logo

Gefällt Euch dieses Bild?

Eine Erläuterung zum Bildaufbau

Ist es Euch auch schon so ergangen, dass Euch ein Bild gefällt aber nicht genau sagen könnt warum? Sind es die Farben, die Strukturen, der Moment der fest gehalten wurde? Sicher sind es alle diese Dinge, die uns evtl. an einem Bild fesseln. Es sind sozusagen die Zutaten für den Geschmack.
Eine der Zutaten ist der Bildaufbau. Bestimmt habt ihr schon etwas von der Drittelregel oder dem Goldenen Schnitt gehört. Diese gehören zu den klassischen Grundregeln aus jedem Fotolehrbuch. Horizont nie in die Mitte - ebenfalls ein gern gehörter Leitspruch.

An diesen Regeln ist meist etwas Wahres dran und wer sich daran hält wird feststellen, dass die Bilder "gefälliger" wirken.

Allerdings sollte man nicht dogmatisch damit umgehen, Ausnahmen können reizvoll sein. Manchmal sogar notwendig, um die Bildwirkung zu verstärken. Als Beispiel sei hier das Abbild einer Spiegelung im See oder Meer genannt. Eine horizontale Spiegelachse exakt in Bildmitte kann den Eindruck erheblich steigern, vor allem bei knapperen Bildbeschnitten. Doch nun zur Praxis. Es gibt neben der Haupmotivpositionierung im Goldenen Schnitt, nach Fibunaci oder der Drittelregel weitere Gestaltungsmöglichkeiten.

Anhand eines Fotos von mir will ich das zeigen.
Ein Leuchtturm an der amerikanischen Ostküste. Das Wetter war fotogen, die spät nachmittägliche Tageszeit noch passend. Denn später würde der felsige Teil im Schatten liegen, da die Sonne sich nach links dem Horizont nähert.
Tip 1 "Leserichtung"
Die meisten Europäer , Afrikaner und die Bewohner der amerikanischen Kontinente sind gewohnt von links nach rechts zu lesen. Daher werden Bilder in den meisten Fällen ebenfalls von links oben nach rechts unten erfasst und interpretiert. Bei Völkern, die von rechts kommend lesen (arabische Schrift) bzw. Zeitschriften und Bücher von "der letzten Seite" aus beginnend durchblättern wirken Bilder die wir gemacht haben anders. In meinem Bild habe ich aus der Situation vor Ort das Hauptmotiv links platzieren müssen. Nun musste ein Gegenpol ins Bild, der Blick schweift ja weiter. Bei einem Leuchturm bietet sich an nicht das Bild an Küste enden zu lassen, sondern durch die Einbeziehung des Meeres und des Himmels die Weite zu transportieren, die man mit der Küste gedanklich assoziiert. Ich habe versucht die Bilderfassung zu markieren. Ging es Euch anders als ihr das Bild erstmalig betrachtet habt?
Tip 2 "Der abgelenkte Blick"
Das Auge wird in einem Bild unweigerlich zu der hellsten Stelle hin gezogen. Ein ausgefressener Himmelsfleck, ein heller Stein, grelle Gischt im Bild ggü. dem Hauptmotiv würde das Auge immer wieder zu sich lenken. Der Betrachter wird das Bild bald wegklicken oder weitergehen, denn es wird ihm nicht harmonisch erscheinen.
Tip 3 "Im Bild sein und bleiben"
Zuerst wird ein Bild im gesamten erfasst. Das sind wenige Zehntelsekunden. In diesen entscheidet es sich schon ob es fesselt und das Verweilen sich lohnt, oder man weiterzieht zum Nächsten. Das Auge fängt dann an das Bild zu scannen. Es sucht das Hauptmotiv, wandert weiter. Die logischen Linien der Hauptbildinhalte dürfen im Bild nicht dazu führen, aus dem Bildrand hinaus gelenkt zu werden. Manchmal nutzt man auch die Verstärkung der Vignette oder unscharfe Randbereiche dazu, denn wenn es nach außen hin "langweiliger" wird, kehrt das Auge eher ins Bild zurück. Stellt Euch vor ein knallbunter Luftballon im Schärfebereich wäre als zusätzliches, aber nebensächliches Element im Bild fast am Rand. Ihr seht dahin, fragt Euch was daneben kommt und schwubs seit ihr aus dem Bild draußen. Sowohl gedanklich als auch visuell.
Tip 4 "Leitlinien"
Dazu gehören alle Bildelemente, welche dazu dienen können zum Hauptmotiv bzw. in das Bild hinein zu lenken. Das können Lichter, Wege, Äste, Wellen, Steinwälle, Licht/Schattengrenzen etc. sein. Praktisch alles, welches einer gewissen Linie, egal ob gerade oder geschwungen, folgt.
Tip 5 "Spannung"
Was gibt es zu entdecken? Wie geht es weiter? Dazu helfen Haupt- und Nebenmotiv. In meinem Bild ist der Leuchtturm gleich als erstes als Hauptmotiv zu identifizieren. Durch die starke diagonale Aufteilung wird das Bild außerdem sehr stark in Vordergrund und Hintergrund geteilt. Stellt Euch vor, der Himmel wäre nur blau oder wegen geschlossener Wolkendecke unstrukturiert grau. Eine gähnende Leere währe in fast einem Bilddrittel. Durch die Wolken, noch dazu zwei verschiedene Arten vor dem blauen Himmel, kommt Spannung mit ins Bild. Rechts sorgt der Gischtspritzer für ein kleines Highlight (auf den habe ich bei der Aufnahme extra gewartet). Und dann, wenn man glaubt man durchs Bild durch, die Klippenfelsen vorne sind zwar strukturiert aber eben auch "nur Fels", entdeckt man plötzlich das Nebenmotiv. Der zweite Eyecatcher. Die Spiegelung des Hauptmotives in der Pfütze.
Im Beispielbild sieht man, dass man mehrere Regeln des Bildaufbaues parallel einsetzen kann. Zugegebener Weise hat das Bild trotzdem ein kleines Manko. Es ist nicht perfekt balanciert, sondern etwas "linkslastig" bzgl. der Inhalte.

Vielleicht hilft Euch dieser Artikel bei der Sichtweise auf Eure Bilder oder der Bilder von anderen Fotografen die Ihr betrachtet und entdeckt dabei leichter, warum Euch ein Bild auf Anhieb gefällt.

Was ich hier geschrieben habe sind Beispiele aus dem Bildaufbau, was mir ein Berufsfotograf vor vielen Jahren einmal selbst gezeigt hat und welche Maler und andere Künstler seit der Antike immer wieder anwenden.

Hier noch einmal das Bild ohne Anmerkungen in groß:


Photography is our passion
Just go with the flow

All contents and pictures are subjected to the copyright of Oskar Schad. You must not copy or use any pictures without written permission of the copyright owner. If you are interested in licensing, please contact me to make an inquiry.
Suchen | Search