taucht eine halbe Stunde vor dem eigentlichen Untergang dort ein, leuchtet oben kurz die Wolken an und dann dimmt das Licht nur noch. Reines „fade to grey“. So geht mittlerweile jeden Tag die Sonne ohne uns auf und unter. Sie verwehrt uns das schöne Licht das hier normalerweise Stunden anhält. Zurück im Base-Camp, unserer Ferienwohnung, rasten wir, essen zu abend und machen uns nachts noch einmal auf die Suche nach einer Wolkenlücke mit evtl. Polarlicht. Ausser dichtem Schneetreiben ist jedoch nichts zu sehen. Überhaupt jagt der Schnee von heftigen Böen getrieben so sehr um die Halbinsel, dass wir stellenweise die Strasse nicht mehr sehen.

07.03.2013 Donnerstag
Zwar habe ich mir für 2:00 Uhr nachts den Wecker gestellt um die Lage noch einmal zu sondieren, jedoch bleibt das Wetter unverändert. Ein schneller Blick aus dem Fenster genügt, dann wieder ins Bett. Die Wetter-Apps haben doch recht. 90% Niederschlagswahrscheinlichkeit. Gegen 10:00 Uhr sind wir dann Richtung Reine unterwegs. Kurz in Leknes einen Stop eingelegt, eingekauft und ein paar Preise verglichen (Pizza 27,- Euro, 0,5l roter Wein dazu 24,- Euro, Mittagsgericht 45,- Euro ohne Suppe und Getränk, Teller Suppe mit Brot 17,- Euro). Es fängt wieder heftig zu schneien an. Bis Reine haben wir Windböen, Schneegestöber und dazwischen für 2-3 Minuten hellen Himmel. In Flakstad am Beach wirft es die Wellen zu Schaumteppichen. Im Sturm versuche ich ein paar Wellenfotos zu machen, gebe aber auf. Es wird zu gefährlich auf den nassen und übereisten Steinen. Die nächste Welle könnte mich umreißen, nass bis zu den Oberschenkeln bin ich schon von der Gischt. Ein einheimischer Fotograf den wir treffen, meinte es kämen immer mehr Touristen nun im Winter. Er zog den Hut davor, dass wir uns nicht im Zimmer verschanzten sondern draussen an der Küste in der stürmischen Landschaft unser Fotoglück versuchten. Denn das hier wäre jetzt die „richtigen Lofoten“, bei dem Wetter. Kurz vor Reine ein kleiner Lichtblick in der Bucht. Kurz scheint die Sonne zwischen dunklen Wolken heraus. In Reine ein wenig lustlos Stockfischgestelle abgelichtet. Ich wieder runter zum Ufer an der Aussichtsplattform. Jedoch hat es zwischen den Büschen und Steinen Schneeverwehungen die so hoch sind, dass ich immer wieder keinen festen Trittuntergrund habe. So versinke ich mehrmals hüfttief im Schnee und falle mehrmals. Zu allem kommt noch ein Sturz direkt am Ufer auf den eisigen Steinen mit Seetang darauf. Die Kamera knallt samt Objektiv und Stativ auf einen Stein auf. Kurzer Check, alles noch so weit heil. Kamera eingestellt, die Sonne kommt hervor und streift Reines Berge im Hintergrund mit einem goldenem Licht. Doch wo ist der Filter samt Halter. Mist, der war beim Sturz auf dem Objektiv. Kurz zurück zur Sturzstelle und da lag alles im Schnee zwischen den Steinen. Leider aber nicht mehr ganz, aus dem Filter ist ein Eck gebrochen. Wieder einer kaputt. Gut, dass ich keine Glasfilter-Verlaufsfilter kaufe. Mit dem fehlenden Eck kann ich noch weiterarbeiten. Bei der Rückfahrt passieren wir Brücken, wo uns ein stürmischer Wind aus Norden fast umwirft. Ein paar Bilder geschossen und da heftigster Schneefall in grausamen Böen aus der soeben noch fotografierten schwarzen Wolke uns einholt fahren wir ab. Wir orientieren uns im Schritttempo sowieso nur an den roten Stäben am Straßenrand. Den rechten sehe ich nicht, den sagt Tina an. Der linke ist meiner. Nach etwa 200m passieren wir eine Schneise. Der Schnee in der Luft ist hier so verwirbelt, dass wir einen kompletten White-Out haben. Null Sicht, nur reflektiertes Scheinwerferlicht. Als ich merke dass wir stehen bevor ich ganz abgebremst habe, ist es zu spät. Ich bin auf der gegenüberliegenden Seite in den Strassengraben und habe das Auto in einer Schneewehe versenkt. Die ist so tief, dass ich die Fahrertüre nicht öffnen kann. Über den Beifahrersitz steige ich aus. Wir schaufeln mit blanken Händen im eiskalten Schnee das Auto weitgehndst frei. Legen Fußmatten unter. Keine Chance. Nach etwa 15min naht ein Auto, der verspricht in der nächsten Ortschaft Hilfe zu mobilisieren. Zum Glück sprechen hier fast alle gut englisch. Eine weitere halbe Stunde später kommt ein Geländewagen. Der schafft nur mich noch mehr quer zustellen und seine Räder drehen selber, beim Versuch anzuschleppen, auf der Strasse durch. Mittels Telefon beordert er einen Farmer mit Trecker zur Unglücksstelle. Der ist bereits weitere 10 min später zur Stelle. In der Zwischenzeit habe ich das Auto mittels einer geliehenen Schaufel weitgehendst frei geschaufelt um nicht durch den verpressten Schnee weitere Schäden beim anschleppen des Autos zu riskieren..Der Trecker schafft es und wir stehen wieder auf der Strasse. Vorsichtig tasten wir uns die letzten 60km zur Unterkunft. Dort die nächste Überraschung. Wir kommen vor lauter Schnee nicht mehr in die Einfahrt. Mangels Schneeschaufel im Haus wird mit einer Plastik-Kehrichtschaufel die Einfahrt in Kleinstarbeit soweit geebnet, dass wir das Auto durch den 40cm tiefen Neuschnee und Schneeverwehungen von der Strasse weg bekommen. Nachts um 1:00 Uhr stehe ich auf und ziehe mich komplett an, um über eine Stunde draussen den Himmel absolut erfolglos nach möglichen Aurora Erscheinungen abzusuchen.

08.03.2013 Freitag
Aufstehen um 5:30 Uhr. Der Himmel hat Lücken in der Wolkendecke, das muss genutzt werden. An der Südküste finden wir eine nette Bucht mit Eisfeldern, Spiegelungen und schöner Himmelsfärbung. So vergehen 4h mit chillen bei -5°C. Aber dank der Kleidung kein Thema. Sogar gemütlich ist es in der Sonne. Weiter nach Süden, ich wollte noch einmal etwas scouten. Aber wir landen erneut im dichtesten Schneetreiben. Wir drehen um und wollen zumindest den berühmten Haukland Beach einmal sehen. Auch wenn sicher bei dem Wetter nichts davon zu sehen sein wird. Nachdem wir die falsche Abzweigung auf einer kleinen Nebenstrasse nehmen, stehen wir wieder auf der E10. Genug, wir fahren heim und machen einen Nachmittagsschlaf. Drei Stunden später geht es erneut in Richtung Haukland bzw. Uttakleiv. Pechschwarze Wolkenwände stehen hinter den weißen Bergen in der Bucht. Ein netter Klippenabschnitt lädt zu Wellenfotos ein. Als ich die Kamera eingerichtet hatte, kam dichtes Schneetreiben. So blieb ich über ein Stunde regungslos mit aufgebauter Kamera stehen und ließ mich zuschneien. Ich wusste, danach käme kurz wieder helles Licht und bessere Sicht. So war es dann auch. Tina verbrachte die Zeit im Auto. Am Beach selber sind dann abends nach dem wieder nicht vorhandenen Sonnenuntergang Sterne am Himmel erkennbar. Wir beschließen zu warten, evtl. käme eine Aurora. Nach 1,5h, in denen ich mir die Zeit mit ein paar Langzeitbelichtungen vertrieb, War der erste Schimmer sichtbar. Nicht viel, aber immerhin. Gegen 21:00 Uhr brachen wir ab um unser Glück noch einmal bei Eggum zu probieren. Das leichte Glimmen war die ganze Zeit am Himmel zu sehen. So waren den auch in Eggum noch ein paar Aufnahmen möglich. Mittlerweile hatte es -7°C. Als wir endlich um 00:15 Uhr nachts am Ferienhaus sind, kocht Tina ein paar Nudeln. Unsere erste Mahlzeit heute. Wir wollen gerade zu Bett gehen, da kommt vom Vermieter um 1:05 Uhr eine SMS, dass dies unsere letzte Nacht bei ihnen wäre und wir deshalb ruasgehen sollten um die fantastische Aurora zu sehen. Kurzer Check vor der Haustüre, alles grün!!! Wieder komplett angezogen und nette Spots für die Aufnahmen gesucht. Eine gigantische Aurora Entladung finden statt. Alles ist grün erleuchtet, als ob die Marsianer gekommen wären. Erst gegen 4:00 Uhr morgens sind wir nun im Bett, nachdem dieser Tag jetzt 23h hatte.

09.03.2013 Samstag
Vorgepackt hatten wir schon, so blieben wir bis 9:00 Uhr im Bett um wenigsten 5h Schlaf zu bekommen.
Draußen ist wieder alles eintönig, Schneetreiben und diesiges Wetter, als ob es die letzte Hammernacht nicht gegeben hätte. Wir vertreiben uns die Zeit noch bei der  Kirche auf der Insel Gimsoy. Schnell gelingt noch eine Spiegelung, doch bereits das zweite Bild funktioniert nicht mehr. Die Ebbe zieht das Wasser zu schnell ab.
Der Kirchen-Nachbar ist ein gesprächiger Typ und so erfahre ich einiges über den Trockenfisch, der hier produziert und exportiert wird. Sein nächster Nachbar vermietet sein Ferienhaus direkt am Meer mit Blick auf die Mitternachtssonne. Schnell also noch die Telefonnummern getauscht, man weiß nicht wann man das brauchen kann.
Zwar wollen wir unsere Vermieter noch einmal treffen, das gelingt aber nicht. So ziehen wir gegen 15:00 Uhr ab nach Sortland. Immerhin etwa 180km und das bei max 60 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit in Norwegen. Heute herrscht herrliches goldenes Licht, das erste Mal in diesem Urlaub. Nur müssen wir uns sputen nach Sortland zu kommen und zum zweiten kann man mittlerweile wegen des starken Schneefalls nirgends mehr anhalten. Die Ausweichbuchten sind nicht geräumt, die Aussichtspunkte und Parkplätze auch nicht. Man ist auf der Strasse zwischen Schneewänden in der Spur, seitlich stehen bleiben ist wegen dem Verkehr und der nun durch den Schnee auch schmäleren Strassen auch zu riskant. So schiebe ich ziemlich Frust, dieses fantastische Licht nicht nutzen zu können.
An eine Tunneleinfahrt in den Bergen kommt mir eine Bildidee. Noch auf der Strasse wird gewendet, Tina (als Aufpasser) am Straßenrand mit Stativ und Foto postiert. Funkauslöser genommen und mit ausgeschaltetem Licht Nachts  mehrmals die Strecke befahren. Zum Glück kamen fast keine anderen Autos, denn für jedes Manöver musste auf der Strasse gewendet werden. Aber dann ist das Bild doch im Kasten. In Sortland dann das selbe Drama. Schneefall und Wolken soweit die kurze Sichtweite es erlaubt. Frustriert gehen wir zu Bett, checken aber nachts trotzdem noch einmal erfolglos den Himmel.

10.03.2013 Sonntag
Auch am Morgen geht nichts. Das Auto ist unter 40cm Neuschnee begraben, man sieht die Hand kaum vor den Augen so schneit es. Also ausgiebig gefrühstückt und das Wetter-App auf dem Mobiltelefon als Orakel befragt. Sieht fast überall gleich aus, die größten Chancen jedoch nicht hoch in die Vesteralen. Sondern südlich. Zurück auf Vagan. Nach etwa 100km erste Lichtblicke. Unterwegs sehen wir Seeadler, was uns dazu bringt durch bis zu hüfttiefen Schnee zu stapfen. Als wir auf der Halbinsel so weit sind, dass wir sie sehen könnten sind sie schon weitergeflogen. Wahrscheinlich haben auch sie, so wie die Möwen, auf Fischabfälle gehofft die ein kurz in der Bucht liegendes Fischerboot über Bord warf.
Somit waren wir wenigstens sportlich unterwegs.
Weiter, das Licht gejagt und auf Lücken in der Wolkendecke gehofft, geht es nach Laukvik.
Dort haben wir abends dann wenigstens etwas Stimmung am Himmel und da auch größere Wolkenlöcher vorhanden sind, beschließen wir noch zu bleiben. Evtl. gibt es dann auch Polarlichter zu sehen. Kurz nach 21:00 Uhr glimmt es dann zumindest am Himmel und für den Kamerasensor ist es ausreichend. Angespornt fahren wir rüber in den Gunnfortfjord. Auch da ein wenig über dem Meer zu sehen, jedoch großteils von der schon bekannten Wolkenfront am Horizont verdeckt.
Also weiter in den Mortfjord. Da halten wir und schlafen dann beim Warten sogar länger ein. Um 1:00 Uhr morgens dann erneut ein Polarlicht am Himmel. Wenigstens zum Abschluss haben wir noch ein wenig gesehen. Müde machen wir uns auf den noch langen Heimweg ins Hotel, wo wir gegen 3:30 Uhr ankommen. Insgesamt also heute an einemTag 280km verfahren (das sind bei 50-60km/h Durchschnitt also alleine 5h reine Lenkzeit) nur um wenigstens für ein paar Wolkenlücken und schöne Minuten dem Wetter zu entkommen. Jetzt alles flugtauglich packen und dann 2,5h geschlafen. Denn um 6:30 Uhr geht der Wecker zum Frühstück vor unserer Fahrt an den 120km entfernten Flughafen. Bei den eisigen und schneebedeckten Strassen sind dafür mind. 2,5-3h zu planen, auch wenn wir dann tatsächlich weniger benötigen.

11.03.2013 Montag
Somit sind wir also am Flughafen, geben den Mietwagen retour und haben über Oslo unseren Heimflug mit der Norwegian.

+ + +   END  +++

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